Julian Justus gehört mit 22 Jahren schon zur Weltspitze seiner Sportart

Wie fast jeder Junge in diesem Alter begeisterte sich auch Julian Justus mit sechs Jahren für die Sportart Fußball, ging in seinem Wohnort Homberg-Appenrod zum Sportverein und begann zu kicken. Mit zehn Jahren aber hängte der Appenroder die Stollenschuhe wieder an den Nagel. Als er sich dann nochmals sechs "Lenze" später bei den Homberger Ferienspielen an eine Station verirrte, die die hiesige Schützengilde betreute, hatte Julian Justus seine eigentliche Leidenschaft entdeckt: Das Sportschießen.

(cso) Sein Erfolgsrezept dabei ist scheinbar ganz einfach, aber eben nur scheinbar: "Ich versuche immer, so gut wie möglich in die Mitte zu schießen."

Mit 16 Jahren begann er also nicht gerade früh mit "seiner" Sportart. Umso erstaunlicher ist, dass der 22-Jährige heute in seinen Disziplinen zu den weltbesten Schützen gehört. In seinem ersten Jahr wurde Julian Justus sofort Kreismeister, Gaumeister, Landesmeister und Zwölfter bei den Deutschen Meisterschaften - es war die Geburtsstunde eines ganz Großen im Schießsport. "Woher hat er dieses Talent?", mögen sich viele fragen. Fest steht: Geerbt ist es nicht, denn keiner seiner Eltern, Großeltern oder sonstigen Vorfahren hat diese Sportart je ausgeübt. Dafür gibt Justus seine Fähigkeiten aber schon an seinen kleinen Bruder Lukas (13) weiter, der des Öfteren mit ihm auf die Schießbahn fährt.

Der 22-Jährige geht grundsätzlich in den Disziplinen Luftgewehr und Kleinkaliber (KK)-Gewehr an den Start. In der Männerkonkurrenz wird mit dem Luftgewehr nur stehend geschossen. Justus’ "Steckenpferd" ist allerdings der Dreistellungskampf mit dem KK-Gewehr, die Königsdisziplin im Schießen. Hier werden üblicherweise dreimal 20 bzw. 40 Schüsse in den Anschlagsarten Liegend, Knieend und Stehend durchgeführt. Zudem wird mit dieser Waffe der reine Liegendkampf bestritten. Für seine Waffen musste der Appenroder Schütze etwa 2500 (KK) bzw. 1500 Euro (LG) aufbringen.

In den Ligawettkämpfen schießt Justus mit dem KK-Gewehr für die Schützengilde (SGi) Homberg in der Oberliga. Während diese Wettkämpfe im Sommerhalbjahr stattfinden, sind die Luftgewehrschützen im Winterhalbjahr am Start. Mit dieser Waffe gehören die Homberger sogar der Regionalliga West an, der zweithöchsten deutschen Klasse.

Als bisher größte Erfolge nennt der Industriemechaniker, der derzeit eine Fortbildung zum Maschinenbau-Techniker in Kirchhain macht, seinen jüngsten Weltcup-Sieg in Peking, die Bronzemedaille bei der EM, den Mannschafts-Europameistertitel mit den Junioren sowie ungezählte Deutsche Meisterschaften. Diese Erfolge feierte er allesamt im KK-Dreistellungskampf. Gerade der Sieg in Peking im April ist ihm viel wert. Nach seinem ersten Weltcup in München, bei dem er auf Anhieb den sechsten Platz unter etwa 100 Teilnehmern belegte, war es in der chinesischen Hauptstadt erst der zweite Start bei einem Weltcup.

Für die Teilnahme an einem Weltcup müssen sich die Schützen vorher auf bestimmten Ranglisten-Wettkämpfen qualifizieren. Durch seine Erfolge der zurückliegenden Jahre ist der aktuelle Weltranglistenzweite mittlerweile sogar in den A-Kader des Deutschen Schützenbundes gerückt. Diesem gehört nur die Elite des deutschen Schießsports an.

Bei der Frage nach den nächsten Zielen antwortet Julian Justus trocken: "Wie gesagt, ich versuche, so gut wie möglich in die Mitte zu treffen. Alles andere kommt dann von alleine." Konkret bedeutet dies aber, dass er bei der anstehenden WM in München den Titel anpeilt und sich auch bei den Olympischen Spielen 2012 in London etwas ausrechnet.

Bei einer solchen Begabung wäre es doch wohl ratsam, die Sportart professionell zu betreiben - sollte man meinen. In Deutschland funktioniert das allerdings nur, wenn Justus bei der Polizei arbeiten und dort der sogenannten Sportfördergruppe angehören würde. Aber das kann sich der 22-Jährige in absehbarer Zeit erstmal nicht vorstellen. "Wir sind eben in Deutschland Amateure im Sportschießen", sagt er.

Ob Amateur oder nicht, in Sachen Trainingsaufwand ist zumindest die WM-Vorbereitung von Julian Justus profihaft: In den zurückliegenden Wochen, in denen auch die Qualifikation für München auf dem Programm stand, verbrachte der Appenroder etwa dreimal wöchentlich bis zu sechs Stunden auf der Schießbahn - sei es auf Lehrgängen in München mit der Nationalmannschaft oder etwa in Merlau im Schießsportzentrum, wo er laut eigener Aussage "optimale Bedingungen" vorfindet.

Neben dem reinen Training auf der Schießbahn ist vor allem Ausdauer und Kondition ein mitentscheidender Faktor im Wettkampf. "Das ist in mentaler Hinsicht wichtig, um dem Stress entgegenzuwirken. Außerdem spielt es auch in körperlicher Hinsicht eine Rolle, denn über eine längere Zeit hinweg im Anschlag zu stehen oder zu liegen, erfordert natürlich eine gewisse Ausdauerfähigkeit", erklärt der 22-Jährige. Um diese zu erhalten, geht Julian Justus joggen. Er hat einen Ruhepuls zwischen 55 und 60 Schlägen. Zudem steht regelmäßig autogenes Training auf dem Programm. "Man muss sich mit sich selbst auseinandersetzen, sich selbst kennen." Viel zu verdanken hat der gelernte Industriemechaniker seinen Trainern. Hervorzuheben sind hier Bill Murray, hessischer Landestrainer und "Personal Coach" des angehenden Maschinenbau-Technikers, sowie der Homberger Trainer Oliver Schmidt.

Nicht nur aus Homberger, sondern auch aus mittelhessischer Sicht bleibt zu hoffen, dass sich Julian Justus auch in Zukunft an seinen scheinbar ganz einfach zu beherzigenden Grundsatz hält, immer in die Mitte zu schießen.

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