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Motorsport

Klemund fährt in Dubai auf das Podest

Das Jahr ist noch jung, dennoch hatte es ein erstes Highlight für den 19-jährigen Simon Klemund vom MSC Horlofftal parat. Den Start beim 24-Stunden-Rennen in Dubai.

Für Simon Klemund (19) aus Hungen-Rodheim vom MSC Horlofftal und das Fun-M-Racing-Team seines Vaters Dirk endete das 24h-Rennen von Dubai äußerst erfolgreich: Beim ihrem nun schon dritten Start in den Vereinigten Arabischen Emiraten fuhren sie mit dem BMW M 240i »RC« auf den dritten Platz in ihrer Klasse und damit aufs »Treppchen«. Dabei ist bei einem strapaziösen 24-Stunden-Rennen in den Augen vieler Teams schon das Ankommen ein großer Erfolg.

Simon Klemund war einer der insgesamt fünf Fahrer, die sich in sogenannten »Stints« bei einem Boxenstopp nach jeweils etwa eineinhalb Stunden am Steuer des 380 PS starken BMW mit der Startnummer 302 abwechselten. Partner im Cockpit der Hungener waren diesmal die beiden Briten George King (19) und James Winslow (37), der Australier John Corbett (54) und Julius Adomavicius (19) aus Litauen.

Das bunte Fünfer-Team machte unter der Regie von Teamchef Dirk Klemund gerade durch die Strategie und perfekte Boxenstopps in den 24 Stunden das Leistungsdefizit ihres Fahrzeugs gegenüber vielen Konkurrenten wett. In dem Gesamtergebnis wurden die Hungener auf Platz 28 von insgesamt 53 Teams mit teilweise bis zu 750 PS starken GT3-Fahrzeugen vom Schlage eines Porsche 911 GT3, Mercedes AMG EVO, Audi R8 LMS oder Lamborghini Hurracan gewertet. In der wichtigen Klassenwertung belegten sie mit dem leistungsmäßig schwächsten Fahrzeug Platz drei unter sechs Startern.

Das Rennen wurde nach mehreren Unfällen auf der Strecke insgesamt 16 Mal durch sogenannte »Code-60-Phasen« verlangsamt, aber nicht gestoppt. »Code 60« wird vom Rennleiter angeordnet, wenn es auf der Strecke Behinderungen gibt, vergleichbar mit »Pace-Car-Phasen« in der Formel 1. Die Fahrer dürfen bei »Code 60« nur noch mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 60 km/h fahren. Die daraus resultierende Zeit von 5:32 Minuten pro Runde darf dann nicht unterschritten werden, sonst hagelt es Strafsekunden. So müssen Fahrer und Team mit Stoppuhr oder speziellem Laptimer im Auto die Zeit möglichst genau treffen. Für viele Rennfahrer ist das Bummeltempo anstrengender als viele Vollgasrunden am Stück.

Leider hatte der 19-jährige Tennisprofi Julius Adomavicius in seinem Stint einen Kontakt mit einem anderen Fahrzeug, was eine 25-minütige Reparatur an der Box zur Folge hatte. Spurstange, Querlenker, Traggelenk und Felge wurden von den Mechanikern in einer rekordverdächtigen Zeit gewechselt und das Fahrzeug wieder ins Rennen geschickt.

Schrecksekunde gleich beim Start

Dabei hatte das Fun-M-Team schon gleich nach dem Start die erste Schrecksekunde: John Corbett wurde von einem Gegner touchiert und drehte sich. Der australische Routinier konnte zwar die Fahrt wieder aufnehmen, die BMW-Bordelektronik meldete aber einen Fehler in der Getriebesteuerung. Gleichzeitiges Schalten und Bremsen war fortan nicht mehr möglich, sodass die Fahrer ihre Fahrweise den geänderten Bedingungen anpassen mussten. Der Fehler hätte sich nur durch ein komplettes Software-Update der Bordelektronik oder Austausch eines Sensors während eines mindestens 45-minütigen Boxenstopps beheben lassen. Mit dem Handicap brachten die fünf Fahrer den Rennwagen schließlich durch die Nacht. Nach Sonnenaufgang lagen immer noch neun Stunden vor dem Team. Das Auto lief bis auf den Getriebefehler einwandfrei. Beim Zieleinlauf um 15 Uhr Ortszeit war die Freude im gesamten Team groß: Alle winkten dem Schlussfahrer James Winslow von der Boxenmauer aus zu und feierten gemeinsam die erfolgreiche Zielankunft bei den 24 Stunden von Dubai.

Entsprechend erleichtert war auch Simon Klemund, der bisher eine Bilderbuch-Laufbahn im Motorsport vorweisen kann. Er startete beim MSC Horlofftal im Kartslalom und wechselte mit 13 Jahren in den Kartrennsport. Bevor er mit 17 Jahren in Begleitung Auto fahren durfte, war er mit Rennlizenz bereits bei Langstreckenrennen in Spa/Belgien mit einem über 300 PS starken BMW 235i am Start, wenige Wochen später dann beim ersten 24-Stunden-Rennen und 2019 auch auf dem Nürburgring. Nach seinem Abitur begann er eine Ausbildung zum Mechatroniker bei Audi in Gießen. Der Motorsport-Club Horlofftal, der 2021 auf sein 50-jähriges Bestehen zurückblicken kann, fördert bereits seit über drei Jahrzehnten den Motorsport-Nachwuchs durch nahezu kostenlose Einstiegsmöglichkeiten in den Kartslalom. Aktuell warten acht Kartkids auf das Ende der Corona-Einschränkungen und damit auf einen Saisonstart im Frühjahr.

Via Rotterdam

Für Klemunds war jetzt in Corona-Zeiten lange Zeit nicht klar, ob das Rennen in Dubai überhaupt durchgeführt werden konnte. Das Auto hatten sie bereits Anfang Dezember nach Rotterdam geschafft, denn von dort aus ging die gesamte Technik per Seefracht-Container in den Wüstenstaat am Golf. Für das gesamte Team waren Corona-Tests bei der Abreise am Flughafen und auch bei der Einreise in Dubai sowie natürlich nach dem Rückflug in Frankfurt obligatorisch. In Dubai verbrachte das Team die meiste Zeit auf der Rennstrecke und damit abseits der City. Für die touristischen Highlights der Glitzer-Metropole blieb - unabhängig von den Corona-Einschränkungen - ohnehin kaum Zeit. Klemunds hoffen nun, im nächsten Jahr wieder in Dubai an den Start gehen zu können. Dann aber hoffentlich ohne Masken.

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