RSV-Coach Nicolai Zeltinger zieht vor den Wochen der Wahrheit ein Zwischenfazit. 	(ras)
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RSV-Coach Nicolai Zeltinger zieht vor den Wochen der Wahrheit ein Zwischenfazit. (ras)

RSV Lahn-Dill vor Kraftakt

(lad) Die Hauptrunde in der Rollstuhlbasketball-Bundesliga endete am zurückliegenden Wochenende, und einmal mehr startet Serienmeister RSV Lahn-Dill von Platz eins aus in die Playoffs.

Allerdings war dieser erste Rang hart umkämpft, da die Spitze in der Liga inzwischen dicht zusammengerückt ist. Im März beginnen nun für den RSV die Wochen der Wahrheit, wenn innerhalb kürzester Zeit die Playoff-Halbfinals um die deutsche Meisterschaft gegen die Baskets Hamburg (7./21. März; eventuelles Entscheidungsspiel 22. März), die vier Vorrundenspiele der Euroleague in Sardinien (13./14. März) sowie das Final Four um den deutschen Pokal (28./29. März) anstehen – sprich bis zu neun Spiele gegen hochwertige Gegner innerhalb von nur 22 Tagen. RSV-Trainer Nicolai Zeltinger spricht über die zurückliegende Punktrunde und wagt einen Ausblick auf das bevorstehende Mammutprogramm.

Was hat Ihnen denn an der bisherigen Saison gefallen und was nicht so?

Nicolai Zeltinger: »Prinzipiell bin ich sehr zufrieden mit der Saison. Aber man hat erkennen dürfen, wie hart die anderen Teams arbeiten, um uns zu schlagen – das ist in unseren Köpfen. Enttäuscht bin ich über das Spiel gegen Hamburg. Da hätte ich mir gewünscht, dass wir das auch ohne unsere beiden Amerikaner (Anm. d. Red.

: Steve Serio und Michael Paye) gewonnen hätten. Aber Hamburg wird auch konstant besser. Alle denken immer: Der RSV gewinnt das schon. Aber durch so Niederlagen sieht man auch mal, wie viel Arbeit eigentlich hinter unserer Leistung steckt.«

Sie haben die Niederlage gegen Hamburg im Januar angesprochen: Kurz darauf hat Lahn-Dill auch gegen Thüringen verloren. Hatte die Mannschaft in dieser Phase einen Hänger, oder ist die Konkurrenz einfach stärker geworden?

Zeltinger: »Ich sehe das so: Die anderen Teams haben die Spiele gewonnen, nicht wir verloren. Sie waren stärker, waren bereiter für diese Spiele. Aber ich bin froh, dass wir trotz der Niederlagen Erster geworden sind. Jetzt haben wir Heimvorteil in den Playoffs und damit eine gute Ausgangsposition – das könnte ein wichtiger Faktor werden.«

Wie verlief in Ihren Augen die bisherige Entwicklung der Mannschaft und der einzelnen Spieler?

Zeltinger: »Wir kommen von einem hohen Niveau, und unsere Mannschaft ist genau ausgewählt mit Charakteren, die verstehen, ihre Rolle zu leben. Und das klappt gigantisch. Von der Entwicklung der Leistungsträger besonders von Tommy (Böhme), aber auch Steve (Serio) und Mikey (Paye) bin ich genauso angetan wie von den Leuten, die von der Bank kommen, wie etwa Joe (Bestwick). Wir wissen, was passiert, wenn wir nicht weiter wachsen. Viele in Deutschland hoffen, dass wir mal stolpern und dafür andere gewinnen, aber wir werden alles daran- setzen, nicht zu stolpern.«

Jetzt geht es erst so richtig los, und in diesem Monat stehen wichtige Entscheidungen bevor: Was erwarten Sie von den nächsten Wochen?

Zeltinger: »Das Playoff-Halbfinale gegen Hamburg wird schwer werden, aber wir wollen uns für die Niederlage in der Saison revanchieren. Dank ihrer Japaner haben sie fünf starke Starting-Spieler, die wir möglichst aus ihrem Fluss nehmen wollen. Ich bin froh, dass wir zuletzt mit Frankfurt noch einmal einen Gegner zur Vorbereitung hatten, der uns alles abverlangt hat. Über den Europapokal bin ich sehr unglücklich.

Zum einen über den Termin, dass er mitten in unseren Playoffs liegt. Und dann können wir nur mit Alitalia fliegen, und die können nur zwei Rollstuhlfahrer pro Flug fliegen. Das heißt, wir haben eine aufgeteilte An- und Abreise, die so lange dauert, als würden wir nach Japan fliegen – das nimmt uns insgesamt mindestens zwei Trainingstage, und das in dieser Phase. Das ist ein sehr bescheidener Zustand. Als stärkste Gruppengegner erwarte ich den französischen Meister Meaux und Gastgeber Porto Torres, die vier britische Nationalspieler haben. Das wird kein leichtes Unterfangen, da unter die ersten zwei zu kommen, um sich für die Endrunde zu qualifizieren. Aber das ist für uns trotzdem eine Pflichtaufgabe. Im Final Four um den RBBL-Pokal wollen wir dann den ersten Titel, auch wenn es schon im Halbfinale gegen Thüringen nicht gerade leicht wird. Das wird in Hamburg ein großes Basketball-Fest. Mit Hamburg und Thüringen kommen in den Playoffs und im Pokal noch beide Teams als Gegner auf uns zu, die uns geschlagen haben. Aber unser Ziel ist es, immer die Nummer eins zu sein.«

Wie bewältigt der RSV diesen enormen Kraftakt?

Zeltinger: »Das Wort Kraftakt trifft es. Aber wir sind sehr gut vorbereitet, deshalb gehen wir da zuversichtlich rein. Im Januar und Februar haben wir noch mal richtig Gas gegeben und durchgepowert, das hatten wir letztes Jahr anders gemacht. Dafür nehmen wir jetzt noch mal die Intensität raus und setzen nur kurze Reize, um frisch zu sein. Dank unserer tiefen Besetzung haben wir Vorteile gegenüber unseren Gegnern. Unser Ziel ist es, die Nummer eins in Deutschland zu sein und in der EuroLeague in der Titelvergabe mitzuspielen. Der Wunsch sind natürlich drei Titel.«

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