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In Skopje wird Ian Weber mit seinen DHB-Kollegen von den Handball-Funktionären als U19-Vizeweltmeister ausgezeichnet.

Handball

Langsam kommt der Stolz bei Ian Weber

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Mit Silber im Gepäck kam Ian Weber zurück von der U19-WM. Als Kapitän der deutschen Handball-Nationalmannschaft startet er am Wochenende mit der HSG Wetzlar U23 in die 3. Liga.

Zum Auftakt gastiert mit der HSG Hanau am heutigen Samstag (19.30 Uhr) ausgerechnet das Team in Dutenhofen, das vor einer Woche für den TV 05/07 Hüttenberg im DHB-Pokal zum Verhängnis wurde. Vor der Bundesligapartie der HSG Wetzlar gegen Lemgo haben wir mit Vizeweltmeister Ian Weber über seine Erlebnisse bei der WM gesprochen.

Herr Weber, die erste Partie gegen Portugal war ein klassischer Fehlstart. Wie hat die Mannschaft diese Niederlage gleich zu Beginn des Turniers verdaut?

Ian Weber:Das war schon ein riesiger Klotz. Von Portugal hatten wir vorher noch nicht so gute Ergebnisse gesehen. Im Nachhinein waren die Portugiesen eine der besten Mannschaften und sind auf dem vierten Platz gelandet. Für uns war das die Erkenntnis: Wir sind ja gar nicht so gut, wie wir eigentlich dachten. Damit standen wir gegen Tunesien extrem unter Druck und haben das ganz gut gemeistert.

War das vielleicht auch der berühmte notwendige Schuss vor den Bug?

Weber:Auf einer Seite schon, weil man ein bisschen von seinem hohen Ross herunter kommt. Auf der anderen Seite sage ich, dass wir mit einer Mannschaft angereist sind, die nicht so souverän war, dass wir ohne Probleme mit Gold da raus marschieren.

War eine Niederlage in der Vorrunde einkalkuliert?

Weber:Ja. Wir hatten ja auch Island in der Gruppe und wussten, dass das ein verdammt schwerer Gegner ist. Natürlich kam uns dann zugute, dass sich Island im letzten Gruppenspiel ein bisschen geschont hat, weil es nur noch um die Platzierung ging. Eine Niederlage kann man immer einkalkulieren. Dass die nicht gegen Island kam, war eine kleine Überraschung.

Sie sind dann souverän ins Finale marschiert, haben in den folgenden Spielen sogar Dänemark mit elf Toren Unterschied von der Platte geputzt. Da kommt man doch in einen Flow, oder?

Weber:Ja. Das fing schon gegen Ungarn an, die haben wir auch mit zehn Toren weggefegt (lacht). Es hat einfach Bock gemacht, es ist uns einfach von der Hand gegangen. Keine Mannschaft hat gegen uns mehr als 22 Tore geworfen. Also müssen wir 23 machen, um zu gewinnen.

Was waren die Probleme im Finale?

Weber:Ich glaube, es war ein riesiges Problem, dass wir von Anfang an nicht so sattelfest waren. Ägypten ist eine Angriffsmannschaft. Uns war klar: Wenn wir gegen die gut verteidigen, haben wir Chancen. Dann haben wir nach einer Viertelstunde schon neun Gegentore bekommen. Schon gingen die Köpfe runter, weil wir gemerkt haben, dass wir wohl doch mehr als 23 Tore werfen müssen. Deswegen war es natürlich auch eine Kopfsache, denn es war klar, dass Ägypten im Schnitt in jedem Spiel 33 Tore geworfen hatte. Das haben wir im Finale zu spüren bekommen.

Sie haben in der Abwehr kaum Zugriff bekommen. Waren die Ägypter einfach zu überlegen?

Weber:Ja, muss man ganz ehrlich sagen. Sie waren an dem Tag einfach besser. Wir haben nicht schlecht gespielt, aber auch nicht das gezeigt, was wir können. Dann reicht es gegen so eine Mannschaft einfach nicht.

War der Respekt vor dem Spiel auch schon da?

Weber:Nein, weil Ägypten ein bisschen die Unbekannte war. Du hast zwar gegen Teams mit ähnlichem Stil gespielt, aber nie auf dem Niveau. Die haben das perfektioniert. Sie sind nach jedem Gegentor mit sechs Mann nach vorne gerannt. So etwas habe ich auf dem Niveau noch nie erlebt. Ein bisschen Angst vor dem Unbekannten war da. Das hat uns ein wenig überrumpelt.

Ägypten hat Ihr Team quasi überrannt, kann man das so sagen?

Weber:Ja, das kann man tatsächlich so sagen (schmunzelt). Wir haben alles probiert, doppelte Manndeckung gespielt, 5:1 und 6:0 probiert. Wir haben sieben gegen sechs im Angriff gespielt. Aber es hat nicht gereicht.

Ist in den Köpfen schon angekommen, dass die Truppe dennoch das erfolgreichste Jugendnationalteam Deutschlands ist?

Weber:Bei mir ist es momentan noch die Trauer, dass es kein Gold geworden ist. Abe r man realisiert es immer mehr, weil jetzt die Rückmeldungen und Glückwünsche kommen. So überwiegt langsam der Stolz.

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