Die kleinen Wetzlarer wachsen gegen Düsseldorf über sich hinaus

In der 56. Minute war das Ei gepellt. Keeper Nikolai Weber hatte gerade einen Wurf von Michael Hegemann über die Latte bugsiert, was Michael Roth, Trainer des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar, zum Anlass nahm, beide Fäuste in die Luft zu strecken und kräftig durchzuatmen. Dass Sven-Sören Christophersen im folgenden Angriff auch noch zum zwischenzeitlichen 31:26 traf, bestärkte den Coach in seinem Jubel über den letztlichen 33:28 (15:11)-Erfolg seiner Mannschaft gegen die HSG Düsseldorf am Karsamstag. Mit dem jüngsten und wohl auch dem leichtesten und kleinsten Aufgebot der Bundesliga-Geschichte hatte Wetzlar das 400. Heimspiel im Oberhaus gewonnen und damit einen großen - wohl entscheidenden - Schritt in Richtung Klassenerhalt gemacht.

In der 56. Minute war das Ei gepellt. Keeper Nikolai Weber hatte gerade einen Wurf von Michael Hegemann über die Latte bugsiert, was Michael Roth, Trainer des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar, zum Anlass nahm, beide Fäuste in die Luft zu strecken und kräftig durchzuatmen. Dass Sven-Sören Christophersen im folgenden Angriff auch noch zum zwischenzeitlichen 31:26 traf, bestärkte den Coach in seinem Jubel über den letztlichen 33:28 (15:11)-Erfolg seiner Mannschaft gegen die HSG Düsseldorf am Karsamstag. Mit dem jüngsten und wohl auch dem leichtesten und kleinsten Aufgebot der Bundesliga-Geschichte hatte Wetzlar das 400. Heimspiel im Oberhaus gewonnen und damit einen großen - wohl entscheidenden - Schritt in Richtung Klassenerhalt gemacht. »Das 13. Jahr in der stärksten Liga der Welt ist uns sicher«, applaudierte der Sportliche Leiter Rainer Dotzauer und zollte einem Trio das größte Lob. »Sven-Sören Christophersen, Michael Allendorf und Avishay Smoler haben 25 Tore erzielt. Gerade diese drei Spieler, die uns nach der Runde verlassen, haben die anderen mitgerissen«, bedankte sich der 62-Jährige.

Ein Dankeschön verdient hatte auch Trainer Roth, der es tatsächlich geschafft hatte, trotz der Ausfälle von Georgios Chalkidis (Sperre), Alois Mraz (Bauchmuskelverletzung) und Daniel Valo (Muskelfaserriss) - nicht vergessen sollte man auch den Abgang von Petar Djordjic -, eine Truppe auf das Spielfeld zu stellen, die sich - gemessen an den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten - taktisch hervorragend verhielt. Statt sich am Sechs-Meter-Kreis von den Düsseldorfer Rückraumspielern die Bälle um die Ohren werfen zu lassen, hatte Roth - zugegeben mangels (6:0-fähiger) Masse gezwungenermaßen - eine 3:3-Abwehr aufgestellt, die sich taktisch und kämpferisch in Bestform präsentierte. Da auch Christophersen - durch eine Erkältung geschwächt - nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war, erhielt Timm Schneider die Chance, sich in der Abwehrmitte zu behaupten, was er - abgesehen von zwei entschuldbaren Absprachefehlern - gegen den österreichischen Nationalkreisläufer Patrick Fölser auch immer wieder hervorragend tat. Die vorgezogen deckenden Sebastian Weber, Michael Allendorf und Kevin Schmidt agierten gedanklich und körperlich absolut flink und flexibel, was den weitgehend behäbigen Gästen die Angriffsversuche erheblich erschwerte.

»Leider haben wir uns für diese gute Abwehrarbeit nicht belohnt«, ärgerte sich Coach Roth, dass es »nach 15 Minuten nicht 6:1 für uns« stand.

Zu viele Chancen hatten seine Spieler in dieser Anfangsphase ausgelassen - insgesamt waren es acht, die später gerne als glasklare bezeichnet werden. Nur deshalb konnte Düsseldorf in der 14. Minute auf 3:5 verkürzen. Der Treffer von Fölser war der erste, den sich die Gäste gegen die 3:3-Abwehr der Hausherren mit einem zweiten Kreisläufer erspielt hatten, eigentlich ein bekanntes und probates Mittel gegen offensive Deckungsreihen, dessen Anwenden von größtenteils überrumpelt wirkenden Rheinländern aber zu Beginn zu viel erwartet war.

