Die Leiden des Maurice Pluskota

(gae) Maurice Pluskota erzielte die ersten Körbe für die Gießen 46ers – natürlich per Dunking. Das war am 31. August 2015 im ersten offiziellen Testspiel gegen Jena. Seitdem hat der 23-Jährige kein Basketballspiel mehr bestritten. Eine nicht heilen wollende Stressfraktur im Schienbein hindert ihn daran. Wir haben ihn zum Interview getroffen.

Maurice Pluskota sitzt auf dem Fahrrad und strampelt sein tägliches Pensum von einer halben Stunde ab. Alles unter der Kontrolle von seinem Physiotherapeuten Lukas Lai. Die Praxis im Asterweg ist für den Center der Gießen 46ers eine zweite Heimat geworden, Lai wie ein Bruder. Dem 23-Jährigen merkt man keine Verletzung an – und doch hindert ihn eine Stressfraktur am rechten Schienbein seit 17 Wochen daran, seinem Job nachzugehen – Körbe für den mittelhessischen Basketball-Erstligisten zu erzielen. Eine nicht enden wollende Leidenszeit. Doch der 2,08-m-Mann gibt die Hoffnung nicht auf. "Unser Ziel ist es, dass Mo in dieser Saison noch für die 46ers spielt", erklärt Lai. Das ist auch die oberste Prämisse von Pluskota, für die er seine ganze Kraft einsetzt.

Wann haben Sie zum ersten Mal die Schmerzen im rechten Schienbein gespürt?

Maurice Pluskota: Nach dem Spiel für die A2-Nationalmannschaft in Südkorea bei der Universiade gegen Mozambik im Sommer (9. Juli 2015) habe ich leichte Schmerzen gehabt. Da fing es so langsam an, aber ich habe das nicht so ganz ernst genommen, weil das eher ein juckender Schmerz war. Ich dachte, das ist irgendwas mit dem Muskel. Ich bin nicht zum Physiotherapeuten gegangen, da ich dachte, das geht mit Stretchen oder Ausrollen alleine weg.

Wann wurde die Verletzung diagnostiziert?

Pluskota: Das war nach dem Jena-Spiel in der Vorbereitung (31. August 2015). Da hat es richtig wehgetan, das war wohl das i-Tüpfelchen, das noch gefehlt hatte. Ich konnte danach kaum gehen und bin direkt zu unserem Mannschaftsarzt Dr. Wolfgang Leutheuser. Der hat mich zum Radiologen zum MRT geschickt – und dann stand die Diagnose Stressfraktur im Schienbein fest.

Wie sah nach der Diagnose Ihr Behandlungsablauf aus?

Pluskota: Ich musste das Ganze ruhig legen. Ich habe einen Boot (Schuh) bekommen, das ist was Ähnliches wie ein Gips, den du aber zum Schlafengehen ausziehen kannst. Den musste ich sechs Wochen lang tragen. Das habe ich auch getan. Danach habe ich ihn abgenommen und mit unserem Physio Lukas (Lai) viele Übungen gemacht, um wieder langsam in Form zu kommen. Laufübungen, Krafttraining, du verlierst an Muskeln, wenn du diesen Schuh trägst.

Wie war denn der zeitliche Ablauf geplant gewesen?

Pluskota: Wir sind davon ausgegangen, dass ich nach den sechs Wochen noch gut zwei Wochen für die Reha brauche, um dann wieder spielen zu können.

Daraus sind jetzt insgesamt 17 Wochen Pause geworden. Wie das?

Pluskota: Leider ist es nicht so abgelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Jetzt müssen wir weitere Maßnahmen ergreifen. Nächsten Montag habe ich einen Termin bei einem Spezialisten in Frankfurt. Dr. Leutheuser begleitet mich dorthin. Ich gehe davon aus, dass der Spezialist mich wieder in Gips setzen wird – leider. Und ich werde wohl Infusionen erhalten, die die Knochen stärken sollen.

Das ist so mein Gefühl, ich weiß nicht genau, was er machen wird. Vielleicht hat er den einen oder anderen Trick, um den Heilungsprozess zu beschleunigen.

Warum traten denn immer wieder Probleme auf?

Pluskota: Das ist schwer zu sagen. Diese Frage kann ich leider nicht beantworten. Anscheinend bin ich zu früh zurückgekommen. Im Normalfall verheilt aber das Ganze in sechs, sieben Wochen mit Reha – und dann kannst du auch wieder spielen. Mein Schienbein ist schon viel besser geworden, und ich fühle mich zurzeit, als könnte ich sofort wieder spielen.

Wie haben Sie für sich als junger, aufstrebender Profi die lange Leidenszeit erklärt und versucht, das alles zu verarbeiten?

Pluskota: Das Ganze war am Anfang für mich ziemlich schwierig zu verkraften, dass ich sechs Wochen – jetzt sind es ja schon 17 – draußen bin. Ich hatte viel Hilfe von meinen Freunden, der Familie, Mitspielern, Coaches und meiner Freundin Teuta – sie standen mir immer zur Seite und haben mich aufgemuntert. Mein Coach Denis Wucherer hat mich eine Woche nach Hause (Bremerhaven) geschickt, damit ich mal den Kopf freibekomme. Das hat mir geholfen, dafür bin ich ihm dankbar, denn ich war in einem Tief und wusste nicht weiter.

Und wie fühlen Sie sich momentan?

Pluskota: Ich habe weiterhin das Ziel vor Augen, so schnell wie möglich wieder gesund zu werden. Und Hoffnung in den Spezialisten. Ich bin noch nicht glücklich und zufrieden, aber es ist energieverschwendend, wenn ich die ganze Zeit mit mir selbst zu kämpfen habe. Ich muss positiv bleiben und denken: Das wird schon wieder.

Was ist Ihr großes Ziel für 2016?

Pluskota: Ich werde meine ganze Kraft reinstecken, um wieder gesund zu werden. Ich liebe diesen Sport, er ist mein Job. Ich will spielen und der Mannschaft helfen – zurzeit läuft es ja gut. Aber ich glaube, wenn ich zurück bin, dass ich dann dem Team mit meiner Energie, mit meiner Athletik und meiner positiven Art und Weise noch weiter helfen kann.

Welche Rolle haben Sie momentan im Team?

Pluskota: Ich bin der Motivator. Ich bin derjenige, der aufmuntert, der pusht, der motiviert, wenn es einem Spieler nicht gut geht. Ich fühle mich nicht zu fein dafür, das ist vom Menschlichen her meine Art.

Sie haben unzählige Stunden mit Ihrem Physio Lukas Lai verbracht. Wie sehr ist er Ihnen ans Herz gewachsen?

Pluskota: Lukas ist für mich wie ein Bruder. Er ist immer für mich da – das ist nicht selbstverständlich. Er ist ein wichtiger Faktor für mich, der mir Tag für Tag sagt, dass alles positiv für mich enden wird.

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