Kiel kommt als angeschlagener Boxer zur HSG Wetzlar

(cso) Als angeschlagener Boxer kommt der THW Kiel am Freitag (19.45 Uhr) in die Rittal-Arena – und die sind bekanntlich besonders gefährlich. So dürfte auch Trainer Kai Wandschneider die nächste Niederlage des Meisters in der Handball-Bundesliga am Mittwoch mit gemischten Gefühlen beobachtet haben. Wenn seine HSG Wetzlar den Norddeutschen gegenübersteht, ist weniger die Chance auf eine Überraschung gegeben, vielmehr hofft man, nicht den Zorn des Starensembles abzubekommen.

Gleichwohl ist es einleuchtend, dass die Kieler zu Beginn der Saison eher zu gefährden sind, als zu einem späteren Zeitpunkt. Dies weiß Wandschneider nicht erst seit dem knappen 25:26 im September 2013 in der Sparkassen-Arena. "Die Vorbereitung von Alfred Gislason muss so ziemlich das Härteste sein, was es auf der Welt gibt", sagt der HSG-Coach. "Das bedeutet zwar, dass sie in den ersten fünf Wochen der Runde schwere Beine haben, aber die können sich das leisten."

Doch mit zwei Niederlagen in den ersten vier Spielen hatte man beim Turnverein Hassee-Winterbek sicher nicht gerechnet, sodass Dominik Klein und Co. so langsam in der Bringschuld stehen. Neben Rasmus Lauge fehlt dem THW weiterhin auch Steffen Weinhold, der sich in Hamburg eine Fingerblessur zugezogen hatte.

Aber auch die Verletztenliste der Wetzlarer ist seit Dienstagabend um einen Namen länger. Steffen Fäth fällt mit einem doppelten Außenbandriss im linken Sprunggelenk für rund sechs Wochen aus und reißt eine Lücke im Rückraum auf, die Wandschneider nur schwer füllen kann. Da eine personelle Nachbesserung für die Grün-Weißen kein Thema ist, muss der HSG-Trainer nun im linken und mittleren Rückraum mit nur drei Akteuren auskommen: Florian Laudt, Ivano Balic und Kristian Bliznac.

Wandschneider gab sich vor allem als Bewunderer der Kieler 5:1-Deckung mit Filip Jicha an der Spitze zu erkennen. Entscheidend werde es sein, ob seine Spieler auf den Halbpositionen es schaffen, den Ball an Jicha vorbeizutransportieren, ohne dass dieser allzu viel abfangen kann. Dabei will der 54-Jährige möglichst oft Konter über die erste Welle sehen, damit man sich im Positionsangriff nicht über Gebühr verausgabt. Im eigenen Defensivverhalten wäre es denkbar, Kreisläufer Sebastian Weber auf Halblinks decken zu lassen. Im Angriff müsste er dann allerdings entlastet werden, was aufgrund des Fehlens von Jens Tiedtke (neurologische Behandlung) nicht leichtfallen dürfte. Komplettiert wird die Ausfallliste der HSG Wetzlar von Adnan Harmandic, der aufgrund seines Bänderteileinrisses im Knie noch immer zum Zuschauen verurteilt ist.

Von der Terminhatz im Handball-Oberhaus sind derweil beide Klubs nahezu gleichermaßen betroffen. Zwischen der HSG-Niederlage bei Frisch Auf Göppingen (22:23) und der heutigen Partie liegen für die Wetzlarer zwar fünf Tage. Am vergangenen Wochenende konnten sie nach dem erfolgreichen Heimauftakt gegen den TBV Lemgo (32:25) allerdings nur 48 Stunden durchschnaufen, ehe es ins Württembergische ging. Wandschneider sprach von einem "unsäglichen Doppelspieltag". Als "bemerkenswert" stufte es der HSG-Coach zudem ein, dass die Füchse Berlin der einzige Klub sind, der über die ganze Saison von dieser Bürde verschont bleibt. Kiel war indes am vergangenen Sonntag beim HSV Hamburg zu Gast (20:19-Erfolg) und kassierte am Mittwoch die zweite Saisonniederlage in Balingen. Ohne Rückreise an die Förde stand am Donnerstag ein Training in der Rittal-Arena an, ehe es heute an selber Stelle um Punkte geht. Dabei sollten sich die Zuschauer rechtzeitig auf den Weg machen. Aufgrund des Wetzlarer Brückenfestes kann sich die Anfahrt verzögern.

THW-Trainer Gislason, der die Zugänge Weinhold, Joan Canellas, Domagoj Duvnjak und Rune Dahmke zu integrieren hat, blickt nach zwölf Tagen und vier Spielen nicht nur auf zwei Niederlagen zurück. Sein Team weist mit 23 Toren im Durchschnitt den schlechtesten Ligawert auf. "Wir haben im Angriff eine extrem schlechte Quote. Wir müssen da wirklich dringend zulegen, aber das kann Monate dauern, vielleicht sogar bis Weihnachten", zog Gislason eine leicht schockierende Zwischenbilanz.

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