Nach einem Jahr Verletzungspause wieder zurück auf dem Handball-Parkett: Stefan Kneer. FOTO: BJÖRN FRIEDRICH
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Nach einem Jahr Verletzungspause wieder zurück auf dem Handball-Parkett: Stefan Kneer. FOTO: BJÖRN FRIEDRICH

Handball

Kneer: "Egal, ob 100 oder zehn Tore"

Stefan Kneer ist zurück. Nach einer Verletzungspause hat der Ex-Wetzlarer und Neu-Hüttenberger ein tolles Comeback gefeiert und den Zweitligisten beim TV Großwallstadt zum Sieg geführt.

Nach langer Leidenszeit und fast genau einem Jahr Pause ist Stefan Kneer zurück auf dem Handballfeld. Nach Rücken-OP und Reha gab er am Samstag beim Sieg gegen den TV Großwallstadt sein Debüt für den TV 05/07 Hüttenberg in der 2. Handball-Bundesliga. Vor dem Spiel am morgigen Mittwoch (19:30 Uhr/Rittal-Arena Wetzlar) gegen den ASV Hamm-Westfalen stand er Rede und Antwort.

Herr Kneer, schön, Sie wieder auf dem Feld zu sehen. Wie geht es Ihnen nach dem ersten Spiel?

Soweit geht es mir ganz gut. Natürlich merkt man noch die Knochen nach so einem Spiel wie am Samstag. Vor allem, weil es das erste Spiel seit einem Jahr war. Aber ansonsten geht es mir ganz gut.

Was war das für ein Gefühl, nach so langer Zeit wieder auf dem Feld zu stehen und aktiv am Spiel teilnehmen zu können?

Ich habe mich riesig gefreut. Ich bin ganz ehrlich: Wenn man so lange raus ist, stellt man sich schon auch zwischendurch die Frage, ob das jemals wieder möglich sein wird. Aber ansonsten habe ich mich auf den Anpfiff gefreut und dann hat es einfach Spaß gemacht. Spaß gemacht, das zu machen, was man sein ganzes Leben lang und sehr gerne macht. Dass das Spiel dann so verlief, war natürlich so ein bisschen das Sahnehäubchen.

Gab es auch mal Momente in den vergangenen Monaten, in denen Sie überlegt haben, die Karriere zu beenden?

Ja, natürlich. Ich bin jetzt auch keine 25 mehr und wenn man dann so lange verletzt ist, dann kommt man an den Punkt und überlegt das auch. Aber ich habe es mir als Ziel gesetzt, unbedingt wieder Handball zu spielen, habe darauf hingearbeitet - und zum Glück hat es funktioniert. Das man sich nach so langer Zeit aber auch anderweitig Gedanken macht, ist, denke ich, ganz normal.

Nun feierten Sie ihr Comeback ausgerechnet bei Ihrem Ex-Verein TV Großwallstadt, mit dem Sie vor neun Jahren im Europapokal-Finale standen. Inwiefern war das noch mal besonders?

Für die Außenstehenden war das eine schöne Randnotiz, für mich war das eher Zufall. Beim Spiel selbst waren ganz wenige, mit denen ich früher zu tun hatte. Und dadurch, dass keine Zuschauer da waren, hat man auch niemanden getroffen von früher. Es war ein schöner Zufall, hatte aber keinen Einfluss auf meine Motivation oder Leistung.

Seit Juli sind Sie jetzt beim TVH. In der langen Rehaphase haben Sie dennoch nach Möglichkeit im Training den jungen Spielern mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Was haben Sie versucht, den Jungs in dieser Zeit zu vermitteln?

Als ich nach Hüttenberg kam, war ich noch nicht mal in der Lage, zu joggen. Da war an Bewegung noch nicht groß zu denken, dennoch habe ich versucht, jede Trainingseinheit da zu sein. Ich habe versucht, mit meiner Erfahrung den Spielern von außen zu helfen. Das fiel mir aber dann noch einfacher, als ich wieder aktiv am Training teilnehmen konnte. So konnte ich den Jungs als Vorbild dienen, die Dinge aus unseren Gesprächen umzusetzen und nicht nur reden. Für mich war die Situation somit einfacher. Die Jungs sollen nicht denken: ›Der erzählt da draußen nur irgendwas, aber ob das funktioniert, weiß ich gar nicht.‹

Passend dazu: Wie sehen Sie Ihre Aufgabe innerhalb der Mannschaft? Mit den vielen jungen Akteuren als der erfahrenste Feldspieler.

Meine Aufgabe war schon klar, als ich hierherkam. Ich will die Jungs unterstützen und führen. Das habe ich mir fest vorgenommen. Mir ist auch völlig egal, ob ich viel oder wenig spiele. Für mich steht der Erfolg der Mannschaft an erster Stelle, unabhängig von meiner Spielzeit.

Thema Ziele. Das übergeordnete Ziel ist ja mit dem Klassenerhalt klar kommuniziert. Aber was sind sowohl Ihre persönlichen Ziele als auch die mit der Mannschaft?

Mein persönliches Ziel ist es erst einmal, richtig fit zu werden - und das auch über einen längeren Zeitraum. Ansonsten bin ich jetzt 35 und spiele meine 16. Saison, da hat man nicht mehr diese persönlichen Ziele. Mir ist es prinzipiell egal, ob ich in der Saison 100 oder zehn Tore mache. Der Erfolg der Mannschaft ist wichtig. Wenn ich dafür zehn Tore pro Spiel machen muss, dann versuche ich das. Wenn ich dafür kein Tor machen muss, dann versuche ich das auch. Meine Rolle ist klar, die jungen Spieler zu führen. Dem ordne ich alles andere klar unter.

Wie schätzen Sie die Mannschaft denn ein?

Wir haben viel Qualität und viele talentierte Spieler. Aber wir haben auch in den letzten Begegnungen gesehen, dass nur Talent auch nicht reicht. Wir haben uns im Laufe der Saison schon gesteigert, von dem her ist ein ganz klarer Aufwärtstrend zu erkennen. Aber wir haben jetzt sieben Punkte und wir müssen sehen, dass wir weiter Punkte holen. Ich habe die letzten Jahre die 2. Liga immer wieder verfolgt. Da ist es so eng, da steigst du vielleicht mit 25 Punkten am Ende ab.

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