Das hängt bei jedem Fußballklub am Sportgelände aus: Die allgemeinen Hygieneregeln, die den Trainings- und Wettkampf- betrieb nach dem ersten Lockdown möglich gemacht haben. Doch mit dem zweiten Teil-Lockdown sind diese Leitfäden aktuell hinfällig. FOTO: MS
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Das hängt bei jedem Fußballklub am Sportgelände aus: Die allgemeinen Hygieneregeln, die den Trainings- und Wettkampf- betrieb nach dem ersten Lockdown möglich gemacht haben. Doch mit dem zweiten Teil-Lockdown sind diese Leitfäden aktuell hinfällig. FOTO: MS

Jugendfußball

Jugendfußball und der Teil-Lockdown: Restriktion an der falschen Stelle?

  • Michael Schüssler
    vonMichael Schüssler
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Der Wettkampf- und Spielbetrieb im hessischen Amateurfußball ist wieder zum Erliegen kommen. Im heimischen Jugendfußball sieht man die Entscheidungen nicht ausnahmslos positiv.

Seit dem 2. November muss der Sportbetrieb in Hessen offiziell wieder ruhen. Viele Vereine und Verbände hatten bereits nach der Ankündigung der Politik, erneut Einschränkungen des öffentlichen Lebens aufgrund der Pandemie zu verhängen, den Betrieb eingestellt.

Zwar hat Hessen kurz darauf gestattet, Sport alleine oder zu zweit oder mit dem eigenen Hausstand zu erlauben, doch das hilft den Vereinen auch im Fußballkreis Gießen in Sachen geregelter Trainingsbetrieb nicht. Nachdem der erste Schock über die neuerlichen Maßnahmen verflogen ist, haben wir Jugendfußball-Vereinsvertreter dazu befragt.

Etwas mehr Fingerspitzengefühl

Matthias Richter (Vorstand Sport JFV Mittelhessen Fernwald): Beim Jugendförderverein Mittelhessen Fernwald ist man hinsichtlich des Teil-Lockdowns nicht wirklich begeistert. "Wir haben alle gewusst, dass ab Herbst ohnehin die Zahl der Erkältungen zunimmt. Und was den Jugendfußball angeht bis zu den C-Junioren hätte ich mir mehr Fingerspitzengefühl seitens der Verantwortlichen gewünscht. Bei den B- und A-Junioren hätte ich auch Bedenken gehabt", sagt Matthias Richter. "Fakt ist auch, dass Sport treiben gut für das Immunsystem ist", erklärt der JFV-Vorstandschef. Andererseits ist aber für ihn auch klar, dass man nur für den Fußball alleine keine Ausnahme machen kann.

Nichtsdestotrotz hätte sich Richter aber gewünscht, dass die Vereine, die Jugendfußball betreiben, zumindest Training hätten weiter anbieten können. "Dann natürlich im reduzierten Maße", so Richter. Er verweist auch darauf, dass die Vereine die vorgegebenen Hygienekonzepte umgesetzt haben. "Alle haben sich solche Mühe gemacht, um die Vorgaben zu erfüllen. Das lief meiner Meinung nach recht reibungslos." Richter plädiert auch deswegen wieder für die Aufnahme des Trainingsbetriebes, um die Kinder und Jugendlichen ein wenig von der Corona-Pandemie abzulenken. "Wir wissen doch heute nicht, was diese Pandemie mit den Kindern macht. Das werden wir erst in einigen Jahren erfahren. Und so wäre es auch gut für die Eltern, wenn die Kinder in den Vereinen zumindest für eine gewisse Zeit in der Woche bespaßt werden. Man hätte die Jugend draußen lassen sollen, zumal das Wetter in den nächsten Wochen kaum besser wird. Dann hätten nicht nur wir den Trainingsbetrieb aufs Erste eingestellt", verweist Richter auf den nahenden Winter.

Außerdem stellt sich für ihn die Frage, was die Fallzahlen in den letzten Wochen hat hochschnellen lassen. "Dieses Virus ist nur aktiv in der Freizeit?", stellt Richter in den Raum. Für ihn nicht, der aber auch sagt: "Ich möchte das politisch nicht entscheiden."

Das Wohl aller im Blickfeld haben

Gerd Bröcker (Jugendleiter TSV Großen-Linden): Für den "Chef" der Jugendfußballer im TSV Großen-Linden war der Teil-Lockdown kaum umzugehen. Zumal auch die Jugendteams selbst zum Teil Corona-Fälle zu beklagen hatten. "Wir wissen, dass in gewissen Bereichen familiär ein gewisses Risiko besteht", sagt Bröcker. Er spielt auf die teils hohen Inzidenzzahlen in einigen Gemeinden des Landkreises Gießen an. "Aber auch wir haben aktuell dahingehend eine Hausnummer", ergänzt er mit Blick auf die Stadt Linden. Die politischen Entscheidungen in Sachen Einschränkung kann er aber nachvollziehen. "Vor allem in den jüngeren Jahrgängen haben oft die Großeltern ihre Enkelkinder ins Training oder zu den Spielen gebracht", sieht er den Sport auch in einer großen gesellschaftlichen Verantwortung, der man sich stellt.

Wie es nun weitergeht, ist offen, doch Bröcker hofft darauf, "dass es vielleicht wieder im Februar losgeht". Daran schließt sich an, dass er auch hofft, dass genauso viele Kinder dann wieder ins Training kommen wie nach dem ersten Lockdown im Frühjahr. "Das hat damals keine Auswirkungen gehabt, die Kinder waren froh, dass sie sich wieder bewegen konnten." Dennoch hätte es der Jugendleiter begrüßt, wenn man zumindest die Hinrunde hätte beenden können. "Ich wäre froh gewesen, aber es sollte nicht sein."

Angst vor negativen Auswirkungen

Stefan Ostheim (Team der Jugendleitung JSG Laubach-Queckborn-Lauter): "Es ist eine schwierige Situation, die Infektionszahlen sprechen da für sich. Und ich hätte das nicht entscheiden wollen", sagt Stefan Ostheim. Aber der Jugendleiter der FSG Laubach ist sich nicht sicher, ob der erneute Teil-Lockdown sich nicht doch negativ niederschlägt. "Ich hoffe, dass da nichts auf der Strecke bleibt. Aber es kann schon sein, dass der Jugendfußball einen Schlag bekommt."

Vorgesehen war bei der JSG, dass man so lange wie möglich - November und Dezember - draußen Training anbieten wollte. "Aber wir haben auch Lehrer als Trainer, die bereits vor dem zweiten Lockdown von sich aus gesagt haben, dass sie kein Training mehr anbieten." Auch wenn Ostheim die Entscheidungen der Politik mitträgt, ein wenig Unmut hat er schon: "Es hat andere Gründe, die zu den hohen Zahlen geführt haben. Ich glaube, der Fußball hat eigentlich alles getan, was von ihm verlangt wurde." FOTO: ARCHIV

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