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Tänzerische Elemente mit starkem Ausdruck und außergewöhnlichen Kostümen sind Teil der Show der Dänen.

Danish Performance Team

Körperkunst mit Geschichte

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28 dänische Turnerinnen und Turner bringen Akrobatik, Tanz und Gymnastik derart in Einklang, dass sie in ihrer Show eine Geschichte über das Leben erzählen können. Die geht unter die Haut.

Rund 1200 Zuschauer erlebten am Mittwochabend eine einzigartige Sport-Truppe aus Dänemark in der Gießener Sporthalle-Ost. Das National Danish Performance Team (NDPT) machte Station in Mittelhessen und begeisterte Jung und Alt.

Die 28 dänischen Turner/innen samt Trainer und Team-Manager sind seit einigen Monaten mit ihrem Programm "Namuh" auf Welt-Tournee. Der Besuch des NDPT besteht aus drei Bestandteilen. Zunächst ist da die atemberaubende Show, die eine dynamische Mischung aus Tanzeinlagen, Sprüngen vom großen und kleinen Trampolin, Tumbling, Tricks und Akrobatik ist. Zudem bietet das NDPT Workshops für Schüler, Lehrer und Trainer an, um das Turnen als Teil der gesunden Lebensführung zu fördern. Und zu guter letzt steht in jedem Land auch die kulturelle Begegnung auf dem Plan. So wohnen die jungen Dänen oftmals bei Gastfamilien, was sowohl von den Teammitgliedern als auch den Gastgebern geschätzt und als sehr lehrreich empfunden wird.

"184 Turner stellten sich dem Casting", erzählt Team-Manager Lars Houbak. "Es gibt einige, die mehrmals versuchen, ins NDPT zu kommen und es aufgrund der turnerischen Weiterentwicklung auch schaffen." Die Turner zahlen für dieses Privileg 5000 Euro und sind dann mit dem Team ein Jahr auf Tour - ohne Lohn wohlgemerkt. "20 Jungen und 20 Mädchen werden zu einem Interview eingeladen", so Houbak über den Bewerbungsprozess. Dort komme es dann auch auf die persönlichen Werte an. "Wir wünschen uns, dass wir eine Gruppe haben, die sich untereinander vertrauen kann, in der man sich nicht verstellen braucht."

Zum vierten Mal gelang es dem Turngau Mittelhessen, die Dänen nach Gießen zu holen. Für die organisatorischen Aufgaben zeichneten Ingrid Hubing und Silke Stutz verantwortlich, die in Vereinen, bei Wettkämpfen und an Schulen die Werbetrommel rührten. "Mit dem Kartenverkauf sind wir zufrieden, obwohl es gerne mehr hätten sein können", meinte Turngau-Vorsitzende Marion Kleist. "Auf jeder Turngau-Veranstaltung haben wir auf die Show hingewiesen und Flyer verteilt." Enttäuscht waren die Veranstalter von den Schulen, da es trotz intensiver Bemühungen kaum Rückmeldungen gab.

Bei den Workshops war der Andrang groß. Rund 160 Schüler nahmen am Dienstag für jeweils fünf Euro teil und hatten damit automatisch ihre Eintrittskarte für die Show in der Tasche. So fanden auch viele Kinder aus dem Leistungsturnen den Weg in die Osthalle. In zwei Stunden übten sie mit dem NDPT eine Showeinlage ein, die vor dem eigentlichen Programm am Abend gezeigt wurde. Als zusätzliche Einlage zeigte die Rhönrad-Truppe des TSV Groß-Eichen ihr Können.

Nach einer kurzen Pause folgte der feierliche Einmarsch des NDPT, und die eigentliche Show konnte beginnen. "Namuh" ist eine gymnastische Geschichte, in der es um Vertrauen, Kameradschaft und Neugier geht. Wer sich fragt, welche Bedeutung der Name hat, lese ihn einfach von hinten: Human = Mensch. Die jungen Dänen führten den Zuschauern vor Augen, worum es im Leben gehen sollte: Freude an dem, was man tut, Zielstrebigkeit trotz scheinbarer Unordnung, Zusammenhalt und Liebe. Dabei schlugen die Gymnasten auch düstere, warnende Töne an. So tanzten sie in schwarzen Gewändern, mit Mundschutz versehen, gleichgeschaltet zu synthetischen Klängen. Wer aus diesem Muster auszubrechen versuchte, wurde schnell wieder eingefangen. Während es drei Tänzern gelang, diesem Hamsterrad zu entfliehen, Mundschutz und Kapuze zu entfernen und unter dem Schwarz etwas Rotes zu entdecken, fielen andere, scheinbar vor Erschöpfung, zu Boden. Der Rest der Gruppe tanzte sogar weiter, obwohl die Musik längst aufgehört hatte. Zu hören war nur noch das Atmen der Tänzer und das betretene Schweigen der Zuschauer. Der stille Abgang der Dänen zur Pause regte zum Nachdenken an.

"Wir hoffen, dass das Publikum während der Show etwas gespürt hat", sagte Trainer Malthe Hahn. "Es muss nicht unbedingt ein gutes Gefühl während der gesamten Show sein, aber ›Namuh‹ soll Denkanstöße geben. Einige werden über Beziehungen, Freundschaft, Arbeit und Familie nachdenken. Wir können uns gegenseitig Gutes tun, und wir können uns Schlechtes antun. Aber wir sind immer voneinander abhängig."

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