Die Mannschaft der HSG Wetzlar beim Teambuilding. Das Kart-Rennen in Formalicao gewinnt Maximilian Holst (rechts).
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Die Mannschaft der HSG Wetzlar beim Teambuilding. Das Kart-Rennen in Formalicao gewinnt Maximilian Holst (rechts).

Ollis Tagebuch

Wo die Kameras herkommen - und wie Benjamin Buric Kart fährt

  • Oliver Vogler
    vonOliver Vogler
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Tag vier im Trainingslager der HSG Wetzlar. Auf dem Programm steht Regeneration. Doch am Ende des Tages geht es unserem Fotografen Oliver Vogler dank Benjamin Buric schlechter als vorher.

Tag vier des Trainingslagers der HSG Wetzlar in Portugal: diesmal zum Glück mit einer halben Stunde mehr Schlaf, denn ich musste ja nicht mit zur morgendlichen Laufeinheit. Vielmehr habe ich den Spielern etwas Beistand geleistet, die stattdessen im Fitnessraum des Hotels Cidnay ihr Programm zum Anschwitzen absolvierten. Nach dem Frühstück ging es wieder in die Sporthalle in Santo Tirso zur einzigen echten Handball-Einheit an diesem Tag. Die Übungsstunde stand ganz im Zeichen der Feinarbeit hinsichtlich der neu eingeübten Spielzüge. Immer wieder wurden die Laufwege unter Anleitung von Trainer Kai Wandschneider durchgespielt und korrigiert. Immer und immer wieder, während Co-Trainer Jasmin Camdzic das Torwarttraining individuell mit einem der drei Keeper durchführte.

Der Nachmittag stand ganz im Zeichen der Regeneration und war für die meisten Spieler eine willkommene Abwechslung nach den Strapazen der ersten Trainingstage. "Diese Auszeit ist enorm wichtig. "›Jasko‹ (Co-Trainer Jasmin Camdzic), Jonas Rath und ich müssen genau aufpassen, dass wir die Intensität nicht überziehen, sonst begibst Du dich schnell an die Grenze der Verletzungsanfälligkeit", sagt Trainer Kai Wandschneider und bewegt gestenreich die Arme dabei. Küsschen links, Küsschen rechts Zum Regenerationsprogramm gehörte auch die Busfahrt in das wenige Kilometer entfernte Städtchen Famalicao, Standort der portugiesischen Produktionsstätte des Wetzlarer Gold-Partners Leica Camera AG, deren Hauptsitz in Wetzlar ist. Für mich ein Heimspiel, da ich seit vielen Jahren schon in der sogenannten Leica Akademie tätig bin. Die Firma produziert an diesem Standort seit 1973. Vor vier Jahren wurde in Famalicao eine andere Betriebsstätte bezogen, da die alte längst aus allen Nähten platzte und eine hochwertige und qualitätsbewusste Produktion längst nicht mehr gewährleistet werden konnte. Dass die neue Produktionsstätte hingegen technisch auf dem allerneusten Stand ist, konnten die Spieler und Verantwortliche der HSG Wetzlar in einer eineinhalbstündigen Führung sehen. Knapp 680 Mitarbeiter sind am Standort Famalicao tätig.

Die Spieler machten große Augen, als mich einige meiner Kollegen und vor allem Kolleginnen doch sehr herzlich begrüßten. Ein Küsschen links, ein Küsschen rechts. Und schon mussten die dunkelhaarigen gebräunten Leica-Damen für ein Selfie mit dem einen oder anderen HSG-Spieler herhalten. "Wer ist diese Frau? Wie heißt diese Frau? Ich möchte ein Foto mit ihr", war nicht nur den Wunsch von Benjamin Buric und Co-Trainer Jasmin Camdzic. Natürlich erfüllten sowohl meine portugiesische Kollegin als auch ich den Fotowunsch sehr gerne. Kohlbacher-Autogramm heiß begehrt Einer Kollegin aus Wetzlar, die derzeit im Rahmen ihrer Ausbildung die Abteilungen in Famalico durchläuft, konnte ich sogar einen Herzenswunsch erfüllen. Wir holten für Laura ein Autogramm von Nationalspieler Jannik Kohlbacher ab, den sie doch "so bewundert", da sie selbst Handball spielt. Alle anderen Wetzlarer Sportkameraden schrieben sodann ebennfalls Autogramme für Laura.