Gerade dank einer nun praktizierten Manndeckung gegen Christophersen konnten die Gäste aber den Anschluss weitgehend halten und waren auch beim 9:10 durch Linkshänder Bostjan Hribar in der 22. Minute im Geschäft.

Zwei Paraden des eingewechselten Vladan Krasavac gaben den Hausherren nun aber die nötige Luft, um in der letzten Minute der ersten Halbzeit einen Endspurt vom 12:11 zum 15:11 anzubringen, den vor allen Dingen Christophersen nach einem von Keeper Krasavac in der eigenen Hälfte ausgeführten Freiwurf und drei Sekunden Restspielzeit mit seinem Treffer aus 16 Metern Entfernung krönte. Dass »Smöre« zu diesem Zeitpunkt der einzige Wetzlarer auf dem Feld war, der es aus dieser Distanz mit Wucht bis zum gegnerischen Tor schafft, hatten die Gäste in dieser Szene wohl nicht parat. Als einzigen Grund, warum der Torjäger nicht offensiv angenommen wurde, kann man anführen, dass Düsseldorf nach einer Zeitstrafe gegen Fölser in Unterzahl auf dem Parkett stand.

Nach dem Wechsel zog Wetzlar das Tempo an. Durch ein Tor von Allendorf, einen Doppelschlag von Sebastian Weber und ein Siebenmetertreffer von Allendorf waren die Gastgeber in der 34. Minute auf 19:13 enteilt, da in dieser Phase die Eigenfehlerquote gegen null tendierte. Dies änderte sich in der Folge aber wieder deutlich, was sich in der 41. Minute beim 19:20-Anschlusstreffer von Michael Hegemann auch im Zwischenstand bemerkbar machte. Als Düsseldorfs Florian von Gruchalla im folgenden Angriff sogar mit einem Konter zum 20:20 ausgleichen konnte, begann bei den Wetzlarern das große Zittern, oder? »Nein, ich war sicher, dass Düsseldorf nicht wegziehen würde, weil wir in der Abwehr dagegengehalten haben. Dadurch sind wir immer wieder zurückgekommen, wenn wir vorne Fehler gemacht haben. Bis zum 20:20 waren es halt ein paar Fehler zu viel, aber das haben wir dann abgestellt. Die Abwehr hat das Spiel gewonnen«, erklärte Allendorf, dessen Gegenstoßtreffer zum 24:22 (50.) auch auf den Rängen wieder zu mehr Beruhigung führte. »Nach dem 20:20 haben verschiedene Spieler Verantwortung übernommen. Jeder hat Akzente gesetzt.

Das ist es, was diese Mannschaft ausmacht«, freute sich Christophersen auch, dass seine Mitspieler zur Stelle waren, als er durch eine Kurzdeckung aus dem Spiel genommen wurde. Mit dem Treffer zum 27:24 (53.) bewies dabei Smoler, dass seine Lockerheit im Handgelenk zurückgekommen ist, was er mit fünf feinen unterschiedlichen Torabschlüssen bestätigte. Statt durch den Ausgleich der Gäste einzuknicken, hatte Wetzlar in der entscheidenden Phase auf Erfolg versprechende Konzepte zurückgegriffen. Besonders Timo Salzer und auch Kevin Schmidt spielten nun genau die Lücken an, die sich zum Durchbruch anboten, und reizten die eigenen spielerischen Mittel bis zum Letzten aus. Und so war nach Salzers Doppelschlag zum 30:26 (56.) und Webers Parade das Ei gepellt. »Jetzt haben wir genug Abstand nach unten und beschäftigen uns nicht mehr damit, was hinter uns passiert. Wir gucken nur noch nach oben«, jubelte Allendorf.

HSG Wetzlar: Nikolai Weber, Krasavac (24. bis 49.); Schmidt (1), Sebastian Weber (3), Smoler (5), Christophersen (10/3), Allendorf (10/3), Salzer (4), Jungwirth, Schneider, Werum, Ludwig.

HSG Düsseldorf: Savonis, Puhle (ab 31.); Berblinger, Hribar (7/3), Hegemann (6/1), Ramota, Fölser (3), Ranftler, Kogut (4), Weiß (1), Wernicke (3), Asgeirsson, von Gruchalla (3), Sulc.

Im Stenogramm: SR: Damian/Wenz (Mainz/ Bingen). - Zuschauer: 3324. - Zeitstrafen: 8:12 Minuten. - Siebenmeter: 6/8:4/5. Marc Schäfer

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