Wetzlars Sebastian Weber (vorne) beißt sich am Kreis gegen Dominik Schmid (l./Bietigheim) durch. 	(Foto: Eibner)
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Wetzlars Sebastian Weber (vorne) beißt sich am Kreis gegen Dominik Schmid (l./Bietigheim) durch. (Foto: Eibner)

»Kein Kommentar«

Das sitzt. Die HSG Wetzlar hat zum zweiten Mal in dieser Saison gegen das Tabellenschlusslicht der Handball-Bundesliga, SG BBM Bietigheim, verloren und die Chance auf Wiedergutmachung vergeben.

Nach dem 26:29 in heimischer Halle folgte am gestrigen Sonntagnachmittag in Ludwigsburg ein 25:28 (13:15) – sehr zum Entsetzen der Verantwortlichen und der rund 30 mitgereisten grün-weißen Fans, die in sozialen Netzwerken ihrem Frust freien Lauf ließen. »Das war unterirdisch«, gab es unter anderem dort zu lesen. Die SG um den Ex-Wetzlarer Timo Salzer konnte indes mit dem zweiten Erfolg gegen die Mittelhessen ihr Punktekonto auf elf Zähler aufstocken. Ein Klassenverbleib bei neun Punkten Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz scheint dennoch unwahrscheinlich.

Dabei hatte die Mannschaft von Trainer Kai Wandschneider in der 50. Minute beim Stande von 24:22 für die HSG alle Trümpfe in der eigenen Hand. Zwar verkürzte Julius Emrich für die Gastgeber auf 23:24, musste danach aber für zwei Minuten auf die Bank. Den Wetzlarern gelang es in der Folge nicht, die Überzahl zu nutzen. Erst scheiterte Adnan Harmandic am Pfosten, danach vergab Dejan Manaskov gegen Mihailo Radovanovic, ehe sich Ivano Balic den Ball klauen ließ und Steffen Fäth ein Stürmerfoul unterlief. Die Folge: Bietigheims Christian Schäfer nagelte den Ball zum 27:24 für die eigenen Farben in die Maschen.

Einen großen Anteil am Erfolg der Hausherren hatte der ab der 40. Minute im Tor stehende Radovanovic, der mit sechs Paraden sein Team mehrfach vor Gegentreffern bewahrte. Ganz stark in der SG-Abwehr präsentierte sich der bullige Roko Praznik. Als Torschütze und Antreiber glänzte einmal mehr der österreichische Nationalspieler Dominik Schmid, während bei der HSG nur wenig zusammen lief. »Außer Balic nichts gewesen«, hieß es im sozialen Netzwerk. Wetzlar leistete sich viele Ballverluste, konnte dank seiner Routine und seiner Spielkunst zwar in Führung gehen, diese aber nicht halten. In der hektischen Schlussphase flog Steffen Fäth mit Rot vom Feld, nachdem er einen Tempogegenstoß von Andre Lohrbach unsanft gestoppt hatte.

Die Bietigheimer standen in der Abwehr sicher und kamen mehrfach nach schönen Spielzügen zu Toren. Das erfahrene Team der HSG Wetzlar streute zwar immer wieder besondere Treffer ein und hatte mit Sebastian Weber einen exzellenten Mann am Kreis, ließ aber zu viele Chancen ungenutzt. Die Zugriffsmöglichkeiten in der Abwehr waren eingeschränkt. »Wir waren nicht gut genug«, kritisierte ein sichtlich enttäuschter Weber, der sich die Fahrt ins »Schwabenländle« sicherlich anders vorgestellt hatte.

Übungsleiter Wandschneider bemängelte: »Wir haben gleich zu Beginn schlecht gedeckt, haben 15 Tore in der ersten Halbzeit kassiert. Als wir in der 50. Minute mit zwei Toren geführt haben, haben wir im Angriff völlig kopflos agiert und sind wiederholt am Torwart gescheitert. Von unserer Leistung bin ich sehr enttäuscht«, erklärte der Coach, der aber lobende Wort für die SG fand: »Hut ab. Bietigheim hat mit viel Herz und befreit gespielt.« Bietigheims Trainer Hartmut Mayerhoffer freute sich hingegen über das Auftreten seiner Mannen: »Die Mannschaft hat sich in den letzten Wochen weiterentwickelt und ist nun nicht mehr abhängig von einzelnen Spielern.«

In den sozialen Netzwerken verschafften sich derweil auch nicht mitgereiste Fans Luft, die vor dem Ticker mitgefiebert hatten: »Das ist eine Blamage und eine absolute Frechheit«, war von einem Anhänger zu lesen. Ein anderer merkte an: »Kein Kommentar.« Nur die wenigstens munterten die HSG auf: »Samstag gegen Erlangen gibt es wieder einen Sieg und ein super Spiel.« Dann sind die Wetzlarer in der Bringschuld.

SG Bietigheim: Kulhanek, Radovanovic; Haller, Patrick Rentschler, Praznik (2), Schmid (5), Salzer (4), Dahlhaus (3), Schäfer (5/1), Blodig, Beckmann, Scholz, Emrich (5), Lohrbach (4/3).

HSG Wetzlar: Hombrados, Wolff; Lipovina (2), Manaskov (2), Weber (6), Tönnesen (3), Fäth (4), Hahn (2), Bliznac, Harmandic, Balic (2), Klesniks, Joli (4/4).

Stenogramm / Schiedsrichter: Gerhard/Küsters (Ingelheim/Mainz). – Zuschauer: 2550. – Zeitstrafen: 6:2 Minuten. – Rote Karte: Fäth (HSG/58.). – Siebenmeter: 5/3:4/4. Fabian Karpstein/Claus Pfitzer

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