Die Großsporthalle in Alsfeld bleibt zum Jahreswechsel verwaist. Für gewöhnlich steigt zu dieser Zeit das Sparkassen-Hallenmasters. Die Kreismeisterschaften sind immer ein beliebter Treffpunkt für Fußballfans. ARCHIVFOTO: VOGLER
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Die Großsporthalle in Alsfeld bleibt zum Jahreswechsel verwaist. Für gewöhnlich steigt zu dieser Zeit das Sparkassen-Hallenmasters. Die Kreismeisterschaften sind immer ein beliebter Treffpunkt für Fußballfans. ARCHIVFOTO: VOGLER

Der leere Terminkalender

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Seit einer gefühlten Ewigkeit ist Hallenfußball eine feste Größe in Mittelhessen. In Alsfeld tragen die Aktiven die Kreismeisterschaften aus, während auch die Stadtpokale in Gießen oder Hungen/Lich ihre Plätze im Kalender haben. Doch im Winter 2020/21 ist alles anders.

Seit mehr als 30 Jahren wird zwischen den Jahren in der Gießener Sporthalle Ost der Fußball-Stadtpokalsieger gesucht. Doch nicht in diesem Jahr. Bereits im August verständigte man sich, den "Budenzauber" abzusagen. "Wir können nicht planen. Aufgrund der aktuellen Verordnungen ist es uns nicht möglich, die Veranstaltung durchzuführen - Stand jetzt", hatte Gerd Kerzmann (TSV Klein-Linden) mit Wehmut bereits im August gesagt. Und da waren die Beschränkungen noch nicht so rigide wie aktuell.

Aber nicht nur die Senioren pausieren in diesem Jahr, auch der Stadtpokal für die Junioren wurde seinerzeit ausgesetzt. "Wir verfahren da analog und verzichten auf eine Ausschreibung dieser Veranstaltung", hatte Gießens Sportamtsleiter Tobias Erben auf Anfrage dieser Zeitung erklärt. Das war ebenfalls im August, aktuell wäre ohnehin angesichts des kompletten Lockdowns nichts möglich gewesen. Der Terminkalender für den Fußball-Interessierten ist einfach leer.

Mit viel Wehmut sehen es auch die Organisatoren im Vogelsbergkreis. Das Sparkassen-Hallenmasters in Alsfeld muss nach 2015/16 (Flüchtlingskrise) nun erneut ausfallen. "Viele sind im Oktober schon auf mich zugekommen und wollten wissen, wie es aussieht. Dann hat der Verband ja vorgegriffen, und wir haben das Ende Oktober offiziell gemacht", erklärt Peter Kraus, der die Veranstaltung als Vorsitzender des Freundeskreises Fußball im Kreis Alsfeld seit Jahr und Tag mitorganisiert. Aus der Sprecherkabine unter dem Hallendach behält Kraus den Überblick. "Es gibt Zuschauer, die jeden Tag kommen. Da weiß man genau, wann sie da sind. Sie sitzen immer am selben Platz." Immerhin über 2000 zahlende Besucher über Vor-, Rück- und Endrunde wollten den "Budenzauber" in den letzten Jahren sehen.

Kraus, der seit September auch Stellvertretender Kreisfußballwart ist, befürchtet ein rückläufiges Interesse am Fußball. Vor allem der Nachwuchs bereitet Sorgen. "Für Kinder ist die Situation extrem. Da könnte der eine oder andere sonstige Hobbys entdecken und abspringen." Sportarten wie Tischtennis oder Golf sind in Corona-Zeiten leichter möglich als Teamsport.

Von der Corona-Pandemie hart getroffen sind die Nachwuchsfußballer auch in der Nachbarschaft. Die "Gießener" wären eigentlich seit einigen Wochen schon im Futsal-Wintercup beschäftigt, doch auch dieser kann heuer nicht stattfinden.

"Es ist eine Katastrophe, dass wir die Futsal-Saison nicht spielen können, zumal den Kindern insgesamt vor allem das Training fehlt. Hier könnten sie sich auspowern. Mit Blick darauf muss ich auch sagen, dass ich Angst habe, dass viele sich von unserem Sport abwenden könnten", blickt Gießens Jugendfußballwart Klaus-Jürgen Schretzlmaier ähnlich pessimistisch in die nähere Zukunft. Sein Lichtblick: "Ich hoffe, dass wir im Frühjahr wieder draußen den Spielbetrieb aufnehmen können."

Seit Ende Oktober liegt der Senioren- und auch Junioren-Spielbetrieb darnieder, nichts geht mehr. Den Kindern und Jugendlichen fehlt das Training, ebenso natürlich der Wettkampf. Von den sozialen Kontakten ganz zu schweigen. Das gilt natürlich auch für alle anderen Sportarten, die sich um ihren Nachwuchs sorgen.

"Es ist schon komisch. Das ist so eine liebgewordene Tradition, das man sich beim Stadtpokal Gießen oder beim Stadtpokal von Hungen und Lich getroffen hat. Aber das geht in diesen Zeiten eben nicht. Aber es fehlt etwas, das muss man einfach sagen. Besonders leid tut es mir jedoch für die Jugend. Die Futsal-Endrunde im Februar beziehungsweise im März war immer ein Highlight für unseren Nachwuchs", pflichtet Gießens Kreisfußballwart Henry Mohr seinem Jugend-Amtskollegen bei.

Hoffen auf Spiele im Freien

Einen festen Platz im Terminkalender hatte "zwischen den Jahren" der Stadtpokal Hungen/Lich. Aber auch für den gilt - dieses Jahr nicht. Doch Jörg Jackl, Institution beim TSV Hungen und im Vorstand der FSG Villingen/Nonnenroth/Hungen, sieht das ganze pragmatisch. "Es ist nun mal so, alles ist runtergefahren worden. Und die Gesundheit steht an allererster Stelle. Vielleicht können wir ja 2021 wieder in die Halle gehen. Aber eines muss man festhalten: Für die Kinder ist das fast schon ein verlorenes Jahr", sieht Jackl den Nachwuchsbereich durchaus in Gefahr.

So lebt die Hoffnung in den Fußballkreisen Alsfeld und Gießen und auch anderswo aktuell davon, dass man im Frühjahr vielleicht den Spielbetrieb im Freien wieder wird aufnehmen können und dürfen - bei den Senioren und den Junioren.

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