Sommerbiathlon

Laubachs ruhiger Finger

Auch Andreas Tempelfeld läuft in Oberhof und visiert die Zielscheiben an – bloß im Sommer statt im Winter. Der Laubacher ist einer der erfolgreichsten Sommerbiathleten Deutschlands.

Schießen? Stellt für den routinierten Andreas Tempelfeld schon gar kein Thema mehr da. Der Laubacher hat den Ablauf am Schießstand in seiner 40-jährigen Laufbahn im örtlichen Schützenverein so verinnerlicht, dass er vor seinen Wettkämpfen allein mit Trockenübungen auskommt. "Ich lege mich tatsächlich mit dem Gewehr vor den Fernseher und übe nur den Anschlag ein."

Den ruhigen Finger am Abzug bewies Andreas Tempelfeld bei seinen bisherigen Erfolgen im Sommerbiathlon schon häufig. Zuletzt wurde er bei den deutschen Meisterschaften in seiner Altersklasse sechsfacher nationaler Titelträger. Während des dreitägigen Wettkampfes in Bayrisch Eisenstein ging Tempelfeld zweimal pro Tag an den Start: Sechs Kilometer laufen am Anschlag, viermal möglichst fehlerfrei schießen – kurz darauf das ganze noch mal von vorne.

Die sportliche Leistung, die er dabei vollbringt, findet in der Öffentlichkeit im Gegensatz zum traditionellen Biathlon jedoch kaum Anklang. Dabei gibt es viele Parallelen. Die Wettkampfmodi belaufen sich beispielsweise auf eine vier Kilometer lange Strecke mit zwei Schießunterbrechungen beim Sprint oder einer sechs km langen Distanz beim Massenstart mit viermal Schießen sowie möglichen Strafrunden. Genutzt werden dabei dieselben Streckenabschnitte wie beim Wintersport – nur zu Fuß statt auf Skiern.

Zum Sommerbiathlon ist Tempelfeld durch Zufall gekommen. In seiner Jugend war er noch als klassischer Sportschütze aktiv. Doch eine Wettbewerbsausschreibung Mitte der 80er Jahre weckte erstmals sein Interesse an der ihm bis dahin unbekannten Disziplin. Die Teilnahme zahlte sich aus – der damals 16-Jährige trat schon Mitte der 80er gegen 250 Mitstreiter an. Seine Ausdauerfähigkeit spricht der Sportler auch dem damaligen Training im Wetterfelder Fußballverein zu. Auch heute zeigt sich seine Leidenschaft für den Ausdauersport: Tempelfeld legt die Strecke zur Arbeitsstelle in Pohlheim meist mit dem Fahrrad zurück. Damit schafft er einen Ausgleich zum Arbeitsalltag und gleichzeitig eine optimale Grundlage für das Sommerbiathlon.

In seinem Training absolviert Tempelfeld vier Ausdauereinheiten in der Woche. Diese finden eingebunden in seine ehrenamtliche Tätigkeit als Jugendtrainer im Verein SV Laubach statt und sind teilweise auf hohem Niveau angesiedelt. "Den Halbmarathon muss man schon in knapp einer Stunde 20 laufen können, um bei den deutschen Meisterschaften gut abzuschneiden."

Der SV Laubach hat gerade in Sachen Jugendarbeit viel zu bieten. Die Nachwuchsmitglieder können sich über ein abwechslungsreiches Training freuen. Hier stehen Inlinerfahren, Skiausflüge, Kraftraining, Schießeinheiten und vieles mehr auf dem Programm. Dies zahlt sich aus. Die Biathlonsprösslinge, unter ihnen auch seine eigenen Kinder Jan und Regine, können ebenfalls eine hohe Erfolgsquote aufweisen. Insgesamt vier deutsche Jugendmeister zählt der Verein. Besonders hervorzuheben sind die Leistungen von Charlotte Heßler (zwei Einzeltitel und ein Staffelgold bei der DM) und die Teilnahme an der internationalen deutschen Meisterschaft 2017 von Lilith Grupe.

Tempelfeld hat zwar weiterhin vor, bis zu 15 Wettkämpfe im Jahr zu bestreiten, primär liegt ihm aber die Förderung des Nachwuchs am Herzen. Allein auf 50 neue Mitglieder kann der SV Laubach seit 2014 blicken. Aus diesem Grund wurde jüngst ein fester Schießstand (für 20 000 Euro) gebaut, auch weitere Gewehre (Kostenpunkt bis zu 3000 Euro pro Sportgerät) sollen in Zukunft mithilfe von Sponsorengeldern angeschafft werden – Ausdruck der Entwicklung, in der die wachsende Sportart steckt.

Schon jetzt zählt Laubach im Sommerbiathlon zu den vier leistungsstärksten Standorten Deutschlands. Tempelfeld arbeitet – unterstützt von vielen ehrenamtlichen Helfern – mit dem Nachwuchs daran, dass dieser Status mindestens aufrechterhalten wird. Ein Vorbild, das das Schießen trocken vor dem Fernseher übt und sich auch bei einem 180er Puls nicht aus der Ruhe bringen lässt, haben die Laubacher Jugendlichen in Andreas Tempelfeld ja schon mal.

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