Nach der Besichtigung des Leica-Werks stand ein absolutes Highlight für die Spieler im Trainingslager in Portugal an: ein Besuch der Indoor-Kart-Bahn in Famalicao mit einem Rennen. Da ich mich auch einmal wie Michael Schumacher oder Ayrton Senna fühlen wollte, musste ich nicht lange überlegen und stellte mich auch dieser Herausforderung. So wurde das ganze Team in zwei Gruppen aufgeteilt, und zunächst sollte ein zehnminütiges Qualifying zur Ermittlung der Startaufstellung des 20-minütigen Rennens über die Bühne gehen. Klar war für mich schon vor dem Rennen, dass ich gegen die austrainierten Jungs keine Chance haben würde und deshalb ganz locker in das Kart steigen konnte. Von "Benko" gnadenlos abgeräumt Zunächst musste ich mich an das neue Gefährt gewöhnen. Vor allem war das Bremsen mit dem linken Fuß und das gleichzeitige Gasgeben mit dem rechten Fuß anfangs schon etwas gewöhnungsbedürftig, doch auch ich hatte den Bogen schnell heraus. Vor allem wie man mit Vollgas manche Kurven nehmen kann, ohne umzukippen oder sich komplett zu drehen, war schon enorm. Die Zeiten wurden von Runde zu Runde immer besser, aber so in der siebten oder achten Runde spürte ich schon den sprichwörtlichen Atem von Benjamin Buric in meinem Nacken. Da ich aber Kampflinie fuhr und mich nicht kampflos geschlagen geben wollte, war es dann soweit: Mit einer Attacke in die Seite in einer spitzen Haarnadelkurve räumte mich "Benko" einfach aus dem Weg und ich drehte mich einmal komplett auf der Strecke. Jedenfalls hatte ich mich schnell wieder im Griff und gab weiter alles...

Der neunte Platz war mein Ergebnis nach der Qualifikation, worüber ich mich doch freute, auch wenn dies den vorletzten Platz in meiner Qualifikationsgruppe bedeutete – ich hatte einen der durchtrainierten Profis hinter mir gelassen. Dann ging es raus aus dem Kart und sofort merkte ich ein Ziehen und unangenehmen Druck in der Schulter und im Nacken, meine Arme konnte ich kaum noch bewegen. Früher habe ich immer gedacht, warum erzählt der Michael Schumacher immer, dass er täglich vier bis fünf Stunden Krafttraining macht? Unglaubliche Kräfte wirken auf den ganzen Körper, aber es war ein Riesenspaß, mit dem Kart durch die Kurven zu fliegen. Holst schlägt Kraft, Bjoernsen und Kneer Die Quittung bekam ich tags darauf beim Aufstehen. Alles tat weh, mein Rücken war die reinste Baustelle, die Physiotherapeut Max Schuller während des Vormittagstrainings der Mannschaft jedoch schnell und professionell bearbeiten konnte. Manchmal sollte man sich doch eingestehen, dass man so langsam in die Jahre kommt. Das Hauptrennen übrigens konnte am Ende Maximilian Holst, im Qualifying noch auf Platz zwei gelegen, für sich entscheiden, der von einem groben Fahrfehler des Trainingsschnellsten Fabian Kraft in der zweiten Runde profitierte und die Führung im Klassement bis zum Ende des 20-minütigen Rennens nicht mehr hergeben sollte. Kristian Bjoernsen und Stefan Kneer folgten auf den Plätzen zwei und drei. Der Abend stand dann noch im Zeichen einer einstündigen Videoanalyse, ehe auch dieser Tag in Portugal zu Ende gehen sollte. Der nächste Tag in Portugal soll übrigens extrem trainingsintensiv ausfallen. Davon dann morgen mehr ...

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