Noch immer ein Leistungsträger bei Lich Basketball: Jermale Jones. FOTO: FRIEDRICH
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Noch immer ein Leistungsträger bei Lich Basketball: Jermale Jones. FOTO: FRIEDRICH

Basketball

Klassen: "Wie im Film"

  • vonSebastian Kilsbach
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Es war vielleicht der mittelhessische Basketball-Krimi der Saison: In der fünften Liga lieferte sich Lich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Aufstieg. Doch dann kam Corona.

Eingefroren erinnert die Tabelle der 2. Basketball-Regionalliga an das packende Duell, welches sich bis vor vier Wochen Limburg, Bensheim und Lich lieferten. Bei noch drei ausstehenden Spielen war völlig unklar, wer als erster durchs Ziel gehen würde. Die jüngsten Ergebnisse machten den Wetterstädtern Hoffnung. Diese mussten allerdings auf Ausrutscher ihrer Mitkonkurrenten hoffen.

Nun ruht der Ball. Auf das Spiel gegen Makkabi Frankfurt zur Monatsmitte bereitete sich Lich noch wie gehabt vor. Am 13. März erfolgte die Absage, fünf Tage später die Meldung, dass die Regionalliga den Spielbetrieb für beendet erklärt.

"Es war wie im Film", erinnert sich Cheftrainer Viktor Klassen an jene Tage. "Wir hatten noch normal die Trainingszeiten angesetzt. Bereits zur Wochenmitte sendete Annette Gümbel das Signal, dass es wohl nicht mehr weitergeht", so der ehemalige Guard weiter. Der Vertreterin des Vereins oblag es, den Shutdown final zu verkünden.

Seither fühlt sich Klassen - wie derzeit fast jeder - "ein bisschen wie von der Außenwelt abgeschlossen." Eine normale Verabschiedung im Mannschaftskreis fand nicht statt. Ganz im Gegenteil vermeldete Lich bereits am 17. März, das Aufbauspieler und Anführer Jermale Jones in seine US-amerikanische Heimat zurückgekehrt sei. "Es sind außergewöhnliche Zeiten. Auch für uns. Stay at home", schrieb der Club auf Facebook.

Genau dort willigt Jones einem kurzen Interview ein, um seine Perspektive auf die Saison zu rekapitulieren: "Es war eine tolle Spielzeit. Wir hatten einige Auf und Abs, aber wir standen als Team zusammen füreinander ein: Das hat uns so gefährlich gemacht." Als sich die Dramatik zuspitzte, kam es zum Abbruch. Das sei "unglücklich" gewesen, so Jones weiter, der dennoch zufrieden auf seine neuerliche Saison im Herzen der Natur zurückblickt. Bereits zu Zweitliga-Jahren gehörte der US-Guard zum Stammpersonal der Wetterstädter. Das er gerne zurückkehren würde, ist für ihn eine rhetorische Frage.

Der Verein hatte früh das Gespräch mit Jones gesucht. "Der ein oder andere Flughafen war schon zu, wir wussten bereits, dass es sportlich nicht weitergeht", erklärt Klassen, warum man dem Publikumsliebling keine Steine in den Weg legte. Mit 24,5 Punkten war er Topscorer seiner Farben und drittgefährlichster Korbsammler der Liga.

Mit Freude erinnert sich der Trainer an den an Wendungen reichen Saisonverlauf zurück. "Wir haben gut angefangen", übt sich Klassen in Understatement. Tatsächlich schien Lich zu Beginn unschlagbar. "Dann haben wir es mit einigen Verletzungen zu tun bekommen", so der Übungsleiter weiter. Felix Strack kam in einem der ersten Heimspiele unglücklich nach einem Dreier auf, konnte im Herbst aber zurückkehren. Härter traf es Nils Pompalla, der nach einer Knieverletzung ins Langzeit-Lazarett wechselte. Das hinterließ tiefe Spuren auf den kleinen Positionen. Oft musste Jones den Ball bringen und die offensive Scoringlast tragen.

Dennoch raufte sich das nach wie vor topbesetzte Team schnell wieder zusammen. "Wir haben gut gespielt und vielleicht wäre es mit der Spitze noch was geworden. Auch für die Mannschaft ist es schade, dass es so endete. Insgesamt war es aber völlig richtig, die Saison abzubrechen", führt Klassen aus. Im Frühherbst hatte man Meisterschaft und Aufstieg als Ziele angepeilt. Als Trainer obliegt es ihm nun, sich um das nächste Jahr Gedanken zu machen. Obwohl erste Gespräch bereits geführt wurden, rechnet Klassen nicht vor Mai mit einem Vollzug: "Wenn wir wieder raus dürfen. Wir arbeiten daran zielstrebig."

Vorerst geht Lich aber mit gutem Beispiel voran und regt zum Zuhausebleiben an: Auf dem YouTube-Kanal (Lich Basketball e. V.) bietet der Verein neuerdings einfache Workouts an. Das Motto: Lich hält zusammen.

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