RSV Lahn-Dill vor dem Start in die Saison 2020/21 (hintere Reihe, v. l.): Geschäftsführer Andreas Joneck, Crew-Mitglied Armin Diekmann, Koordinator Sebastian Block, Cheftrainerin Janet McLachlan, Physiotherapeut Philip Schmitz. Geschäftsstellenleiterin Rebecca Konhäuser, Managementmitglied Sven Köppe; mittlere Reihe (v. l.): Thomas Böhme, Dominik Mosler, Mark Beissert, Michael Auprince, Ian Sagar, Brian Bell; vordere Reihe (v. l.): Catharina Weiß, Annabel Breuer, Peyman Mizan, Simon Brown, Christopher Huber, Co-Trainer Günther Mayer. FOTO: OLIVER VOGLER / LEICA AKADEMIA
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RSV Lahn-Dill vor dem Start in die Saison 2020/21 (hintere Reihe, v. l.): Geschäftsführer Andreas Joneck, Crew-Mitglied Armin Diekmann, Koordinator Sebastian Block, Cheftrainerin Janet McLachlan, Physiotherapeut Philip Schmitz. Geschäftsstellenleiterin Rebecca Konhäuser, Managementmitglied Sven Köppe; mittlere Reihe (v. l.): Thomas Böhme, Dominik Mosler, Mark Beissert, Michael Auprince, Ian Sagar, Brian Bell; vordere Reihe (v. l.): Catharina Weiß, Annabel Breuer, Peyman Mizan, Simon Brown, Christopher Huber, Co-Trainer Günther Mayer. FOTO: OLIVER VOGLER / LEICA AKADEMIA

RSV Lahn-Dill ist sportlich bereit

  • vonAndreas Joneck
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(aj) Der deutsche Rollstuhlbasketball-Rekordmeister RSV Lahn-Dill ist für die Spielzeit 2020/2021 sportlich gerüstet und steht dennoch vor immensen Herausforderungen, die weit über den Sport hinausgehen. Gemeint sind damit natürlich in erster Linie die aktuelle und nur schwer planbare Situation rund um die Corona-Pandemie, die die Wetzlarer Rollis auf nationaler wie internationaler Ebene genauso wie auf logistischer und wirtschaftlicher trifft.

Der Samstag wird für den RSV Lahn-Dill dabei zu einer Premiere, denn erstmals seit dann 254 Tagen wird der 13-fache deutsche Titelträger wieder ein Pflichtspiel absolvieren. Eine Pause, die in der inzwischen 29. Spielzeit für die Wetzlarer ihres Gleichen sucht. Die Partie soll am Samstag um 15 Uhr in der Arena Trier stattfinden. Der RSV und seine Fans müssen grundsätzlich mit kurzfristigen Spielabsagen, dem Ausfall von Spielern oder sogar Quarantäne-Anordnungen rechnen.

Ausgangssituation: Der RSV Lahn-Dill geht mit einem starken und solidarischen Sponsoren-Netzwerk in die Saison, aber auch weiterhin ohne Hauptsponsor. Dennoch sind die Verantwortlichen stolz und ebenso glücklich, dass in der großen RSV-Familie Solidarität in einem hohen Maße gelebt wird. Nur so konnten noch größere Einbrüche im Saisonetat vermieden werden. Glücklich und stolz ist man aufseiten des RSV Lahn-Dill vor allem über den Gewinn eines neuen Trikot-Partners mit dem Wiesbadener Unternehmen Lotto Hessen, dessen Logo künftig die Brust des sechsfachen Champions-League-Siegers ziert. Mit weiteren Zugängen in den einzelnen Sponsoren-Kategorien konnte so der Einnahmeausfall aus dem Abbruch der Vorsaison, dem Ausfall des geplanten Final Four in der IWBF Champions League und den bisher fehlenden Ticketing-Umsätzen in diesem Herbst überhaupt ansatzweise überbrückt werden.

Neue Spielstätte: In der Corona bedingten Spielpause hat der RSV intensiv daran gearbeitet, die Weichen für eine Zeit nach der Pandemie zu stellen. Einer der elementarsten Eckpunkte in diesem Konzept war der Umzug in die imageträchtigste Sportstätte der Region, in die Rittal Arena Wetzlar. Die neue und regional strukturierte Betreibergesellschaft, die Arenakonzept GmbH, hat die Türen dabei für den RSV Lahn-Dill weit geöffnet und die Verantwortlichen des Klubs haben diese Einladung dankend angenommen, denn in der bisherigen Spielstätte August-Bebel-Sporthalle wären unabhängig von der Höhe der Inzidenzzahlen eine Zulassung von Zuschauern unmöglich. "Im Management sind wir uns den Risiken eines solches Schrittes natürlich bewusst, doch die sich daraus ergebenden Chancen übersteigen diese um ein Vielfaches. Um weiter in der deutschen und europäische Spitzen mitzumischen, müssen wir auch bei der Suche eines neuen Hauptsponsors neue Vermarktungswege bestreiten, damit am Ende Mannschaft und Fans auch weiterhin Grund zum Jubeln haben", so RSV-Geschäftsführer Andreas Joneck.

