Kampf alleine genügt nicht für die LTi Gießen 46ers

Wieder eine couragierte Leistung der LTi Gießen 46ers, wieder nichts Zählbares am Ende in den Händen: 25 Minuten lang verlangten die Mittelhessen dem amtierenden deutschen Meister und Pokalsieger aus Bamberg alles ab, doch am Ende reichte es nicht für Saisonsieg Nummer zwei.

Nach der 65:87 (46:44)-Heimniederlage sind die Gießener auf den letzten Tabellenplatz abgerutscht und damit fast so weit weg von den zweitplatzierten Brose Baskets Bamberg, wie es in der Rangliste der Basketball-Beletage nur geht.

In den ersten 25 Minuten der Partie waren die Hausherren ein absolut ebenbürtiger Gegner für die Bamberger, die am Donnerstag noch in der Euroleague bei ZSKA Moskau angetreten waren. Doch von Müdigkeit keine Spur, die Franken begannen furios, vor allem dank dem slowakischen Nationalspieler Anton Gavel: Angetrieben vom Ex-46ers-Akteur starteten die Franken stark, zeigten vor allem von der 6,75-Meter-Marke eine gute Leistung und führten schnell. Doch Center Elvir Ovcina hatte etwas dagegen: Der Kapitän der Gießener markierte alleine in den ersten zehn Minuten 13 Zähler, kam immer wieder am Brett zu Punkten, sorgte aber auch mit einem Distanztreffer aus der Ecke zum 15:18 und zwang die Gäste so zu einer Auszeit (6.). Die Franken streuten nun auch mal eine Ganzfeldpresse ein, doch gelang es ihnen nicht, die 46ers abzuschütteln: Nach den ersten zehn Minuten lag Gießen zwar zurück, aber nicht allzu deutlich (22:27).

Dadurch schöpften die Gastgeber neuen Mut, kamen langsam weiter an die Bamberger heran: Erst kam der Ball nach viel Durcheinander zur Ovcina, der butterweich zum 28:29 ablegte, dann tanzte Aufbauspieler Achmadschah Zazai Bambergs Centerriesen Philipp Neumann unter dem Korb aus und legte, trotz fast 40 Zentimeter Größenunterschied, souverän zur ersten Gießener Führung ab (14.). Die nur knapp 2800 Zuschauer in der Sporthalle Ost (offiziell wurden 3148 angegeben) waren zu diesem Zeitpunkt lautstärkemäßig kaum mehr von einer voll besetzten Halle zu unterscheiden. Das lag aber auch an der Schiedsrichterleistung, die kritisch beäugt wurde: Spätestens als Zazai sein viertes persönliches Foul kassierte, als er beide Hände am Körper seines Gegenspielers Teddy Gipson zur Verteidigung nutzen wollte, sah sich die Osthalle einem Meisterbonus ausgesetzt. Zu diesem Zeitpunkt war die Foulbelastung mit elf geahndeten Regelverstößen bei Gießen, aber nur zwei bei Bamberg sehr unausgeglichen, was man bei der Betrachtung des Spiels nicht unbedingt erwartet hätte. Dennoch hielten sich die LTi 46ers tapfer und retteten ihre Führung dank eines Dreipunktewurfes von Jimmy Baxter wenige Sekunden vor der Halbzeitpause in selbige hinein (46:44, 20.).

Nach dem Seitenwechsel begann sich die Partie jedoch zu drehen: Die Kleinigkeiten, die in der ersten Hälfte noch zugunsten der 46ers ausfielen, blieben aus, die Bamberger zogen ihre Verteidigung an. Zweimal traf Baxter schwierige Würfe aus der Ecke trotz der Hand seines Gegenspielers im Gesicht, jedes Mal stand er nur Zentimeter auf der Dreierlinie und erzielte so nur vier anstatt sechs Punkte. Als Ovcina seinen Gegenspieler mit einer Täuschung hereinlegte und per Korbleger die 54:53-Führung herstellte, sollte es das letzte Mal sein, dass Gießen vorne lag (24.).

Denn nun starteten die Franken einen 11:0-Lauf, der für die Partie vorentscheidend sein sollte: Hinten erlaubten die Bamberger der Truppe von Mathias Fischer nicht mehr, den Ball ans Brett zu bringen, vorne verwandelten sie die Ballverluste der 46ers in einfache Punkte im Fastbreak. Nach drei Vierteln sahen sich die Gießener einem 60:68 gegenüber: Nicht unmöglich aufzuholen, aber gegen ein Spitzenteam wie die Bamberger eine schwere Aufgabe.

Der waren die Mittelhessen am Sonntag-spätnachmittag nicht gewachsen: Zu wild versuchten sie, den Rückstand aufzuholen, zu souverän spielte Bamberg die Gastgeber nun aus. Zudem kassierten erst Zazai (35.) und dann der wiedergenesene LaQuan Prowell (37.) ihr jeweils fünftes Foul. Schlusspunkt der Partie war 0,4 Sekunden vor Schluss dann der Foulpfiff gegen Elvir Ovcina, der dessen Arbeitstag ebenfalls mehr oder weniger vorzeitig beendete.

Gießens Headcoach Mathias Fischer war nach der Partie ernüchtert: "Wir haben in der ersten Halbzeit viermal den Ball verloren, in der zweiten Hälfte elfmal. Das hat Bamberg gnadenlos bestraft. Die zweite Halbzeit war nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Mannschaften auf diesem Niveau zeigen gnadenlos auf, wo die Defizite unseres Teams liegen. Wir haben lange gekämpft, aber gegen so ein Team wie Bamberg reicht das alleine nicht aus."

Sein Gegenüber Chris Fleming war dagegen vor allem von der zweiten Hälfte seiner Schützlinge angetan: "Die letzten 20 Minuten waren dann so, wie wir immer verteidigen müssen, wenn wir eine Chance in der Liga und der Euroleague haben wollen." Martin Vogel

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