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Freude pur beim (v. l.) Rekonvaleszenten Alexander Feld, Trainer Benjamin Matschke und Betreuer Stefan Rühl nach dem Sonntags-27:25 gegen Lemgo Lippe. Schon morgen wieder müssen die Wetzlarer in Magdeburg ran.

HSG Wetzlar

Kolossale Herausforderung

  • Ralf Waldschmidt
    VonRalf Waldschmidt
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In Berlin, in Magdeburg, in Hamburg - die ersten drei Auswärtsaufgaben der Saison haben es für die HSG Wetzlar in sich. Donnerstag geht es zum SCM.

In beinahe jeder der vergangenen Bundesliga-Spielzeiten hat die HSG Wetzlar Außergewöhnliches geleistet, Rekorde gebrochen, Serien beendet, Nationalspieler entwickelt. Mit dem hochverdienten, weil handballerisch konstruktiv erarbeiteten 27:25 (14:12)-Erfolg über den TBV Lemgo Lippe zur doppelten Heimpremiere - der zur Saison 2021/22 und der von Neu-Trainer Benjamin Matschke - ist dies erneut geglückt. War es im zweiten Heimspiel der Vorsaison die noch immer unfassbar erscheinende 31:22-Demontage von Rekordmeister THW Kiel in der Rittal-Arena, so wurde letzten Sonntag nach exakt fünf Jahren endlich wieder der Angstgegner aus Ostwestfalen bezwungen.

Angstgegner hatte die HSG Wetzlar in den vergangenen 23 Spielzeiten einige im Oberhaus. Vor allem auswärts. Zu diesen zählten lange Zeit Frisch Auf Göppingen oder die Füchse Berlin - auch der SC Magdeburg. Und bei den Elbestädtern haben die Grün-Weißen bereits wieder am morgigen Donnerstag (19.05 Uhr, live auf Sky) anzutreten. Den Auswärtsfluch in der Landeshauptstadt von Sachsen Anhalt haben die Philipp Müller, Michael Müller und Co. aber bereits im Oktober 2012 mit einem 26:24 beenden können. Damals wie heute galt und gilt: Magdeburg ist Favorit, Wetzlar Außenseiter. Der SCM ist mehr noch als damals ein richtiger Koloss.

Rückblick auf Sonntag: »Wir sind mit vielen Stoppfouls und aktiver Verteidigung auf Erfolgskurs gekommen«, sagt Wetzlars Trainer Matschke nach der Spielanalyse vom Montag, »und haben Lemgo dadurch zu unvorbereiteten Neun-Meter-Würfen gezwungen.« Magnus Fredriksen hatte im Angriff geschickt die Fäden gezogen, der Abschluss aus dem Rückraum war konsequenter als bei der Niederlage in Berlin. Stark zudem die Flügelzange Emil Mellegard und Lars Weissgerber, weshalb deren Backups durchweg auf der Bank blieben. Matschke: »Ich habe eigentlich gerne alle Spieler mit Puls in der Kabine sitzen, aber Emil und Lars waren so gut und im Rhythmus, den wollte ich dann nicht stören.«

Trainer Bennet Wiegert und dessen SC Magdeburg haben mit dem 28:25-Coup bei den Rhein-Neckar Löwen im Topduell gleich ein Ausrufezeichen im Kampf um die Champions League-Plätze gesetzt. Mit sehenswertem Tempohandball vor der Pause und einer kämpferisch starken Vorstellung im zweiten Abschnitt sowie mentaler Stärke unter Stress (22:21, 50.) war der Erfolg in der SAP-Arena ein deutliches Signal in den Norden.

Das Personal: »Alle sind gesund durchgekommen«, kann Benjamin Matschke mit vollem Kader in der GETEC-Arena antreten. »In der Trainingsbelastung haben wir noch mal eine intensive Athletik-Einheit machen können, auch wenn wir spät aus Berlin kamen und einen Tag weniger zur Regeneration als Lemgo hatten.«

Beim SCM muss Coach Wiegert zwar noch auf die Rekonvaleszenten Matthias Musche und Gisli Kristjansson verzichten und durch den Abgang von Zeljko Musa an einem neuen Innenblock mit dem gesetzten Piotr Chrapkowski feilen, das Team 2021/22 dürfte spielerisch aber höher einzuschätzen sein als das des Tabellendritten der beiden vergangenen Spielzeiten. Dank Rückkehrer Philipp Weber, der einst im Wetzlarer Trikot Bundesliga-Torschützenkönig war; dank Omar Ingi Magnusson, der in seiner zweiten Saison an der Börde gleich richtig durchgestartet ist; dank dem Dänen Magnus Saugstrup, der die Kreisläufer-Möglichkeiten entschieden verbessert. Und über die Gegenstoßstärke der Magdeburger muss man nicht viele Worte verlieren, wie Lukas Mertens und Tim Hornke bei den Rhein-Neckar Löwen unterstrichen.

Ausblick: »Unser Tempospiel geht noch zielstrebiger, auch das Passtempo lässt sich noch erhöhen«, schärft Benjamin Matschke den Blick auf sein eigenes Team. »Wir sind in einer Phase der Saison, in der wir weitgehend noch auf uns und unser Feintuning schauen müssen«, gilt seine ganze Aufmerksamkeit noch dem Fundament für die laufende Spielzeit, »wir müssen unsere Stärken durchbringen und Magdeburg zu schlechten Entscheidungen zwingen.«

»Intelligenten Handball« strebt Matschke an, in Abwehr und Angriff, »mit möglichst großer Variabilität.« Im Angriff, wo Magnus Fredriksen der Kopf ist; in der Abwehr, in der während einer Partie permanent Veränderungen vorzunehmen sind. »Mit einer Deckungsvariante in ein Spiel zu gehen und zu sagen, damit komme ich 60 Minuten durch, reicht heute in der Bundesliga nicht mehr.«

Wie gegen den TBV Lemgo Lippe, als »Ben« Matschke in den ersten 24 Minuten seine Abwehr viermal (!) umstellte, bis die erforderliche Stabilität eintrat. Auch am Kreis gibt es am Boden keinen Jannik Kohlbacher oder in der Luft keinen Anton Lindskog mehr. »Adam Nyfjäll ist ein ganz anderer Spieler, setzt die Sperren anders. Da ist eine ganz andere Adaption bei den Mitspielern notwendig.«

Der Gegner: »In Magdeburg müssen wir zum einen das Tempospiel des SCM unterbinden und so wenig wie möglich über den Gegenstoß zulassen. Im gebundenen Angriff spielt der SCM andererseits mit einer klaren Struktur und hoher Qualität und einer herausragenden personellen Besetzung.« Das wird eine kolossale Herausforderung.

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