Sport-Wettkämpfe vor leeren Rängen - wie hier in der Rittal-Arena - sind für die Vereine auf lange Sicht nicht durchzuhalten. Der Bund will den Vereinen mit einem Hilfspaket wenigstens einen Teil der Einnahmeausfälle abnehmen. FOTO: VOGLER
+
Sport-Wettkämpfe vor leeren Rängen - wie hier in der Rittal-Arena - sind für die Vereine auf lange Sicht nicht durchzuhalten. Der Bund will den Vereinen mit einem Hilfspaket wenigstens einen Teil der Einnahmeausfälle abnehmen. FOTO: VOGLER

Sport

Auf den letzten Drücker

  • vonDPA
    schließen

200 Millionen Euro hat der Bund als Corona-Soforthilfe für den Profisport zur Verfügung gestellt. Die Frist endet am 31. Oktober. Die Gießen 46ers und die HSG Wetzlar arbeiten noch an letzten Details.

Das 200-Millionen-Euro-Hilfspaket, das der Bundestag Anfang Juli für den coronageplagten deutschen Sport geschnürt hatte, kommt bei den Empfängern nicht so richtig an. Bis zum 19. Oktober wurden gerade einmal Hilfen in Höhe von 25 651 483,64 Euro beantragt - und davon 7 435 505,46 Euro bewilligt. Das teilte das für die Verteilung der Steuergelder zuständige Bundesinnenministerium (BMI) dem Sport-Informations-Dienst (sid) auf Anfrage mit.

Pro Club können bis zu 800 000 Euro beantragt werden, um ausgebliebene Ticketeinnahmen im Zeitraum vom 1. April bis zum 31. Dezember 2020 auszugleichen. Antragsberechtigt sind die Vereine aller 1. bis 3. Ligen bei Frauen und Männern. Im Fußball kann nur die 3. Liga Geld erhalten. Es gab nicht wenige, die befürchteten, dass die 200 Millionen Euro den Bedarf nicht decken könnten. Die Skeptiker werden nun eines Besseren belehrt.

Kritik von Hörmann

"Das sind enttäuschende Zahlen", sagte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), "damit bestätigt sich, worauf wir seit Monaten hinweisen. Was politisch gut gemeint ist, lässt sich in vielen Fällen nur sehr kompliziert umsetzen. Die Kriterien zur Bewilligung sind für viele nicht oder nur sehr bedingt zu erfüllen und gehen nach Ansicht von Fachleuten über das übliche Maß hinaus."

Die Antragsfrist endet am 31. Oktober, anschließend sind die Ansprüche laut BMI "verwirkt". Hörmann bemüht sich darum, "den Topf zeitlich weiter fortzuschreiben". Das Interessenbündnis "Teamsport Deutschland" mit den fünf großen Mannschaftssportarten sprach sich am Donnerstag ebenfalls für eine Verlängerung der Hilfen bis Juni 2021 und zudem für die Anhebung der Obergrenze pro Klub von 800 000 Euro auf eine Million aus. Doch woran liegt es, dass die Hilfsgelder nicht üppiger fließen oder überhaupt erst einmal zahlreicher beantragt worden sind? Für einige Vereinsvertreter wie Wolfgang Gastner von den Nürnberg Ice Tigers aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL) ist "das Rettungspaket eine Mogelpackung", weil man nicht so einfach an die Gelder komme.

Handball-Präsident Andreas Michelmann ergänzte, dass Anträge von Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern nur dann gestellt würden, "wenn sie der Meinung sind, dass es rechtens ist. Das betrifft insbesondere die Drittligaklubs und einen Teil der Eishockey-Klubs."