Kommen und Gehen: Sportlich präsentiert der RSV Lahn-Dill gleich drei namhafte Neuzugänge, die die Qualität im Kader noch einmal deutlich erhöhen. Von der University of Alabama kommt mit der erst 20-jährigen Nationalspielerin Catharina Weiß eines der größten deutschen Talente an die Lahn. Der Esslingerin, die parallel an der Justus-Liebig-Universität in Gießen ein Jurastudium beginnt, wird eine große Karriere in der Sportart vorausgesagt. Umso mehr freut sich das Trainerduo Janet Zeltinger und Günther Mayer, dass die sympathische Schwäbin zukünftig das Trikot der Wetzlarer Rollis tragen wird. "Catharina ist jung und hat sehr viel Talent. Sie hat ein sehr gutes Spielverständnis und sehr hohe Erwartung an sich selbst", freut sich Cheftrainerin Zeltinger darauf zu sehen, wie sich ihr Neuzugang aus Schwaben im Laufe der Saison entwickeln wird.

Aus der italienische Serie A kommt dagegen ein Akteur nach Mittelhessen, der bereits auf eine lange und erfolgreiche Karriere zurückblicken kann. Der Brite Ian Sagar, zuletzt bei SBS Bergamo unter Vertrag, spielte einst vier Jahre Seite an Seite mit RSV-Center Brian Bell im italienischen Cantu. Der viermalige Europameister will nun mit seinem alten und den neuen Teamkollegen erstmals in deutschen RBBL für Furore sorgen. "Ian bringt viel Erfahrung aus der britischen Nationalmannschaft und aus der italienischen Liga mit. Er ist ein extrem harter Arbeiter und macht viele kleine Dinge, damit seine Mannschaft erfolgreich sein kann", ist auch die Kanadierin glücklich über die Verstärkung aus der Serie A.

Dritter Neuzugang im Bunde ist eigentlich ein alter Bekannter, der ebenso kurzfristig wie überraschend den Sprung zurück über den großen Teich antritt. Steve Serio, bereits von 2010 bis 2012 und von 2013 bis 2016 im Trikot des RSV Lahn-Dill, wechselt von den New York Rollin Knicks zurück zu seiner alten Liebe nach Mittelhessen. Auch um sich perfekt auf die Paralympics im September des kommenden Jahres in der japanischen Hauptstadt Tokio vorzubereiten. "Steve ist ein hoch intelligenter Spieler mit einer großen Historie für den RSV. Mit dem Klub und seiner Nationalmannschaft hat er bereits viele Erfolge gefeiert, und wir sind sehr glücklich, ihn noch einmal in unserer Mannschaft zu haben", so Janet Zeltinger zum Rückkehrer aus den USA.

Alle drei Neuzugänge stehen für enorme spielerische Qualität und für eine überaus attraktive Spielweise. Sie kompensieren damit auch den Abgang von Marian Kind nach Frankfurt, von Kai Möller nach Hamburg und den Verlust des langjährigen Kapitäns Michael Paye, der seine Karriere auf Vereinsebene nach 14 Jahren im RSV-Trikot beendet hat.

Team: Der Kader für die neue Spielzeit scheint an Qualität, vor allem aber an wichtiger Tiefe gewonnen zu haben. Cheftrainerin Zeltinger und ihrem Co-Trainer Mayer stehen eine Vielzahl von Lineups zur Verfügung, die dafür sorgen werden, dass selbst vermeintliche Schlüsselspieler ihre Ruhepausen bekommen können. Dies ermöglicht dem Trainer-Duo, dem im Hintergrund Videoanalyst Björn Lohmann, der akribisch zuarbeitet, ein hohes Maß an Flexibilität. Vor allem der Mix aus großer internationaler Erfahrung auf höchstem Niveau, wie bei den Paralympicssiegern Brian Bell, Annabel Breuer und Steve Serio, Weltmeister Simon Brown oder aber Thomas Böhme und Ian Sagar in Verbindung mit der jugendlichen Energie von Peyman Mizan, Catharina Weiß oder dem erst im Oktober 25 Jahre alt gewordenen routinierten Nationalspieler Christopher Huber soll ein entscheidendes Mosaikteilchen werden. Zudem wollen die beiden Center Michael Auprince und Dominik Mosler im zweiten Jahr an der Lahn noch mehr Verantwortung übernehmen, während Böhme und Brown die Kapitänsbinde vom langjährigen Vorgänger Mikey Paye übernommen haben und damit auch abseits des Spielfeldes mehr Verantwortung übernehmen wollen und werden.

Zielsetzung: Entscheidend wird sein, wie sich die Corona-Lage auf den Trainings- und Spielbetrieb auswirken wird. Von einer normalen Saison geht weder in Reihen des RSV Lahn-Dill noch in der Liga irgendjemand aus. "In dieser Saison ist alles anders als zuvor. Covid-19 konfrontiert uns zwar mit vielen neuen Herausforderungen, aber wir freuen uns dennoch, dass wir endlich in die Saison starten können. Es gibt viele starke Mannschaften und Spieler in dieser RBBL-Saison, daher müssen wir uns auf jedes einzelne Spiel hart vorbereiten", so Zeltinger in ihrer Beurteilung der Lage.

Greifen trotz aller nicht absehbaren Widrigkeiten die sportlichen Zahnräder ineinander, kann die Saison 2020/2021 für den RSV Lahn-Dill sehr erfolgreich werden. Immer vorausgesetzt, Corona macht den vorhandenen Ambitionen der einzelnen Akteure und des Klubs selbst keinen Strich durch die Rechnung. Und so formuliert RSV-Geschäftsführer Joneck das Ziel für die neue Spielzeit ungewöhnlich, aber einleuchtend: "Über allem steht die Hoffnung, dass wir gesund und regulär durch eine Saison kommen, die es so im Rollstuhlbasketball noch nicht gegeben hat, deren Herausforderungen wir noch gar nicht alle kennen, aber auf die wir flexible Antworten haben müssen. Für uns verbietet es sich im Angesicht dieser Situation, andere Ziele zu formulieren."

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