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Krankenkassen vor Werbeverbot

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(sid/ra). Wenn Bundestrainer Alfred Gislason und seine Handballer vor einem TV-Millionenpublikum antreten, ist ein verlässlicher Partner immer dabei. Grün und auf Brusthöhe prangt auch während der WM in Ägypten das Logo der AOK auf den Trikots. Doch damit soll bald Schluss sein, wenn es nach dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) geht. In Jens Spahns Behörde ist ein weitgehendes Verbot von Banden- und Trikotwerbung für die mehr als 100 gesetzlichen Krankenkassen im Sport geplant.

»Ein solches Gesetz käme angesichts der für die Vereinsbasis folgenreichen Corona-Pandemie zu einer absoluten Unzeit«, sagte Mark Schober. Dem Vorstandsvorsitzenden des Deutschen Handballbundes (DHB) fehlt für ein solches Gesetz jegliches Verständnis, sieht er doch in der seit 2014 laufenden Zusammenarbeit mit der AOK gewachsene Strukturen gefährdet. »Diese Kooperation nutzt Emotionen, um Botschaften zu Prävention und Gesundheit zu senden. Unsere Spieler/innen sind Vorbilder. Dieses Konstrukt wäre in Gefahr«, so Schober, der in ohnehin schwierigen Zeiten weitere finanzielle Einbußen befürchtet.

Das BMG argumentiert in seinem Verordnungsentwurf, dass das Sponsoring nicht zur Vermittlung sachbezogener Informationen diene, sondern »allenfalls der Steigerung des Bekanntheitsgrades und der Aufwertung des öffentlichen Images der Krankenkasse durch die Assoziation mit einem beliebten Verein oder Turnier«. Dies darauf zu reduzieren, ist für Mark Schober »schwierig«. Jedes Jahr gingen DHB und AOK in »über 1000 Schulen«, vor Ort seien sogar die Nationalspieler. »Es gibt auch eine App Fit4Handball mit Kraftübungen«, sagt Schober. Diese Partnerschaft sei »kein reines Werbetool, es ist ein emotionales Thema«.

Für die AOK - in der Region Mittelhessen bei Handball-Bundesligist HSG Wetzlar, Handball-Zweitligist TV 05/07 Hüttenberg und beim Rollstuhlbasketball-Bundesligisten RSV Lahn-Dil Gesundheitspartner - ist der Vorstoß des Ministeriums ebenfalls nicht nachvollziehbar. Sie führt an: »Nur durch die kontinuierliche Arbeit vor Ort - flankiert durch die Botschaften der Profi- und Spitzensportler - können nachhaltige Einstellungs- und vor allem Verhaltensänderungen folgen.«

Am brisanten Thema Geld dürfte das Unbehagen des BMG nicht liegen. Die Werbeausgaben für die vorläufig bis Ende 2021 laufende Partnerschaft der AOK mit dem DHB liegen beispielsweise jährlich bei rund sechs Cent pro Mitglied, also cirka 1,2 Millionen Euro. Das gesamte Engagement im Fußball kostet die AOK jährlich überschaubare 3,2 Millionen Euro. Der Effekt der Maßnahmen aber ist wohl erheblich.

Darüber hinaus haben auch Fußball-Regionalligist FC Gießen mit der DAK sowie Basketball-Bundesligist Gießen 46ers mit Barmer langjährige verlässliche Sponsoringpartner. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hält fest: Gesundheitspartnerschaften mit Krankenkassen spielen auf allen Ebenen des Sports eine wichtige Rolle.

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