Freude bei den Kleinsten, wenn die Bälle im Netz zappeln. (Foto: gae)
+
Freude bei den Kleinsten, wenn die Bälle im Netz zappeln. (Foto: gae)

Kindern etwas beibringen

Ein Ball, ein Tor, zwei oder mehrere Mitspieler – und schon kann Fußball losgehen. Es ist so einfach, Kindern Spaß zu bereiten. Den hatten 92 Kids im einwöchigen Sparkassen-Fußballcamp. Aber gelernt haben sie auch ganz viel.

Als bei den Verantwortlichen um Cheftrainer Deniz Solmaz vom Veranstalter Talentförderung Mittelhessen noch alles im Vorbereitungsmodus lief, schnappten sich die Kinder Bälle, bildeten Teams und spielten auf die zahlreichen aufgestellten Tore auf dem Kunstrasenplatz der TSG Wieseck Fußball – nach ihren Regeln. Das änderte sich später. Nach der offiziellen Eröffnung des Camps mit obligatorischem Teamfoto teilten die Coachs die Kinder in Gruppen ein. Und los ging das fünftägige, geregelte und mit anspruchsvollen Inhalten bedachte Nonstop-Programm für Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren, die Fußballerfahrung mitbringen sollten.

Peter Wolf, der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Gießen, erklärt gegenüber dieser Zeitung die Intention, mittlerweile zum elften Mal dieses Camp anzubieten: "Wir sind in ganz vielen regionalen Projekten engagiert, ob Kunst, Kultur, Soziales, Sport. Hier ist eine ideale Möglichkeit, in den Ferien den Kindern ein entsprechendes Angebot zu geben. Und bei diesem Camp hat es noch einen gewissen Leistungscharakter." Die Sparkasse sponsert diese Veranstaltung, sodass der Beitrag deutlich günstiger sei, als wenn man dies auf dem freien Markt einticken würde, erklärt Wolf weiter.

Das Mitmachen ist einfach. Über einen Flyer der Sparkasse können sich Interessierte anmelden. Kinder, die ein Konto bei der Bank haben, zahlen einen um 20 Euro vergünstigten Preis. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Es wird nach dem Motto verfahren: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Die normale Teilnehmergebühr beträgt 160 Euro, für die spezielle Torwart-Ausbildung muss man 175 Euro überweisen. Die Beträge decken das leistungsbezogene Training in verschiedenen Altersklassen (zweimal täglich) an den fünf Tagen ab. Es beinhaltet weiterhin pro Tag ein Mittagessen, Obst und natürlich Getränke, die bei der Hitze großen Absatz fanden. Als Zugabe gibt es noch ein Trikot sowie eine Urkunde und ein Camp-Erinnerungsfoto obendrauf.

Dass das Camp ankommt, wurde an der jährlich steigenden Teilnehmerzahl deutlich. "Wir mussten erstmals reduzieren", erklärt Christiane Keller (Unternehmenskommunikation Sparkasse), die selbst höherklassig Fußball spielte. "Die Gruppen waren einfach zu groß." Aktuell sind nun 92 fußballerfahrene Kinder am Start, früher waren es weit über 100. Und Wolf verdeutlicht noch einmal die Problematik: "Wir mussten die Teilnehmerzahl drosseln, um eine vernünftige Betreuung gewährleisten zu können."

Beide haben in ihrem Kunden- wie Freundeskreis bezüglich des Camps bisher nur positives Feedback von den Eltern teilnehmender Kinder erhalten. Die Wißmarerin Annette Jung kann dies nur bestätigen: "Die Kumpels meiner zwölfjährigen Tochter Lea haben uns von dem Camp vorgeschwärmt, sodass mein Mann Gregor unseren Sohn Paul angemeldet hat." Und der Siebenjährige ist begeistert von den abwechslungsreichen Trainingseinheiten, die von den Coachs mit viel Leben gefüllt werden. "Am meisten Spaß macht mir das Toreschießen", sprudelt es aus Paul heraus, der aktiv bei der FSG Wettenberg im Sturm spielt. "800 Tore" habe er schon geschossen, erzählt er mit großen Augen – und Profi will der Fan von Eintracht Frankfurt und Bayern München auch einmal werden.

Was gar nicht so abwegig ist. "Nur bespaßen, ist nicht unser Ding. Wir wollen den Kindern was beibringen, sie sollen was lernen", sagt Campleiter Solmaz, der Jugend- und Abteilungsleiter von der TSG Wieseck und zudem Inhaber der Talentförderung Mittelhessen ist.

Natürlich sei es auch eine Werbung für die TSG Wieseck. "Die Leute sollen sehen, was hier läuft, wie hier gearbeitet wird." Das Camp habe aber keinen Sichtungscharakter, eher imagebildend. "Wir wollen ausbilden – auch für die großen Klubs", sagt der 31-Jährige, der betont, dass die TSG in diesem Jahr elf Jugendspieler an Profivereine abgegeben hat.

Darunter auch den 16-jährigen Gießener Sammy Kittel, der sich wie sein Bruder Sonny dem Bundesligisten FC Ingolstadt 04 angeschlossen hat. Und mit Nico Rinderknecht hat aktuell ein weiterer Gießener, der früher ebenfalls bei der TSG aktiv war und zuletzt bei Eintracht Frankfurt unter Vertrag stand, den Weg zu den Ingolstädter "Schanzern" gefunden. "Wir produzieren für die Großen", freut sich Solmaz darüber, dass Wieseck zu den arrivierten Ausbildungsstätten zählt.

Bundesligaluft wird in dieser Saison am Sportplatz am Ried ebenfalls wehen, denn die TSG-C-Junioren sind in die Regionalliga (höchste Liga in Deutschland in dieser Altersklasse) aufgestiegen und erwarten Knaller wie Bayern München, TSG Hoffenheim und VfB Stuttgart. Und vielleicht ist wieder ein Kittel oder Rinderknecht beim Sparkassen-Camp dabei, der den Sprung nach ganz oben schafft...

Kommentare