Koch: Dankbar für jede Unterstützung

Michael Koch, Geschäftsführer und Sportdirektor des Basketball-Bundesligisten Gießen 46ers, hält das Hilfspaket grundsätzlich für eine gute Sache. "Wir befinden uns noch im Austausch mit unserem Steuerberater. Ich gehe fest davon aus, dass wir bis zum 31. Oktober einen entsprechenden Antrag auf Hilfsgelder stellen werden", sagt Koch auf Anfrage. Die Nothilfe sieht vor, dass die ausbleibenden Zuschauereinnahmen in den Monaten April bis Dezember 2020 zu 80 Prozent erstattet werden.

"Das macht es kompliziert, denn die Lage ändert sich täglich", erklärt Koch. Man müsse sich auf Einnahmen berufen, die man nicht genau beziffern könne. "Wir wissen nicht, wie viele Heimspiele vor wie vielen Zuschauern wir noch haben werden." Jede Unterstützung sei enorm wichtig, sagt Koch zu den Hilfen des Bundes. "Das erleichtert natürlich die Arbeit." Klar sei auch, dass eine solche Überbrückung die fehlenden Einnahmen nicht ausgleichen könne. "Aber es hilft."

So sieht es auch Björn Seipp, Geschäftsführer der HSG Wetzlar. Der Handball-Bundesligist ist gerade dabei, die Zahlen final zusammenzustellen. "Wir werden unseren Antrag fristgerecht einreichen." Es gebe aber im Zusammenhang mit der Berechnung der Einnahmeausfälle viele Details zu beachten. Man sei sehr dankbar, dass die Politik dem Sport mit einem solchen Paket zur Seite springe. "Natürlich sind die Richtlinien umfangreich. Und ja, es war aufwendig, die Zahlen zusammenzutragen. Aber das muss man auch einmal akzeptieren. Am Ende des Tages muss man dankbar sein, dass man Unterstützung bekommt." Es gebe Branchen, die weniger Hilfen bekommen würden.

Seipp schränkt aber auch ein: Die Überbrückung werde nicht ausreichen, müsse man weiterhin vor leeren Rängen antreten. Gehe es mit den Geisterspielen so weiter wie bisher, dann werde man über neue Hilfen im kommenden Jahr nachdenken müssen. "Dann reicht die Kohle nicht."

Die Zweitliga-Handballer des TV Hüttenberg haben ihren Antrag auf Hilfen nach eigenen Angaben eingereicht.

EC Bad Nauheim: Antrag bewilligt

Einen Schritt weiter ist man beim Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim. Der Antrag sei bereits bewilligt worden, berichtet Andreas Ortwein. Das entsprechende Schreiben sei zu Wochenbeginn zugestellt worden. Über die Höhe der Summe wollte der Geschäftsführer der Spielbetriebs GmbH keine Angaben machen. "Natürlich ist das Hilfspaket eine Unterstützung und lindert etwas den größten Schmerz. Aber das kann noch nicht die endgültige Lösung sein", sagt Ortwein. Was die Roten Teufel aus der Wetterau besonders trifft: die Umsätze aus der Stadion-Gastronomie, die die GmbH anders als viele DEL2-Konkurrenten in Eigenregie betreibt, werden nicht kompensiert. Auch Testspiele - vier Heimspiele wurden bereits bestritten - werden im Hilfspaket nicht berücksichtigt. Nicht antragsberechtigt sind laut der Richtlinien die Regionalliga-Fußballer des FC Gießen.

DOSB-Präsident Hörmann hatte stets die hohen Hürden der Bürokratie bemängelt und sich damit die Kritik von Dagmar Freitag zugezogen. Die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag verwies auf die Vorgaben durch die Bundeshaushaltsordnung und den Bundesrechnungshof, dem gegenüber die Ausgabe von Steuergeldern zu rechtfertigen sei.

Freitag mahnt zur Vorsicht bei der Bewertung der Abrufzahlen. "Diese Zahlen sind eine Momentaufnahme. Ich rate sehr dazu, jetzt den weiteren Verlauf abzuwarten. Ich gehe davon aus, dass mit Hochdruck an der Abarbeitung der bereits eingegangenen und noch eingehenden Anträge gearbeitet wird", sagte die SPD-Politikerin.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare