»Das ist kein Muss-Spiel«

Kai Wandschneider ist zufrieden. Nach zehn Trainingseinheiten in den vergangenen acht Tagen stellt der neue Trainer des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar seiner Mannschaft ein gutes Zeugnis aus.

»Alle ziehen gut mit und sind voll konzentriert. Die Spieler sind lernfähig und erreichen jeden Tag eine neue Stufe«, erklärt der Coach, der am vergangenen Montag das Traineramt bei der HSG von Gennadij Chalepo übernommen hat und den Tabellen-15. vor dem drohenden Abstieg retten soll. Am heutigen Dienstag um 20.15 Uhr sind die Grün-Weißen in der SAP-Arena in Mannheim zu Gast und wollen das neu Erlernte gegen die Rhein-Neckar Löwen am liebsten gleich in Punkte ummünzen. Doch der Kontrahent hat derzeit einen Lauf.

Elfmal in den vergangenen zwölf Begegnungen gingen die Löwen als Sieger vom Spielfeld, am Wochenende gelang der Mannschaft von Trainer Gudmundur Gudmundsson im EHF-Pokal gegen den slowenischen Topklub Gorenje Velenje zudem der Einzug ins Halbfinale. Aufgrund der jüngsten Ergebnisse dürfte im Grunde alles für die Mannheimer sprechen, doch deren letzter 30:29-Erfolg gegen Velenje hat viel Kraft gekostet, einige Akteure sind angeschlagen, sodass man bei den Löwen glücklich darüber ist, dass Zarko Sesum nach seiner Augenoperation wieder in den Kader zurückgekehrt ist.

Für das heutige Spiel hat Gudmundsson somit keine Ausfälle zu beklagen, dennoch warnt der Coach, der auch Trainer der isländischen Nationalmannschaft ist, vor den Gästen und erinnert an das letzte Heimspiel gegen Wetzlar im Februar 2011, als die Löwen als haushoher Favorit am Ende nur mit Glück zu einem 26:26-Remis gekommen waren. »Wetzlar ist ein sehr unangenehmer Gegner, da sie kurz vor einem Abstiegsplatz stehen«, so der Löwen-Coach, der weiß, dass ein Trainerwechsel in den meisten Fällen neue Kräfte freisetzt. »Die HSG hat in dieser Saison schon viele gute Spiele gezeigt und starke Leute in ihren Reihen«, so der Isländer weiter. Von seinen Akteuren fordert er vor der Länderspielpause noch einmal volle Konzentration, obwohl Wetzlar mit einer Bilanz von fünf Niederlagen aus den letzten fünf Partien in die Quadratestadt kommt.

»Wir stehen bei den Löwen nicht unter Druck«, sagt Wandschneider, der in seiner ersten Trainingswoche in Mittelhessen, wie er sagt, in allen Bereichen angesetzt habe. »Speziell haben wir uns um den Gegenstoß gekümmert, im Positionsangriff haben wir einige taktische Dinge angesprochen, aber auch Grundsätzliches«, so Wandschneider, der erwartet, dass die Beobachter am heutigen Dienstag in Mannheim schon ein paar Veränderungen im Spiel seiner Mannschaft erkennen. »Ein Fachmann wird schon etwas sehen. Wir spielen zwei, drei Sachen, die Wetzlar noch nicht gespielt hat«, erklärt der Coach, schränkt aber ein: »Weniger ist manchmal mehr. Wir haben das Rad nicht neu erfunden.« Der 52-Jährige hat seine Mannschaft am Sonntag und Montag auf die Löwen eingestellt. »Sie sind überall Weltklasse. Sehr auffällig ist die exzellente Spielweise über den Kreis. Dort wird Bjarte Myrhol super in Szene gesetzt.

Er ist sehr beweglich und schafft es immer wieder, sich auf engstem Raum einen Stellungsvorteil zu erkämpfen«, erklärt Wandschneider, der aber auch vor den schnellen Außen Uwe Gensheimer, Patrick Groetzki und Ivan Cupic warnt, seine Truppe zudem auf die Distanzwürfe von Karol Bielecki oder die spielerischen Fähigkeiten von Andy Schmid vorbereitet hat. Der Bald-Wetzlarer Michael Müller hat es dem Coach ebenfalls besonders angetan. »Er hat einen Lauf«, so Wandschneider, dessen HSG in Mannheim noch nie gewinnen konnte. Demzufolge geht der Coach, der im Training meist auf Steffen Fäth (Rückenprobleme, Innenbanddehnung im Knie) verzichten musste, auch entspannt in die Partie: »Das ist kein Muss-Spiel mit drei Ausrufezeichen dahinter. Wir müssen aber, wenn sich eine Chance eröffnet, hellwach sein.« Wandschneider weiß, dass die entscheidenden Spiele im Abstiegskampf erst in den nächsten Tagen gegen Hannover-Burgdorf oder Melsungen und in Gummersbach anstehen (siehe Tabelle unten). In erster Linie will der gebürtige Hamburger also die »hervorragende Gelegenheit« nutzen, sich auf die Mannschaft einzustellen.

»Ich muss viel lernen über meine Spieler und deren Stressresistenz, deren Charakter und deren Fähigkeiten«, sagt Wandschneider, der schon gespannt darauf ist, welches Zeugnis er seinen Spieler nach der ersten Partie ausstellen kann. Marc Schäfer

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