Symptomatisch für die 61:87-Niederlage der Gießen 46ers gegen FC Bayern München: Spielmacher Braydon Hobbs (l.) muss sich mit zwei Gästespielern (Deon Thompson und Bryce Taylor, r.) auseinandersetzen. (Foto: Friedrich)
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Symptomatisch für die 61:87-Niederlage der Gießen 46ers gegen FC Bayern München: Spielmacher Braydon Hobbs (l.) muss sich mit zwei Gästespielern (Deon Thompson und Bryce Taylor, r.) auseinandersetzen. (Foto: Friedrich)

Klatsche für 46ers

(gae) Die 46ers erhalten eine Lehrstunde. Beim 61:87 gegen den FC Bayern München sind sie chancenlos. Das hält die knapp 4000 Fans in der Osthalle aber nicht davon ab, die Gießener in den letzten vier Minuten mit stehenden Ovationen und Beifall zu begleiten .

Wann hat es so ein Szenario in der Gießener Osthalle schon einmal gegeben? Die 46ers wurden bei der 61:87-Niederlage gegen den FC Bayern München in alle Einzelteile zerlegt – und dennoch erhielten sie am Ende der Basketball-Bundesliga-Partie einen fast vier Minuten währenden Applaus von den Rängen.

Sogar Headcoach Denis Wucherer rieb sich verwundert die Augen. Der 42-Jährige hatte in seiner aktiven Zeit als Spieler so etwas noch nicht erlebt: "Es kommt vor, dass man in einem Spiel mal so feststeckt und keine Chance hat wie wir. Wenn man dann aber diese Unterstützung von den Rängen fühlt, dann ist das gut, verkürzt die Leidenszeit und spricht dafür, dass die Fans mit der Mannschaft, mit den Coaches und mit der hier praktizierten Arbeit etwas anfangen können und dies dementsprechend honorieren." Und er fügte an: "Die einzigen Gießener, die heute erstklassig waren, waren die Fans – und dafür ein großes Dankeschön."

Recht hatte er, denn schon schnell wurde gestern jedem in der mit 3752 Zuschauern ausverkauften Halle klar, dass ein Coup wie gegen Bamberg oder Ulm nur schwer zu realisieren sein würde. Die Bayern, auch mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch ob der am Freitag erlittenen Niederlage in der Euroleague gegen Real Madrid angereist, agierten von Beginn an auf europäischem Top- Niveau. Aggressiv, körperbetont, als Team und mit hoher individueller Klasse – wie es der mit einer Leichtigkeit werfende Linkshänder K.C. Rivers oder der mit allen Wassern gewaschene serbische Powerforward Dusko Savanovic praktizierten.

Die 46ers dagegen bekamen sehr schnell ihre Grenzen aufgezeigt – in allen Bereichen: jeder einzelne persönlich, als Mannschaft und im physischen Bereich. 46ers-Spielmacher Achmadschah Zazai hatte im Vorfeld des Duells klein gegen groß die oft zitierten "Eier" gefordert. Am dritten Advent blieb es aber nur bei dahinschmelzenden Schokoladenlebkuchen. "Klar, Bayern ist nicht unser Kaliber", sagte 46ers-Guard Karsten Tadda: "Aber wir müssen es lernen, gegen Teams, die hart verteidigen, cleverer zu spielen."

Bayern Trainerfuchs Svetislav Pesic hatte in der Vorbereitung auf Gießen ganze Arbeit geleistet. Er wusste, dass er keine Nachlässigkeit seiner Mannschaft dulden durfte. Wie ernst das dem 66-Jährigen war, wurde deutlich, als er sich bei der 48:34-Führung (31.) über einen nicht sauber ausgeführten Block seines Centers Deon Thompson derart aufregte, dass man das Gefühl hatte, Bayern hätte das Spiel verloren. Im vierten Viertel war der sonst in der Coaching-Zone (meist darüber und auch im Feld) wie ein Irrwisch hin- und herspringende Pesic tiefenentspannt und beobachtete sitzend auf der Bande genüsslich das fokussierte Treiben seiner Star-Truppe.

"Wir haben uns viel vorgenommen. Meine Spieler waren sehr konzentriert und wollten ein gutes Spiel abliefern. Das haben sie getan", konstatierte der Coach der Bayern. Sein verlängerter Arm, Anton Gavel, der 2004 als 19-Jähriger bei den 46ers Regie führte, erklärte indes: "Wir haben gut angefangen, gleich mit zehn Punkten im ersten Viertel geführt und im dritten Viertel den Sack zugemacht (28:7-Lauf in zehn Minuten, Anm. d. Red.). Es war gut, dass wir von Anfang an den Ton angegeben haben – sonst hätte es auch anders laufen können."

Die Gießener, bei denen nur Braydon Hobbs Normalform zeigte, haben bloß kurzzeitig in Viertel zwei die nötige Energie und Leidenschaft an den Tag gelegt, um solch ein Schwergewicht zum Nachdenken zu bewegen. Nach dem Dreier von Suleiman Braimoh zum 29:33 waren es nur vier Zähler Rückstand auf die übermächtigen Bayern, die dann aber in Form von Savanovic antworteten, der gleich fünf Punkte in Folge erzielte und die aufkeimende Hoffnung bei den 46ers sofort zerstörte.

"Wir waren nicht reif, um gegen eine Mannschaft wie Bayern ein bisschen mitzuspielen", bilanzierte Wucherer, der den Fans versprach: "Wir werden wieder besser auftreten und den nächsten Sieg einfahren." Am Sonntag geht es nach Frankfurt zu den Skyliners. Da können die gestern arg gebeutelten 46ers-Spieler das Versprechen ihres Trainers schon einlösen.

Gießen: Zazai (2 Punkte), Hobbs (14), Polas Bartolo (4), Palm (6), Lischka (2), Braimoh (12), Tadda (5), Wells (7), Olaseni (4), Wragge (3), Schoo (2).

München: Rivers (15 Punkte), Thompson (8), Seiferth (2), Renfroe (12), Zipser (11), Savanovic (17), Kovacevic, Gavel (5), Jallow (2), Mayr (2), Taylor (5), Bryant (8).

Viertel: 10:20, 21:26, 7:28, 23:13 – Zu.: 3752.

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