Keine Angst vor schwierigen Würfen

(mv) Viele Trainer würden in einer solchen Situation an ihrem Spieler verzweifeln: Nach einem Foul gibt es Einwurf an der Grundlinie. Direkt nachdem der Ball eingeworfen wurde, steigt der Spieler hoch und drückt von knapp hinter der 6,25-Meter-Linie ab, während der Gegenspieler seinen Arm im Gesicht des Werfers hat. Genau so einen Wurf nahm David Teague am vergangenen Wochenende gegen die Artland Dragons. Doch sein Ball zischte - wie so oft - durch das Netz. 63:54-Führung für den Basketball-Erstligisten LTi Gießen 46ers, die Osthalle steht Kopf.

(mv) Viele Trainer würden in einer solchen Situation an ihrem Spieler verzweifeln: Nach einem Foul gibt es Einwurf an der Grundlinie. Direkt nachdem der Ball eingeworfen wurde, steigt der Spieler hoch und drückt von knapp hinter der 6,25-Meter-Linie ab, während der Gegenspieler seinen Arm im Gesicht des Werfers hat. Genau so einen Wurf nahm David Teague am vergangenen Wochenende gegen die Artland Dragons. Doch sein Ball zischte - wie so oft - durch das Netz. 63:54-Führung für den Basketball-Erstligisten LTi Gießen 46ers, die Osthalle steht Kopf.

"Mein Selbstvertrauen ist hoch. Ich glaube immer, dass der Ball reingeht, auch bei schwierigen Schüssen. Bei dieser Situation hatte ich das Gefühl, dass ich vorher gefoult worden war, also wollte ich es meinem Gegenspieler unbedingt zeigen. Und dann hatte ich eben eine gute Möglichkeit - und ich bin der Meinung, dass ich auch bei diesem Wurf gefoult worden bin", lacht der 26-Jährige. Am Ende ist der 1,96-Meter-Schlacks mit 28 Punkten zum zehnten Mal in Folge Topscorer der Truppe von Vladimir Bogojevic, obwohl nach dem ersten Viertel noch eine Null hinter seinem Namen stand. "Coach Bogojevic versteht, dass ich manchmal ein paar Schüsse brauche, um ins Spiel zu kommen.

Wenn die ersten fünf daneben gehen, treffe ich aber dann vielleicht die nächsten sieben oder acht Würfe alle. Manchmal treffe ich selbst Korbleger am Anfang nicht, und manchmal bin ich schon heiß, wenn das Spiel losgeht."

Mit 23,6 Zählern im Schnitt ist Teague der beste Punktesammler der Basketball-Bundesliga, obwohl er zu Beginn seiner Karriere gar nicht als Scorer bekannt war: "In der Highschool und am College war ich eher als Defensivstopper bekannt, höchstens die zweite Option in der Offensive. Ich habe aber immer schon das Gefühl gehabt, dass ich ein Topscorer sein kann", erklärt "Super-Dave".

Viel Selbstbewusstsein für einen, der in seinem zweiten Jahr an der Highschool aus dem Basketball-Kader gestrichen wurde, ehe er das Team in seiner letzten Saison vor dem Wechsel ans College zur Staatsmeisterschaft führte.

Kenner erinnert diese Geschichte natürlich frappierend an einen anderen Flügelspieler, der mit der Nummer 23 auf dem Trikot zu Weltruhm gelangte: "Ja, jeder, der diese Geschichte hört, sagt sofort ›Wie bei Michael Jordan‹", lacht der Vater einer kleinen Tochter, schließlich schaffte es der vielleicht beste Basketballer aller Zeiten auch zunächst nicht in seine Highschool-Mannschaft. Über die Purdue University ("Sie waren das einzige College, das mich von Anfang an haben wollte. Später haben dann auch Universitäten wie Florida State, Michigan oder Miami versucht, mich zu holen, aber ich fand, weil Purdue zu mir gehalten hat, sollte ich auch zu Purdue halten"), AEL Larisa und JA Vichy kam der Familienmensch, dessen Verlobte und Tochter zum Weihnachtsfest nach Mittelhessen kommen, an die Lahn: "In Griechenland durfte ich nicht richtig zeigen, was ich kann, in Frankreich war ich zu Saisonbeginn verletzt und wäre fast wieder nach Hause geschickt worden. Das hier ist jetzt das Ergebnis von all der Arbeit, die ich in meine Karriere gesteckt habe."

