Ein kleiner Wechsel mit großer Wirkung für die LTi 46ers

Douglas Spradley, der Trainer der Eisbären Bremerhaven, steht nicht im Verdacht, ein Angeber zu sein. Seinen spielentscheidenden Schachzug bezeichnete er nach der Begegnung in der Sporthalle Gießen Ost als "kleinen Wechsel in der Verteidigung". Dieser kleine Wechsel, die Umstellung auf eine 3-2-Zonenverteidigung, hatte jedenfalls große Wirkung. Denn als Spradley sich zu diesem Schritt entschied, waren die LTi Gießen 46ers vor 3210 zu diesem Zeitpunkt begeisterten Zuschauern drauf und dran, ihre vier Partien andauernde Niederlagenserie in der Basketball-Bundesliga zu beenden. 62:49 führten die Gastgeber in der 27. Minute, und nichts sprach zu diesem Zeitpunkt dafür, dass die Bremerhavener zwölf Spielminuten später das Parkett als Sieger verlassen würden.

(kus) Douglas Spradley, der Trainer der Eisbären Bremerhaven, steht nicht im Verdacht, ein Angeber zu sein. Seinen spielentscheidenden Schachzug bezeichnete er nach der Begegnung in der Sporthalle Gießen Ost als "kleinen Wechsel in der Verteidigung". Dieser kleine Wechsel, die Umstellung auf eine 3-2-Zonenverteidigung, hatte jedenfalls große Wirkung. Denn als Spradley sich zu diesem Schritt entschied, waren die LTi Gießen 46ers vor 3210 zu diesem Zeitpunkt begeisterten Zuschauern drauf und dran, ihre vier Partien andauernde Niederlagenserie in der Basketball-Bundesliga zu beenden. 62:49 führten die Gastgeber in der 27. Minute, und nichts sprach zu diesem Zeitpunkt dafür, dass die Bremerhavener zwölf Spielminuten später das Parkett als Sieger verlassen würden. Dann hatte Spradley die Idee mit der Ball-Raum-Verteidigung, mit der er die Gießener vor riesengroße Probleme stellte. Sie rannten kopflos an, die Verunsicherung wuchs von Sekunde zu Sekunde, und am Ende stand eine 79:83 (43:47)-Niederlage.

Die fünfte Pleite in Folge nahm die Mehrheit der 46ers-Fans recht gelassen hin. Ein Achselzucken hier, ein "Das gibt’s doch gar nicht!" dort. Das war’s. Der ganz große Ärger wegen der verpassten Chance, endlich wieder ein Erfolgserlebnis zu feiern, blieb aus. Die Gießener müssen nach ihrem traumhaften Start und der folgenden Ernüchterung den Blick also nach unten richten, statt auf die Playoffplätze schielen zu können. Zumal nach dem dritten Heimspiel in Serie am Samstag gegen die BG Göttingen drei Auswärtsaufgaben in Folge warten.

Dabei waren die Eisbären am Samstag alles andere als ein unschlagbarer Gegner. Allerdings war es schon fast zum Verzweifeln, wie einfallslos die Gastgeber gegen die Zonenverteidigung agierten. "Wir haben es nicht geschafft, den Ball ans Brett zu bringen. Wir haben ihn stattdessen nur um die Dreierlinie herumgepasst", beschrieb Gießens Trainer Vladimir Bogojevic treffend, wie die Angriffsbemühungen seiner Mannschaft in den letzten Minuten oft aussahen. Neben einigen Schnellangriffen waren es meist mehr oder weniger wilde Einzelaktionen, mit denen die LTi 46ers versuchten, den Schaden in Grenzen zu halten.

So schmolz der schöne 13-Punkte-Vorsprung vom 62:49 bis zum Ende des dritten Viertels erst auf 57:64 und nach nur wenigen Augenblicken im finalen Viertel auf 62:64 - Giorgi Gamqrelidze, der Aufbauspieler der Mittelhessen, hatte sich ein fragwürdiges unsportliches Foul eingehandelt: Mit einem Hechtsprung wollte er den Ball noch retten, den er soeben an Donald Copeland verloren hatte, und brachte dabei seinen Gegenspieler zu Fall. Ob berechtigt oder unberechtigt: Die Bremerhavener nutzten die Freiwürfe und den folgenden Ballbesitz zu vier Punkten. Über das 67:69 (34.) gerieten die Gießener zweieinhalb Minuten vor dem Ende mit 71:77 in Rückstand, doch sie hatten durchaus noch Möglichkeiten, zurückzukommen. Doch es passte ins Bild, dass sie sich dieser Chancen selbst beraubten. So beispielsweise, als sich Zachery Peacock 1:42 Minuten vor dem Ende beim 76:78 ein überflüssiges Foul abseits des Balls gegen Craig Callahan leistete, der daraufhin seine beiden Freiwürfe sicher zur 80:76-Führung der Eisbären verwandelte.

Oder als Ryan Brooks neun Sekunden vor dem Ende beim 78:81 über das gesamte Feld sprintete und mit aller Gewalt den Korb attackierte - ein überlegter Dreier kurz vor Ablauf der Uhr hätte die Gießener zumindest in die Verlängerung retten können.

Diese Aktion dürfte Bogojevic genauso wenig gefallen haben wie das Foul von Peacock, der den Ärger des Trainers sofort zu spüren bekam: Der Heißsporn wurde prompt auf die Bank geholt, von der er erst kurz zuvor zurück aufs Feld gekommen war - denn nach einem Offensivfoul zwei Minuten zuvor hatte der Trainer dem Topscorer der Liga schon eine persönliche Auszeit gegeben. "Wenn die Disziplin an erster Stelle steht, muss sich jeder daran halten. Wenn Callahan zum Ende hin solche Fouls zieht, dann ist das mehr als unglücklich", sagte der Coach.

Immerhin mit den ersten 30 Minuten war Bogojevic zufrieden. Nach einem schnellen 6:0 führten die Gießener nach dem ersten Viertel mit 25:23, hatten allerdings schon einige Mängel in der Verteidigung der gegnerischen Drei-Punkte-Würfe offenbart. Viel zu schnell wurde der Ballführende Bremerhavener gedoppelt, sodass ein Distanzschütze zwangsläufig irgendwann frei war.

So verwandelte das Team von der Küste in der ersten Hälfte allein sieben seiner zwölf Dreierversuche. Dass die LTi 46ers zur Pause dennoch mit 47:43 führten, lag daran, dass sie selbst hochprozentig trafen und zum Ende hin einen 10:2-Lauf hinlegten, den Gamqrelidze mit einem spektakulären Distanztreffer mit der Sirene abschloss.

Furios begann auch die zweite Hälfte: Die Gießener erhöhten nun auch in der Verteidigung die Intensität und zwangen die Bremerhavener zu schlechten Würfen oder zu Ballverlusten, die von den LTi 46ers mit Schnellangriffen bestraft wurden. Als Brooks nach einem Fastbreak mit einem Dunk die 59:47-Führung erzielte, war auch die Stimmung in der Osthalle prächtig, die zuvor - passend zum 1. Adventswochenende - eher besinnlich gewesen war.

Nach Griffins Dreier zum 62:49 (27.) und der Umstellung auf eine Zonenverteidigung war die Gießener Herrlichkeit aber vorbei. Das Selbstvertrauen wich der Verunsicherung, und sowohl in der Offensive als auch in der Defensive fehlten Cleverness und Flexibilität, um die Eisbären vor große Probleme zu stellen. Vielleicht wäre dies den LTi 46ers mit einer anderen Verteidigungsvariante gelungen - wie in der Vorwoche gegen Alba Berlin.

So aber verloren die Norddeutschen nicht mehr ihren Rhythmus, entschieden das letzte Viertel mit 26:15 und die Parte mit 83:79 für sich. "Wir haben die Zone im gesamten letzten Viertel gespielt. So lange wie noch nie in dieser Saison", freute sich Gäste-Trainer Spradley über seinen "kleinen Wechsel" mit der großen Wirkung.

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