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Corona erschwert auch 2021 die Planung der heimischen Vereine. Die meisten Vorstände denken kurzfristig. Andere machen mutig Termine aus - und hoffen, dass ihre Veranstaltung nicht abgesagt werden muss. SYMBOLFOTO: IMAGO

Jubiläen und Geburtstage

Können die Vereine überhaupt planen?

  • Christoph Sommerfeld
    vonChristoph Sommerfeld
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Vereinsjubiläum. Endlich wieder mal was los im Ort. Oder eben nicht. Runde Geburtstage sind in Zeiten von Corona nicht gerade ein Segen für heimische Sportklubs.

Neues Jahr, neues Glück? Von wegen. Auch 2021 ist auf mittelhessischer Vereinsebene erst mal Schmalhans Küchenmeister. Ein Wiederaufleben des Klublebens hängt weiter von den Politikern - mithin von den schwer zu interpretierenden Corona-Zahlen - ab. Auf sportlicher Ebene wartet alles gespannt auf die nächste Entscheidung »von oben« Mitte Februar. Erste Verbände in Hessen haben ihre Spielzeiten für beendet erklärt, andere verlängerten nur die Saisonunterbrechung. Aber was ist mit der Veranstaltungsplanung? Dem Teil des Klublebens, der als wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb oftmals unerlässlich ist. Auch hier macht den Vorständen Corona nach wie vor einen Strich durch die Rechnung. Einige Klubs planen dennoch mutig das Jahr.

Beim MTV 1846 Gießen steht 2021 mit dem 175-jährigen Bestehen ein Jubiläum an. »Der für Ende April geplante Festakt ist bereits auf den Herbst verschoben. Zwei bis drei andere Events können ebenfalls erst im zweiten Halbjahr stattfinden«, verrät Geschäftsführer Mario Bröder. Für den Festakt, der im Volksbank-Forum über die Bühne gehen soll, stehen nun mit dem 1. und 29. Oktober zwei Termine zur Verfügung. Aber selbst diese stehen unter dem Vorbehalt der Durchführbarkeit. »Außerdem würden wir gerne eine Abteilungsolympiade und eine Art Sportschau aller Abteilungen machen. Adventsnachmittag und Adventslauf stehen auf der Agenda«, erklärt Bröder, der zusammen mit dem MTV-Hausmeister nun erst mal in Kurzarbeit geht und nur noch das Nötigste regelt.

Positiv gestimmt sind die Gießener Footballer, die voller Zuversicht auf den Saisonstart um Pfingsten herum hoffen. Ein Jahrbuch der »Männerturner«, die eine Mitgliederzahl von 2300 vorweisen können, soll schon im ersten Quartal erscheinen.

Zoom-Kurse als Überbleibsel

Einige Kilometer weiter westlich steht ebenfalls alles auf null. Bei den TSF Heuchelheim bilden die Zoom-Kurse für Zumba, Rücken und Fitness das Überbleibsel eines regen Trainings- und Wettkampfbetriebs, den die ebenfalls 2300 Mitglieder noch vor Corona mit Leben füllten. Ein kleiner Lichtblick beim Blick auf die Homepage bietet sich in der Kategorie Mitternachtslauf. Die nächtliche Läuferparty ist für dieses Jahr tatsächlich mit einem Datum versehen. »Die Planungen für 2021 haben begonnen«, schreiben die TSF. Am Abend des 3. Juli soll der Startschuss fallen. Beinahe die gesamte Laufserie um den Mittelhessen-Cup ist von den Vereinen terminiert. »Mit dem Lauf haben wir langjährige Erfahrung. Da können wir die Vorbereitungen auch mal innerhalb von lediglich zwei, drei Monaten umsetzen«, sagt Holger Schmidt. Der TSF-Vorsitzender verweist zudem auf das 100-jährige Bestehen der Heuchelheimer Fußball-Abteilung, die eigentlich schon 2020 Jubiläum feiern wollte. »Vielleicht kann das ja in diesem Jahr nachgeholt werden.«

Mit verschobenen Feiern kennt man sich beim TSV Burg-/Nieder-Gemünden nur allzu gut aus. Die Vogelsberger wollten ihre 100-Jahr-Feier zunächst im April 2020 steigen lassen. Der Verlegung auf den Oktober folgte eine weitere Absage, sodass man in Gemünden nun auf den kommenden April hofft. »Wir diskutieren gerade im Vorstand, ob wir den Festkommers erneut absagen oder ob wir noch warten«, teilt TSV-Vorsitzender Tobias Reitz auf Nachfrage mit. Demnach sei außerdem unklar, ob eine neuerliche Absage den ersatzlosen Ausfall der Veranstaltung bedeutet oder ob man wieder verschiebt. Die ganz große Aktion soll es ohnehin nicht mehr werden, wie Reitz zu verstehen gab. »Wir planen derzeit mit einer Ein-Tages-Veranstaltung.«

Ein Jahr älter als der Verein in Gemünden ist der SV Viktoria Nieder-Ofleiden, der also nichts nachzuholen hat, aber mit den verschobenen Planungen des Jubiläums ebenso die Quadratur des Kreises versucht. Groß war die Freude schon bei den Fußballern aus dem Homberger Stadtteil, als sie mit der Ausrichtung des Endspieltages im Alsfelder Kreispokal betraut wurden. »Das werden wir alles kurzfristig organisieren müssen, wenn es stattfindet«, schickt Vorsitzender Stefan Weber voraus. In der Sporthalle, die an den Rasenplatz angrenzt, könne man einen Kommersabend abhalten. »Draußen vielleicht ein kleines Zelt.« So in etwa kann sich Stefan Weber das »100-Jährige« seines Klubs vorstellen. Das ist notgedrungen so ähnlich wie Luftschlösser bauen. Aber viel mehr können die Vereine im Moment ohnehin nicht tun.

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