Ralf Landgraf wechselt innerhalb der Kreisoberliga den Trainerjob und steht nicht mehr beim TSV Großen-Linden an der Linie, sondern bei der SG Obbornhofen/Bellersheim. FOTO: FRIEDRICH
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Ralf Landgraf wechselt innerhalb der Kreisoberliga den Trainerjob und steht nicht mehr beim TSV Großen-Linden an der Linie, sondern bei der SG Obbornhofen/Bellersheim. FOTO: FRIEDRICH

Fußball

Landgraf mit neuer Aufgabe in der alten Klasse

In der Kreisoberliga setzen einige Teams vor allem auf die Jugend. Die Grünberger FSG begrüßt einen Fußballer mit Regionalliga-Erfahrung als Spielertrainer, Ralf Landgraf wechselt die Trainerbank.

Der TSV Großen-Linden steht vor einem totalen Umbruch. Viele Spieler haben den Verein verlassen. Auch der bisherige Trainer Ralf Landgraf sucht in der Fußball-Kreisoberliga neue Herausforderungen.

TSV Großen-Linden stellt sich neu auf

Aktuelle Situation: Die TSV-Verantwortlichen um den Leiter Spielbetrieb, Rudi Haßler, hatten in der Corona-Pause alle Hände voll zu tun. Eine vollkommen neue Mannschaft wurde auf die Beine gestellt, die sicher Zeit brauchen wird, um Abläufe zu automatisieren und zu einer Einheit zusammen zu wachsen. Die Zeichen stehen auf Neuanfang. Sowohl an der Seitenlinie als auch beim spielenden Personal gab es reichlich personelle Veränderungen. Mario Pitz ist der neue Trainer und tritt die Nachfolge des zur SG Obbornhofen/Bellersheim gewechselten Ralf Landgraf an. Die Zielsetzung lautet angesichts der großen Veränderungen: Klassenerhalt.

Kommen/Gehen: Insgesamt 20 Spieler haben den Verein nach dem vorzeitigen Ende der Saison 2019/20 verlassen. Darunter auch langjährige Leistungsträger wie Sven Döring und Tim Horvat sowie beide Stammtorhüter Christopher Zimmer und Jan-Felix Faust. Die Zugänge bestehen vor allem aus Spielern aus den eigenen Reihen, die bislang kaum oder gar nicht in der ersten Mannschaft zum Einsatz kamen.

Stärken/Schwächen: Der TSV wird mit vielen Spielen aus der eigenen Jugend ins Rennen gehen, die von den routinierten Neuzugängen Sebastian Nies, Andreas Eckhardt und Lucas Dassler geführt werden. In dieser Marschroute steckt Potenzial, aber auch eine gewisse Gefahr. In der Offensive ruhen die Hoffnungen auf Urgestein Alexander Happel. Er muss gemeinsam mit Daniel Lischper für Torgefahr sorgen.

Prognose: Wenn Trainer Mario Pitz den neuen Mix zu einer Einheit formen kann, sollte der Klassenerhalt definitiv machbar sein.

Riske gibt Trainerdebüt in Grünberg

Aktuelle Situation: Die zehnte Saison in der Kreisoberliga Süd steht für den Liga-Dino mit Corona unter besonderen Vorzeichen. Mit der Verpflichtung von Viktor Riske als Trainer hat die FSG für Aufsehen gesorgt. Riske, der zuletzt als Spieler des Verbandsligisten SG Kinzenbach aktiv war, ist im Fußballkreis Gießen bestens bekannt und will in Grünberg nun seine ersten Schritte als Trainer gehen. Aus seiner Profizeit hat er gelernt, dass "alle Spieler wichtig sind, nicht nur diejenigen, die gerade auf dem Platz stehen". So will er seine erste Trainerstation angehen: Geradlinig, offen und ehrlich.

Kommen/Gehen: Personell freut man sich in Grünberg besonders über die Rückkehr von Mittelfeldstratege Dominique Buss, der nach einem kurzen Intermezzo in Burkhardsfelden wieder an Bord ist und für Torgefahr sorgen soll. Auch Sechser Lukas Turschner, letztes Jahr ebenfalls aus Burkhardsfelden gekommen, hat in der Saison 2019/20 (wegen Corona) bisher nur eine Partie für die FSG bestritten und kann als Neuzugang bezeichnet werden.

Stärken/Schwächen: Der Coach blickt auf eine bewegte Vergangenheit im bezahlten Fußball zurück. Von der Jugend des VfB 1900 Gießen wechselte Riske zum FSV Mainz 05. Dort spielte er in der A-Jugend-Bundesliga und war anschließend drei Jahre fester Bestandteil der Regionalliga-Mannschaft unter Jürgen Kramny. Weitere Profierfahrung sammelte er in der Regionalliga beim KSV Hessen Kassel und dem KSV Baunatal. Riske hat zu Mainzer Zeiten von Jürgen Klopp im Umgang mit den Spielern viel gelernt. Die FSG ist in der Defensive zudem gut aufgestellt und vertraut im Sturm auf Fabian Sinnhöfer.

Zu große Erwartungen in die Personalie Riske sollten allerdings nicht gesteckt werden. In der Vorsaison wurde die FSG mit durchschnittlich 1,11 Zählern Zwölfter.

Prognose: Die FSG will für mitreißenden und aufopferungsvollen Fußball stehen. "Vielleicht ist eine Platzierung in der oberen Tabellenhälfte möglich", meint Riske.

Buseck muss ohne Maus auskommen

Aktuelle Situation: Ein Hygienekonzept erlaubte es, dass sich die Mannschaft schon vor dem offiziellen Beginn der Vorbereitung am 31. Juli zum lockeren Kicken treffen konnte. Auch in der kommenden Saison setzt man in Buseck auf die Jugend. Die jungen Spieler ins Team einzubauen, ist die Aufgabe von SG-Trainer Rico Michels, der in sein zweites Jahr als SG-Coach startet. Der Umbruch hat in der abgelaufenen Saison begonnen und wird nun fortgeführt.

Kommen/Gehen: Schmerzen dürfte die SG der Abgang des langjährigen Torjägers René Maus. Trotz einiger Verletzungen in den letzten Spielzeiten hätte Maus mit seiner fußballerischen Qualität und seiner Erfahrung ein wichtiger Baustein in der sonst jungen Mannschaft sein können. Externe Neuzugänge wurden ganz bewusst nur punktuell verpflichtet: So kam beispielsweise Jens Rasch von den SF Burkhardsfelden.

Stärken/Schwächen: "Unsere Stärke ist der Zusammenhalt innerhalb des Vereins und der Mannschaft", beschreibt Abteilungsleiter Sven Scheer das Kollektiv. Den Abgang von Maus gilt es ebenfalls als Kollektiv aufzufangen. "Wir müssen unserer jungen Mannschaft Fehler zugestehen, damit sie aus diesen lernen kann." Das ist der Weg, den man bei der SG Trohe/Alten-Buseck in Zukunft bestreiten möchte.

Prognose: "Wir wollen so schnell wie möglich die nötigen Punkte für den Klassenerhalt sammeln" sagt Scheer mit Blick auf das Saisonziel. Jugendlicher Elan bringt bei Erfolg Schwung, bei Misserfolg droht eine Platzierung wie in der Vorsaison: Damals belegte man den vorletzten Rang.

Leihgestern vorne etwas flexibler

Aktuelle Situation: Die Corona-Saison 2019/20 beendete die Mannschaft auf Rang acht. In 14 Vorbereitungseinheiten bis zum Saisonstart hat TSG-Trainer Michael Kirschbaum nun an den Baustellen und der nötigen Fitness seiner Spieler für die neue Saison gearbeitet. "Attraktiven und offensiven Fußball spielen, als Team zusammenwachsen und schnell im gesicherten Mittelfeld stehen", formuliert Kirschbaum die Ziele seiner Mannschaft.

Kommen/Gehen: Bis auf Kai Schober müssen keine nennenswerten Abgänge kompensiert werden. Mit der Verpflichtung von Daniel Weber wird die ohnehin starke Offensive um Torjäger Christoph Dietrich noch flexibler aufgestellt und dürfte für die Gegner unberechenbarer werden. Für die Defensive konnte mit Stephan Warnat ein Spieler mit Gruppenliga-Erfahrung vom Nachbar aus Großen-Linden losgeeist werden.

Stärken/Schwächen: "Die Trainingsbeteiligung ist wirklich sehr gut", lobt Kirschbaum das Engagement seiner Mannschaft, für die er auch Teambuilding-Veranstaltungen geplant hat. Perspektivisch will sich der Verein in den kommenden Jahren für seine gute Jugendarbeit belohnen. Alle Mannschaften der Jugendspielgemeinschaft spielen derzeit von der A- bis zur C-Jugend in der Gruppenliga, wodurch den jungen Spielern der Übergang zu den Senioren in die Kreisoberliga erleichtert wird. Auch in Leihgestern gilt es, heimische Talente zu fördern und zu fordern. Leistungsschwankungen gehen damit einher.

Prognose: Auf den ersten Blick ist Leihgestern noch mehr zu zutrauen als im Vorjahr - ein einstelliger Tabellenplatz sollte drin sein.

Ziel: Richter-Abgang kompensieren

Aktuelle Situation: Auch in Obbornhofen/Bellersheim gab es einen Wechsel auf der Trainerbank. Ralf Landgraf tritt die Nachfolge von Stephan Belter an und wechselt vom TSV Großen-Linden zur SG. "Der Kontakt zu Ralf Landgraf besteht schon seit Jahren. Bisher hat es aus verschiedenen Gründen nicht gepasst. Daher freuen wir uns, dass es dieses Mal geklappt hat", berichtet ein zufriedener Abteilungsleiter Klaus Jäckel. Zum Abbruch der abgelaufenen Saison lag die Mannschaft auf Platz vier hinter Aufsteiger TSV Lang-Göns, der SG Treis/Allendorf und der TSG Wieseck.

Kommen/Gehen: Auch in der jüngsten Transferperiode hat die SG keine Zu- und Abgänge zu verzeichnen. Zu knabbern hat man aber immer noch am Abgang des bereits in der Winterpause zu Eintracht Stadtallendorf gewechselten Torjägers Tim Richter. "Das war sicherlich ein Unterschiedsspieler. Es wird nun spannend zu sehen sein, wie wir den Abgang von Tim als Mannschaft über die gesamte Saison hinweg auffangen", so Trainer Landgraf, der außerdem sagt: "Mit Patrick und Marius Werner sowie Nico Kammer haben wir dennoch reichlich offensive Power auf dem Platz".

Stärken/Schwächen: Das große Plus ist die mannschaftliche Geschlossenheit. Das Team spielt im Kern seit einigen Jahren zusammen und kann sich auf Automatismen verlassen. Kompaktheit und Zweikampfstärke sind traditionelle Tugenden, auf die es erneut ankommt. Für die Spielgemeinschaft wird es wichtig sein, von Verletzungen verschont zu bleiben. Die fehlende Breite im Kader könnte ein kleines Manko sein.

Prognose: Wie in jedem Jahr ist der Spielgemeinschaft einiges zuzutrauen - ob es für ganz oben reicht, dürfte davon abhängen, wie der Abgang von Richter aufgefangen wird.

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