Für Anton Lindskog (rechts) und seinen schwedischen Teamkameraden Jonathan Carlsbogard geht es heute im WM-Viertelfinale gegen das Überraschungsteam aus Katar.	FOTO: IMAGO
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Für Anton Lindskog (rechts) und seinen schwedischen Teamkameraden Jonathan Carlsbogard geht es heute im WM-Viertelfinale gegen das Überraschungsteam aus Katar. FOTO: IMAGO

Handball

Lindskog und Björnsen im WM-Viertelfinale

  • Daniela Pieth
    vonDaniela Pieth
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Während die Handball-WM in Ägypten für das deutsche Team beendet ist, sind mit Kristian Björnsen und Anton Lindskog zwei Bundesligaspieler der HSG Wetzlar weiter mittendrin statt nur dabei.

Die umstrittene Handball-WM in Ägypten tritt mit Beginn der K. -o.-Runde in ihre entscheidende Phase. Allerdings ohne die mit nur zwei Siegen gegen die Handball-Entwicklungsländer Uruguay und Brasilien bereits ausgeschiedene Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason.

Mit dem Norweger Kristian Björnsen und dem Schweden Anton Lindskog fiebert allerdings der heimische Bundesligist HSG Wetzlar ebenso mit wie die Handball-Anhänger der Region. Die beiden Skandinavier sind mit ihren Teams noch aussichtsreich im Viertelfinale vertreten, gelten neben Frankreich und Dänemark als Medaillenanwärter. Sollten Lindskog und Björnsen mit Schweden bzw. Norwegen in das Halbfinale am Freitag einziehen, hätte dies auch direkte Auswirkungen auf den Bundesliga-Restart der HSG Wetzlar. Die aktuell für den 6. Februar angesetzte Heimpartie gegen den HC Erlangen würde dann wegen der aktuell geltenden Corona- und der durch die HBL selbst auferlegten Quarantäne-Regelungen auf einen späteren Zeitpunkt verlegt werden.

Dank an Frankreich

Kristian Björnsen, der Wetzlarer Rechtsaußen mit mittlerweile 132 Länderspielen für Norwegen, setzt mit den Skandinaviern zum großen Wurf an und hat das Titelziel klar formuliert. Nach zwei WM-Vizetiteln 2017 und 2019 ist für das Team um Weltstar Sander Sagosen die Zeit reif, sich die Krone des Welthandballs aufzusetzen.

»Wir sind sehr glücklich, im Viertelfinale zu stehen«, gibt sich der 32-Jährige erleichtert, »danke dabei an Frankreich für die Hilfe gegen Portugal. Es wäre schlimm gewesen, wenn wir mit fünf Siegen nicht ins Viertelfinale gekommen wären«, blickt Björnsen auf den bisherigen WM-Verlauf zurück, der zwar Zwischenrundensiege gegen Portugal (29:28), Algerien (36:23) und Island (35:33) bescherte, die Norweger nach dem Vorrunden-24:28 gegen Frankreich aber bis zum Schluss um das Weiterkommen zittern ließ. »Zum Glück hat Frankreich gegen Portugal klar 32:23 gewonnen. Jetzt stehen wir in der K.-o.-Runde und freuen uns auf die Partie gegen Spanien«, ergänzt Björnsen, dessen Vertrag bei der HSG Wetzlar im Sommer ausläuft.

»Wir sind gegen Frankreich nicht so gut gestartet, aber dann haben wir uns gesteigert. Wir sind jetzt ganz gut drauf. Hoffentlich können wir uns weiter steigern.« Schließlich ist es ein schwieriger Weg bis zur angestrebten Goldmedaille, leichter wird die Konkurrenz nicht mehr. »Wenn wir gegen Spanien gewinnen sollten, spielen wir höchstwahrscheinlich gegen Dänemark.« Das eigentliche Traum-Finale. »Wir würden gerne Revanche nehmen für das verlorene WM-Finale vor zwei Jahren«, hofft Norwegen auf das skandinavische Duell. Björnsen: »Zuerst müssen wir aber auf jeden Fall Spanien schlagen.« Für den Rechtsaußen gibt es mit Spanien, Frankreich, Dänemark und dem eigenen Team gleich vier heiße Titelanwärter. »Da entscheidet am Ende jeweils die Tagesform.«

Björnsen selbst hatte ebenfalls Anlaufschwierigkeiten, in das Turnier reinzukommen. In der Zwischenrunde lief es dann auch im eigenen Abschluss mit jeweils drei Treffern gegen Portugal und Algerien besser. Allerdings hat Björnsen seine einstige Rolle als Siebenmeterspezialist - wie bei der HSG Wetzlar - mittlerweile an keinen Geringeren als Sander Sagosen abgetreten.

Corona-Geschichte

Anton Lindskog, der schwedische Kreisläufer der Mittelhessen, hat eine ganz persönliche Corona-Geschichte hinter sich. Dreimal trainierte er in der Vorbereitung mit der Nationalmannschaft, dann wurde er positiv auf Corona getestet: Quarantäne - der Traum von der Weltmeisterschaft schien vorbei, ehe er begonnen hatte. »Das war unwirklich für mich, weil ich keine Symptome hatte. Ich habe gedacht, jetzt ist alles vorbei. Zum Glück konnte ich zwei Wochen später hinterherfliegen nach Ägypten. Ich musste die Quarantäne durchziehen und einen negativen Test haben«, blickt der 27-Jährige zurück auf drei Wochen voller Unwägbarkeiten, »jetzt aber freue ich mich, dass wir ins Viertelfinale gekommen sind und alles gut aussieht für uns.«

Die Vorrunde hat der 1,98-m-Hüne zwar verpasst, für das Drei-Kronen-Team stand der Abwehrstratege in allen drei Hauptrundenpartien gegen Russland (34:20), Slowenien (28:28) und Weißrussland (26:26) aber auf dem Parkett.

Heute Abend geht es für das Team von Schwedens Nationaltrainer Glenn Solberg um 20:30 Uhr gegen Katar. Eine machbare Aufgabe? »Ja, kann man sagen«, gibt sich Lindskog selbstbewusst, »Katar spielt manchmal gut, manchmal weniger gut. Aber wenn wir einen guten Tag haben, sieht das gut aus für uns.«

Setzen sich die Schweden durch, geht es für die Nachfolge-Generation der Wislanders. Lindgrens und Anderssons im Halbfinale bereits um die Medaillen. »Wir haben ein sehr junges Team, sind vielleicht nicht so erfahren«, räumt Lindskog ein, »aber wir haben sehr viele gute Handballspieler. Wenn alles klappt, können wir den ganzen Weg zu Ende gehen. Das wird sehr schwer, aber die Möglichkeit ist da. Wir denken grundsätzlich von Spiel zu Spiel und schauen dann, was geht.«

Für Lindskog könnte es gut sein, dass sich die Rollen im Welthandball weiter hin zu den skandinavischen Teams verschieben. Dänemark ist für das 110-kg-Paket der Titelfavorit, Norwegen Geheimfavorit - und seine Schweden zu allem fähig.

Bei der HSG Wetzlar wird man die beiden WM-Viertelfinals heute gespannt verfolgen, sowohl Schweden gegen Katar als auch Norwegen gegen Spanien werden jeweils ab 20.30 Uhr auf sportdeutschland.tv zu sehen sein.

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