Leipzig ohne zwei wichtige Stützen in die neue Runde

(fk) "Sehr schwierig, denn beide können ein Team führen." Lukas Binder, Kapitän des Handball-Bundesligisten SC DHfK Leipzig, bringt es in der "Handballwoche" auf den Punkt. Seine Mannschaft hat mit Philipp Weber und Philipp Pöter zwei wichtige Stützen verloren. Zwei, die mit ihren individuellen Fähigkeiten einem Spiel den Stempel aufdrücken können, wie es so schön heißt.

Und wenn wir schon bei – zutreffenden – Phrasen sind: Die Abgänge kommen ausgerechnet im zweiten Bundesliga-Jahr. Das ist bekanntermaßen das schwerste. Auch für Leipzig.

Kommen/Gehen: Neben den beiden Philipps, die nun das Trikot der HSG Wetzlar tragen, muss der SC auch die Abgänge von Benjamin Herth (Rimpar), Sebastian Greß (Elbflorenz), Felix Storbeck (Hamm-Westfalen) und Sergey Zhedik (Katar) verkraften, wobei Letzterer spielerisch und zwischenmenschlich nie wirklich in Sachsen angekommen war. Neu im Leipziger Trikot sind mit Niclas Pieczkowski (Lübbecke), Roman Becvar (Rostock), Andreas Rojewski (Magdeburg) und Tobias Rivesjö (Erlangen) ausschließlich Rückraumspieler mit durchaus wohlklingende Namen. Vor allem Europameister Pieczkowski und der ebenfalls international erfahrene Rojewski, der der neue verlängerte Arm von Trainer Christian Prokop werden soll, bringen Qualität mit.

Hinter beiden stehen aber auch kleinere Fragezeichen: Wie hat Pieczkowski die Horror-Saison mit Lübbecke verdaut? Und wie steht es um den Gesundheitszustand von Rojewski, der lange Zeit Schmerzen am Meniskus gehabt hat? "Wir haben mit seinen Ärzten in Magdeburg gesprochen und ihn auch in Leipzig genau untersucht. Er hatte Superwerte", wiegelt DHfK-Geschäftsführer Karsten Günther gegenüber der "LVZ" ab.

Alles paletti? Nicht ganz!

Stärken/Schwächen: Kapitän Binder spricht vom "Haupttrumpf Teamgeist", wenn es um die Stärken der Mannschaft geht. Doch diesen besitzen in der Bundesliga viele Teams und er alleine wird den Klub nicht zum Klassenerhalt tragen. Das werden vielmehr die neu verpflichteten Nationalspieler tun. Da kommt es doch gelegen, dass "die Jungs menschlich top zu uns passen", wie Binder schwärmt. Dazu verfügt der Kader noch über eine Menge talentierter Spieler wie Franz Semper. Alles paletti? Ganz so rosarot sieht die Welt beim Sachsen-Klub nicht aus. Das weiß auch der Spielführer, der davon spricht, dass die Eingliederung von gleich vier Rückraumspielern schwierig sei.

Und Coach Prokop bringt es auf den Punkt: "Es geht in erster Linie darum, den Klassenverbleib zu sichern. Alles andere wäre Augenwischerei." Denn der SC hat sich starker Konkurrenz zu erwehren. Die Aufsteiger Erlangen, Coburg und Minden sind so stark wie schon lange nicht mehr.

Trainer/Umfeld: Prokop wurde zum "Trainer der Saison 2015/16" gewählt. Eine Ehre, die auch schon Wetzlars Kai Wandschneider zuteil wurde. Und dies ist nicht die einzige Parallele zwischen beiden. Prokop ist genauso wie Wandschneider ein Taktikfuchs, der Szenarien in all seinen kleinsten Varianten durchspielt, um im Ernstfall gerüstet zu sein. Er arbeitet die Schwächen der Gegner vorzüglich heraus. Geschäftsführer Günther ist es darüber hinaus gelungen, den Etat nach offiziellen Angaben von 2,8 Millionen auf 3,5 Millionen Euro anzuheben. In diesem fehlen derzeit aber noch 100 000 Euro durch den Wegfall eines Gold-Sponsors. Diese sollen nun mittels Losen gesammelt werden.

Fazit/Prognose: Leipzig hat in diesem Jahr mehr zu verlieren als im letzten. Sie werden von der Konkurrenz ernst genommen, wollen sich aber gleichzeitig in der höchsten deutschen Spielklasse etablieren. Dafür müssen eine neue Rückraum-Achse integriert und der doppelte Philipp-Weggang kompensiert werden. Viele Felder, die es zu beackern gilt. Die Sachsen werden die Liga aber halten, weil sie die Konkurrenten um den Klassenerhalt schlagen und darüber hinaus für die eine oder andere Überraschung sorgen werden.

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