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In der Vorbereitung unterlag der FSV Hessen Wetzlar dem 1. FFC Frankfurt wieder mit 0:3 – in der Liga geht es dann gegen die zweite Mannschaft aus Frankfurt. (Foto: Vogler)

Jugendliche Leidenschaft bei Hessen Wetzlar

(sno) Der FSV Hessen Wetzlar spielt in der 2. Bundesliga – gegen Teams wie Bayern München II oder den 1. FC Köln. Trotzdem haben die Fußballerinnen im Schnitt nur 100 Zuschauer. Drei Gründe, warum die Fußball-Frauen zum Saisonstart Ende August mehr Besucher verdient haben.

1. Ein extrem junges Team: Die älteste Spielerin im Kader des FSV Hessen Wetzlar ist 27 Jahre alt. "Ansonsten habe ich fast nur junge Küken im Team", sagt Achim Mohr, der seit dem Frühjahr Trainer des Frauen-Zweitligisten ist. "Mit 24 Jahren zählt man sich schon zu den Älteren", weiß Maike Simbeck. Sie wohnt in Großen-Buseck und pendelt dreimal wöchentlich zum Training. "Unsere Mannschaft ist so jung, dass man sich mit 24 Jahren schon denkt: Okay, irgendwann ist es vorbei." Simbeck muss dabei zwar lachen, meint dies aber ernst. Viele junge Spielerinnen drängen nach. Sie werden in der U 17-Bundesliga ausgebildet und für den Sprung in den Frauen-Kader vorbereitet. Sechs Spielerinnen kommen in dieser Saison von dort hoch. Im nächsten Jahr werden es noch mehr sein.

2. Kein Gehalt, aber viel Leidenschaft: Der hohe Trainingsfleiß wird immer wieder hervorgehoben. "Frauen muss man eher bremsen", sagt der im Fußballkreis bekannte Achim Mohr. "Sie geben Gas ohne Ende und haben häufig eine ganz andere Einstellung zum Fußball als Männer." Obwohl sie in der 2. Bundesliga spielen, verdienen die Spielerinnen kein Geld. Für dreimal Training in der Woche plus Spiele am Wochenende gibt’s kein Gehalt.

So gewinnt das Ganze einen anderen Charakter: "Viele sind durch den Fußball zu Freundinnen geworden", sagt Maike Simbeck. "Wir setzen alles in Bewegung, um ins Training kommen zu können. Umso ärgerlicher ist es dann, wenn man am Wochenende nicht spielt." Auswärtsfahrten nach Sindelfingen oder München stehen an. "Man nimmt teilweise 500 Kilometer Fahrt auf sich, sitzt auf der Bank und kann dann nicht sagen: Gut, ich bekomme wenigstens mein Geld. Wir bekommen schließlich nichts. Das ist dann schon ein hoher Zeitaufwand."

3. Attraktive Gegner kommen nach Wetzlar: Bayern München II, TSG Hoffenheim II oder 1. FC Köln – "das ist was anderes als in der Männer-Kreisoberliga", weiß Achim Mohr. Teilweise kommen bei Auswärtsfahrten Übernachtungen hinzu. Von den finanziellen und infrastrukturellen Möglichkeiten her zählt Wetzlar zu den kleineren Vereinen der Liga. Nach wie vor gibt es keinen festen Trainingsplatz und kein Vereinsheim. "Das bereitet uns Kopfschmerzen", gibt der Coach zu. "Die Trainingsmaterialien haben wir immer im Auto."

Gespielt wird unter der Woche entweder an der Goetheschule Wetzlar, auf der Anlage von RW Wetzlar oder in Niedergirmes. Bis vor Kurzem konnte auch das Wetzlarer Stadion, Austragungsstätte der Heimspiele, einmal wöchentlich für ein Training genutzt werden. Seit die Regionalliga-Herren der Teutonia aus Watzenborn-Steinberg dort aber ihre Heimspiele ausrichten, hat die Stadt die Nutzung unter der Woche untersagt. "Da stockt man erst einmal und darüber ärgert man sich auch", gibt Maike Simbeck zu. Mit den Besucherzahlen am Spieltag (im Schnitt ca. 100 Zuschauer) ist die Innenverteidigerin dagegen zufrieden. "Das hat sich in den letzten Jahren schon gebessert, muss sich aber natürlich noch entwickeln."

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