"Keine leichten Punkte erlauben"

(gae) Die bislang in der Basketball-Bundesliga sieglosen LTi Gießen 46ers erwarten am heutigen Freitag um 20 Uhr in der Osthalle EnBW Ludwigsburg. Die Gäste aus der Barockstadt sind Favorit. "Wir brauchen einen Sieg, damit wir Selbstvertrauen bekommen", weiß 46ers-Trainer Vladimir Bogojevic, woran es zurzeit am meisten mangelt.

(gae) Chuck Reed ließ sich nicht beirren. Der Backup-Spielmacher der LTi Gießen 46ers arbeitete am Donnerstagvormittag in den Rivers Barracks mit der Wurfmaschine, als seine Mitspieler sich nach dem Training noch ausdehnten oder schon zur Wasserflasche griffen. Beachtliche 14-mal hintereinander traf der 26-Jährige von jenseits der 6,25-m-Linie - ein Erfolgserlebnis für den US-Amerikaner. Und genau das benötigt auch das Basketballteam aus Gießen in der Bundesliga. "Wir brauchen einen Sieg, damit wir Selbstvertrauen bekommen", weiß Trainer Vladimir Bogojevic, woran es zurzeit am meisten mangelt.

Sechsmal stand seine Truppe in der BBL auf dem Feld, sechsmal ging sie als Verlierer vom Platz. Das nervt nicht nur ihn, sondern die Veranwortlichen, das Umfeld, die Fans und besonders die Mannschaft. "Wir wollen immer unser Bestes geben", erklärt Center Jannik Freese. Eine Erklärung, warum es noch nicht wie gewünscht läuft, fällt ihm schwer. Aber für das Heimspiel am heutigen Freitag um 20 Uhr in der Sporthalle Ost gegen den Favoriten EnBW Ludwigsburg hat der 2,10-m-Mann ein gutes Gefühl. "Wir gewinnen", sagt er selbstbewusst. Zumindest das Gesehene im Training gibt Anlass dazu, Freeses Worten zu glauben.

"Wenn wir die Leistung aus dem Training ins Spiel transferieren können, wäre mir nicht bange", kennt Bogojevic die Schwankungen seiner jungen Truppe zur Genüge, die ihr Leistungsvermögen im Wettkampf noch nicht über die volle Distanz abrufen kann. Doch Bogojevic ist zuversichtlich, dass der Knoten bald platzen wird. Die verletzungsbedingten Ausfälle der Starter Johannes Lischka und Lorenzo Williams (mit der Rückkehr von Lischka ins Team wird in rund drei Wochen gerechnet, Williams wird eher erwartet) haben die Mannschaft in ihrer Entwicklung enorm zurückgeworfen. So langsam greifen aber die personellen Nachverpflichtungen. Für den gestandenen Profi Maurice Jeffers war die Integration in das neue Team ein Klacks, zumal er das Umfeld aus der vergangenen Saison kennt. Und der für Williams verpflichtete Spielmacher Austen Rowland, der gegen Bremerhaven sozusagen vom Flieger aufs Feld musste, hat nun eine Woche mit seinem neuen Team hinter sich und weiß jetzt sicher, wie es tickt.

Bogojevic sprach von guten Einheiten während der Woche, doch erst am heutigen Freitag wird man die Gewissheit haben, ob sie gefruchtet haben. Als oberstes Ziel gegen Ludwigsburg hat der 46ers-Trainer ausgegeben: "Keine leichten Punkte erlauben." Der Gegner müsse gezwungen werden, sich alles hart zu erarbeiten. Dazu bedürfe es aber einer hohen Konzentration seiner Mannschaft, erklärt Bogojevic. Zudem sollen die Turnovers seines Teams reduziert werden.

Bei den Ludwigsburgern hat sich einiges getan. Sie sind in die neue Multifunktionsarena an der Schwieberdinger Straße umgesiedelt, die eine Zuschauerkapazität von 5315 Zuschauern aufweist, bislang aber in den drei augetragenen Heimspielen noch nicht ausverkauft war (Schnitt knapp über 2800). Die alte Rundsporthalle wurde nach 37 Jahren zu Grabe getragen. Zudem wurde ein Großteil der Mannschaft ausgetauscht. Das Zepter auf der Headcoach-Position schwingt nun Tolga Öngören, der von Tübingen neckarabwärts nach Ludwigsburg wechselte. Im Vorfeld der Saison sagte der 46-jährige Türke (bestens befreundet mit dem Frankfurter Coach Murat Didin) bereits, "wir werden hart arbeiten, um die Erwartungen zu erfüllen".

Und die haben sich im Vergleich zum Vorjahr nicht geändert. Die Barockstädter wollen in die Playoffs und dort für Furore sorgen.

Noch läuft es nicht ganz so rund bei den Baden-Württembergern. In den fünf Partien wurden zwar drei Siege eingefahren, es setzte aber auch schon zwei Niederlagen. Zuletzt trumpfte der Rangsechste mächtig auf, als er TBB Trier mit einer 65:93-Niederlage im Gepäck an die Mosel zurückschickte. Dabei erlebten die 2800 Fans in der Arena ein wahres Dreierfestival. Von 25 Versuchen jenseits der 6,25-m-Linie zischten 14 durch das Netz und bescherten den Ludwigsburgern eine sagenhafte 56-prozentige Trefferquote von der Dreierlinie aus. Ohne Fehlwurf blieb dabei Richard Chaney, der viermal warf und viermal traf. Der athletische Forward, den Öngören wie Michael Haynes von Tübingen mit nach Ludwigsburg nahm, zählt zu den gefährlichsten Distanzschützen der BBL.

Überhaupt kann sich der Backcourt der Ludwigsburger sehen lassen. Öngören setzt in der Kreativabteilung auf eine Vierer-Rotation mit dem vielseitigen Kyle Bailey, dem ziehfreudigen Domonic Jones und den wurfstarken Michael King und David McCray. Auf der Position fünf startet der extrem ehrgeizige Center Kyle Visser, der den erfahrenen und versierten Powerforward Quadre Lollis zur Seite hat. Marco Sanders ist ebenfalls ein fester Bestandteil des Frontcourts, der durch den für Verschnaufpausen sorgenden Philipp Heyden komplettiert wird.

Alles in allem hat Öngören eine solide Mannschaft zur Verfügung, bei der fast jeder Korbgefahr ausstrahlt. Wie Reed am gestrigen Donnerstag im Training. Ihm und den LTi Gießen 46ers wäre es zu wünschen, dass der Zustand gegen Ludwigsburg anhält.

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