Bevor er nach Gießen kam, hatte der Flügelspieler zwar im Kopf, dass er Topscorer des Teams sein könnte, aber vor allem eins war ihm wichtig: "Ich wollte hier ein Anführer sein." Zu Saisonbeginn noch der älteste Spieler im Kader, wurde der US-Amerikaner zum Kapitän und damit zum Nachfolger des Gießener Urgesteins Flo Hartenstein. "Meine Art ist es, mit gutem Beispiel voranzugehen und alles zu tun, was nötig ist, um zu gewinnen. Ich bin kein zweiter Trainer, der den anderen Jungs sagt, wie sie zu spielen haben, aber ich sage natürlich schon etwas, wenn ich das Gefühl habe, dass jemand nicht alles gibt. Ich bemühe mich, meinen Teamkollegen Energie zu geben."

Aber auch die Fans will der Absolvent der Purdue University, dessen Markenzeichen das markante Klopfen auf die Brust ist, ins Spiel bringen: "Sie unterstützen uns toll, und ich glaube, sie sehen, dass ich mit viel Herz spiele und immer 100 Prozent bringe. So versuche ich, eine Verbindung zu ihnen aufzubauen", erklärt er.

Obwohl die 46ers in ihren ersten zehn Spielen nur zwei Siege einfahren konnten, glaubt Teague an seine Mannschaft: "Klar, es ist frustrierend, weil wir gesehen haben, dass wir gegen alle in der Liga bestehen und sie auch schlagen können. Mit etwas mehr Glück wäre unsere Bilanz jetzt acht Siege, zwei Niederlagen, nicht umgekehrt. Aber wir haben genug Enttäuschungen für diese Saison gehabt, jetzt drehen wir unsere Saison."

Einen erheblichen Anteil daran gesteht der aus Indianapolis stammende Forward seinem Kollegen Maurice Jeffers zu: "Er ist so wichtig für uns. Es war wichtig für mich, noch einen älteren Spieler neben mir zu haben, noch dazu einen, der so professionell ist wie er. Das hat viel Druck von mir genommen. Und ich lerne durch ihn noch sehr viel dazu."

Der größte Traum von Teague ist jedoch klar: Der NBA-Fan, der viele an Richard Hamilton von den Detroit Pistons erinnert ("Wir können beide schießen und sind spindeldürr"), möchte es in die beste Basketball-Liga der Welt schaffen: "Ich glaube, dass ich gut genug bin. Als ich letztes Jahr für die Indiana Pacers in der Summerleague gespielt habe, war ich sehr nah dran, es zu schaffen. Im kommenden Sommer werde ich es noch einmal versuchen, wenn es dann nichts wird, dann soll es wohl nicht sein.

" Neben den Indiana Pacers aus seiner Heimatstadt könnte Teague vielleicht auch die Atlanta Hawks ins Auge fassen: Dort spielt mit Jeff Teague bereits einer seiner Cousins.

Zunächst haben aber die 46ers Priorität, wie heute Abend, wenn der Deutsche Meister Ewe Baskets Oldenburg um 20 Uhr in der Osthalle vorstellig wird. Und bei keiner anderen Frage benötigte der Flügelspieler so wenig Zeit, um eine Antwort zu finden, wie bei der letzten: Wenn das Spiel auf der Kippe steht, wer nimmt den letzten Schuss? "Ich", sagt David Teague. Angst vor schwierigen Würfen kennt er eben nicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare