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Scott Eatherton geht als Punktegarant in seine dritte Spielzeit mit den Basketball-Löwen Braunschweig.

Lang, athletisch, intelligent, variabel

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Nach sechs Jahren im Niemandsland der Tabelle konnten sich die Löwen Braunschweig im Frühjahr wieder für die Bundesliga-Playoffs qualifizieren. Das junge Team entfachte wieder die Basketball-Leidenschaft. Der neue Cheftrainer Pete Strobl will darauf aufbauen.

Am Wochenende aber machte der Klub erst einmal andere Schlagzeilen, da er den einstigen Förderer von Dennis Schröder vor die Tür gesetzt hat.

Die Lage:Die letzte Playoff-Qualifikation fällt für die Braunschweiger in eine andere Ära. Damals, in der Saison 2011/2012, schnupperten die heutigen NBA-Spieler Dennis Schröder und Daniel Theis erstmals regelmäßig Bundesligaluft. Mit Schröder selbst, der seit 2018 Mehrheitseigentümer des Bundesligisten ist, kam neues Leben an den Standort. Der Guard in Diensten Oklahomas möchte seinen Heimatclub perspektivisch unter den fünf besten BBL-Teams etablieren. Seinem Förderer Liviu Calin flatterte jüngst aber die Kündigung ins Haus. Er klagte gegen seinen Arbeitgeber, die Basketball Löwen. Schröder stellte sich in den sozialen Medien hinter den Jugendcoach. Ein unnötiges Störfeuer kurz vor Saisonstart, das die Fans besorgt.

Das Team:Dreh- und Angelpunkt bleibt mit Scott Eatherton ein alter Bekannter. Mit seinen 27 Lenzen ist der US-Amerikaner im besten Basketball-Alter und geht in seine dritte Spielzeit an der Oker. Vier deutsche Spieler kamen hinzu, die dem Label des "Talents" entwachsen wollen. Dabei gilt für Garai Zeeb (Frankfurt), Lukas Wank (Chemnitz), Kostja Mushidi (Belgrad) und Karim Jallow (FC Bayern), dass der Schritt zum Führungsspieler durchaus realistisch ist. Mit Ausnahme von Mushidi haben alle für gleich drei Jahre unterschrieben. Zu ersetzen gilt es die Punktelieferanten Shaquille Hines und DeAndre Lansdowne. Vor allem Lansdownes 18.5 Punkte und 3.7 Assists im Schnitt hinterlassen große Fußstapfen, in die mit Gage Davis ein ebenfalls sehr junger Amerikaner tritt. Der 23-Jährige wagte im Sommer den Sprung von einem eher unterklassigen US-College direkt in den europäischen Basketball. Für Aufsehen sorgte spät im August die Verpflichtung des liga- und europaerfahrenen Centers Aleksandar Marelja. Der 26-Jährige stand zuletzt beim Mitteldeutschen unter Vertrag.

Der Coach:Bereits im Dezember hatte Coach Frank Menz verkündet, dem Team ab dem Sommer nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Eine Zäsur: Immerhin hatte er aus einem Abstiegskandidaten ein Playoff-Team geformt. Pete Strobl - der neue Mann an der Seitenauslinie - schickt sich an, das Konzept seines Vorgängers fortzuführen. In der Vorbereitung war aber noch mächtig Sand im Getriebe. Gegen die Artland Dragons (Pro A) etwa kam man über eine 80:83-Niederlage nicht hinaus.

Die Problemzonen:In der NCAA 2 hatte Davis freie Verfügungsgewalt, scorte 26 Punkte pro Partie bei nur drei Assists. "Ich bin aber sehr gut darin, in die Zone zu ziehen, dadurch die Verteidigung zu öffnen und den freien Werfer zu finden", erklärt der Point Guard. In der Vorbereitung zeigten die Braunschweiger Probleme im Ballvortrag, hatten mit vielen Turnovern zu hadern. Als verlässlicher Scorer entpuppte sich mit Henry Pwono ein weiteres neues Gesicht aus den Vereinigten Staaten. Der Flügelspieler ist mit seinen 28 Jahren bereits der älteste Akteur der Löwen und kann auf Auslandserfahrungen in Australien, Finnland und Italien zurückblicken. Zusammen mit Eatherton muss er das junge Team führen - gerade in Phasen, in denen der Ball nicht rundläuft.

Teampotential:Braunschweig geht mit einem jungen, hungrigen Kader in die neue Spielzeit. Die Mixtur legt nahe, dass Strobl, der zuvor als Assistenztrainer in Ulm tätig war und erstmals als Hauptverantwortlicher das Traineramt bekleidet, hohen Wert auf das Entwicklungspotential seines Teams legt. Gefragt nach den Playoff-Chancen des jungen Teams ist der Austro-Amerikaner optimistisch: "Wir sind jung, das ist wahr. Aber wir sind auch ziemlich lang, athletisch, intelligent und variabel. Die Spieler können alle werfen und auch für ihre Mitspieler kreieren. Die Erfahrung ist noch nicht da, das stimmt. Aber die Erfahrung wird nach einigen Spielen kommen", ist Strobl optimistisch.

Die Prognose:Ob die Löwen Braunschweig erneut in die Meisterschaftsrunde einziehen? Fraglich. Das liegt auch an der hohen Leistungsdichte der Basketball-Bundesliga. Dass man eine Qualifikation der Braunschweiger nicht kategorisch ausschließt, ist der eigentliche Erfolg. Strobl hat aber einen Kader mit Perspektive zusammengestellt, der über die Saison hinaus für Furore sorgen soll.

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