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Der Kampf geht weiter

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Die Zwangspause durch das Coronavirus hat die Trainingsgruppe von Harry Wißler doppelt hart getroffen. Sie konnten ihrer Leidenschaft nicht nachgehen. Es fehlte etwas, um der Parkinson-Erkrankung entgegen- zuwirken. Die ganz schweren Wochen sind nun aber vorbei.

Die Herausforderung ist groß, das ist in Krisenzeiten normal. Die einen trifft es härter, die anderen bleiben von vielen Sorgen und Nöten verschont. Der Breitensport, der immer mehr auf die Beine kommt, bringt dringend benötigte Gesellschaft zurück. Für Parkinson-Patienten unschätzbar wertvoll: Es gibt wieder eine Möglichkeit mehr, um den Verlauf einer unheilbaren Krankheit einzudämmen.

Dass Tischtennis an Parkinson erkrankten Menschen dabei hilft, Motorik und Koordination zu trainieren, ist wissenschaftlich belegt - und Harry Wißler aus Ilbenstadt in der Wetterau ist das beste Praxis-Beispiel. 2012 wurde die Krankheit bei ihm diagnostiziert. Der passionierte Tischtennis-Spieler brauchte eine Weile, bis er erkannte, dass seine Leidenschaft ihm dabei helfen kann, mit der Nervenkrankheit umzugehen.

"Die Reflex-Bewegungen werden über das Rückenmark gesteuert. Beim Tischtennis kann man wunderbar trainieren, dass die bewussten Bewegungen, die durch Parkinson gestört werden, ins Reflexzentrum rutschen. Das verbessert die Motorik", erklärt Wißler.

Im vergangenen Jahr hat der Mittfünfziger bei der Parkinson-WM in New York Bronze geholt und wurde zum 2. Vorsitzenden des Vereins "PingPongParkinson Deutschland" gewählt. In dieser Funktion hatte er die ersten offenen deutschen Parkinson-Meisterschaften mitorganisiert, die im April in Nordhorn ausgetragen werden sollten. "Dann kam Corona und hat uns zurückgeworfen", sagt der Ilbenstädter. Nun, da wieder Sport unter Auflagen getrieben werden darf, "sind wir dabei, einiges wieder nach vorne zu schieben", sagt Wißler.

Seine Liste ist umfangreich. Am Standort in Bad Homburg, den Wißler koordiniert, musste ein Hygienekonzept umgesetzt werden. "Für die, die an Parkinson leiden, ist es immens wichtig, wieder unter Menschen zu kommen", sagt Wißler. "Wir wollen die Leute animieren, wieder in die Halle zu kommen und aus ihrer Isolation herausholen."

Als Trostpflaster half man sich lange mit einem "Stay-at-Home"-Video über die ganz schwere Zeit und lieferte Parkinson-Patienten auf der Homepage Anregungen, wie sie in den eigenen vier Wänden einige Bälle schlagen können.

Dann ist da natürlich noch die DM, die nun Ende des Jahres stattfinden soll. "Unsere Sponsoren sind uns treu geblieben, das freut uns sehr", sagt der Ilbenstädter. Auch Jörg Roßkopf, Ex-Weltklassespieler und Trainer der Herren-Nationalmannschaft, hat seine Zusage als Schirmherr der Veranstaltung aufrechtgehalten. "Wir werden sowohl am Tischtennisstützpunkt in Düsseldorf als auch bei hessischen Vereinen einige Promo-Termine absolvieren, um auf "PingPongParkinson" aufmerksam zu machen", lässt Wißler durchblicken.

Das alles leisten der Ilbenstädter und seine Mitstreiter in Eigenregie. Auch, weil noch immer nicht geklärt ist, ob der Verein unter das Dach des Hessischen Behinderten- und Rehabilitationsverbands (HBRS) fällt, also Leistungssport ist, oder Gesundheitssport. Dass mit Udo Winkler der Fachwart Para-Tischtennis am Stützpunkt Homberg-Büßfeld die Koordination der Parkinson-Gruppe übernommen hat, ist zumindest ein "tolles Signal", wie Wißler findet.

Ganz nebenbei kümmert sich der studierte Informatiker und Abteilungsleiter IT als Webmaster auch um die Internetauftritte von "PingPongParkinson". Neuestes Zuckerstück ist eine interaktive Landkarte, die Informationen zu den mittlerweile über 20 deutschen Stützpunkten anzeigt. Neben Deutschland gibt es in Europa übrigens auch in Kroatien, Slowenien, Dänemark, Schweden und Großbritannien "Ping-PongParkinson"-Vertretungen. FOTOS: PM/NIC

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