Klarheit auf dem Feld, nicht über die Zukunft der LTi 46ers

Die von der Insolvenz bedrohten LTi Gießen 46ers verloren ihr Auswärtsspiel in der Basketball-Bundesliga bei Alba Berlin mit 69:83 (35:42). Entweder am heutigen Montag oder am Dienstag werden die Verantwortlichen des Klubs bekanntgeben, ob die Saison regulär zu Ende gespielt werden kann oder eine Insolvenz eröffnet werden muss.

(mv/gae) Am Schluss betrieb Alba Berlin noch etwas Ergebniskosmetik: Wo ansonsten Mannschaften, die ein Spiel dominiert haben, die Zügel schleifen lassen und so dem Gegner noch einmal die Chance geben, den Rückstand nicht zu hoch ausfallen zu lassen, zogen die Hauptstädter gegen die wirtschaftlich in Not steckenden LTi Gießen 46ers in der Schlussphase das Tempo noch einmal an, um die Bundesliga-Partie am Samstagabend, die fast immer knapp war, schlussendlich mit 83:69 (42:35) zu gewinnen.

Es dürfte für absehbare Zeit das letzte Spiel der Gießener vor einer Kulisse von mehr als 10 000 Zuschauern gewesen sein, doch bei ihrem Gastspiel am Samstagabend hielten die um ihre Zukunft bangenden 46ers in der Arena am Berliner Ostbahnhof lange gut mit. Zwar lag der favorisierte Hausherr fast immer vorne, doch die Gießener Truppe von Trainer Mathias Fischer befand sich über große Teile des Spieles nahe der Schlagdistanz. Zwischen drei und neun Punkten pendelte sich der Rückstand ein, dem die Gießener hinterherliefen.

Dabei ähnelten sich die Situationen: Die Berliner spielten zeitweise gute Verteidigung, zogen so etwas davon und ruhten sich dann auf ihrem Erreichten aus, was die Gäste aus Mittelhessen wiederum dazu nutzten, um sich langsam, aber sicher wieder heranzukämpfen.

Darauf reagierte Alba-Trainer Sasa Obradovic zuverlässig mit einer Auszeit, in der er seinen Akteuren gründlich den Kopf wusch, woraufhin diese wieder das Tempo in der Verteidigung etwas anzogen. Den Berlinern merkte man dabei durchaus an, dass sie weniger als 48 Stunden zuvor noch im deutsch-deutschen Euroleague-Duell mit den Brose Baskets Bamberg standen. Es herrschte wenig Intensität im Spiel, gerade in der Verteidigung, vielmehr schienen sich die Spieler darauf geeinigt zu haben, die Partie über das Wurfspiel zu entscheiden. So gab es bei den Gastgebern einige schöne Spielzüge zu bewundern, die den starken Schützen von außen Wurfgelegenheiten boten, während die Gießener eher den Weg zum Brett suchten.

"Es war eine nette, offensiv geführte Partie", erklärte 46ers-Trainer Fischer nach dem Spiel, bei dem Center Elvir Ovcina mit 19 Punkten, neun gefangenen Rebounds und acht direkten Korbvorlagen herausragte. "Ich bin froh, dass ich fast allen Spielern Spielzeit geben konnte, mit Ausnahme von Robin Pflüger, der sich auf dem Weg nach Berlin einen Magen-Darm-Virus eingefangen hatte."

Doch wie für fast alle Basketball-Interessierten in Mittelhessen rückte das Spiel schnell in den Hintergrund: Stattdessen könnte der heutige Montag Klärung bringen, ob die von der Insolvenz bedrohten LTi Gießen 46ers die Saison regulär zu Ende spielen oder ob die Partie am Samstagabend in Berlin vielleicht sogar der vorläufige Schlusspunkt in der Geschichte des Bundesliga-Basketballs an der Lahn gewesen ist.

Für den Montagabend sei ein Treffen geplant, bei dem die Verantwortlichen die Mannschaft über das weitere Vorgehen in Kenntnis setzen wollen. Das war aus dem Kreis der Mannschaft zu hören. Ein Abgang von Topscorer Ryan Brooks gilt aber auch bei einer Fortführung des Spielbetriebes als sehr wahrscheinlich. Der Flügelspieler hat mehrere Angebote vorliegen, darunter auch von Klubs aus der BBL.

Ob der Termin der Bekanntgabe definitiv der heutige Montag ist, konnte 46ers-Geschäftsführer Heiko Schelberg gestern Abend auf Anfrage dieser Zeitung nicht bestätigen. Noch stünden drei wichtige Rückmeldungen von Sponsoren aus, die im Lauf des Tages erwarten werden. Denkbar sei auch, dass die Entscheidung erst am Dienstag getroffen werde, so Schelberg. Über die Höhe des noch fehlenden Betrages gab der Manager keine Auskunft. Insgesamt benötigen die LTi Gießen 46ers 360 000 Euro, um die Saison regulär zu Ende zu spielen, ansonsten muss ein Insolvenzverfahren eröffnet werden.

Selbst Alba-Coach Obradovic gab dem abgeschlagenen Schlusslicht der Basketball-Bundesliga die besten Wünsche mit auf den Heimweg. "Ich hoffe sehr, dass Gießen als großer Traditionsverein es schafft, in der Liga zu bleiben. Es wäre sehr schade um die lange Tradition dieses Standortes", sagte der 43-jährige Serbe.

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