Jordan: "Fans haben uns die nötige Extra-Energie gegeben"

Als Michael-Hakim Jordan gemeinsam mit seinen Mannschaftskollegen der LTi Gießen 46ers beim Einlauf in die Oberfrankenhalle zum Auswärtsspiel gegen den BBC Bayreuth von 200 mitgereisten Fans mit lautstarkem Applaus und "Gießen"-Sprechchören begrüßt wird, huscht ein überraschtes Lächeln über das Gesicht des Neuzugangs beim Basketball-Bundesligisten.

Als Michael-Hakim Jordan gemeinsam mit seinen Mannschaftskollegen der LTi Gießen 46ers beim Einlauf in die Oberfrankenhalle zum Auswärtsspiel gegen den BBC Bayreuth von 200 mitgereisten Fans mit lautstarkem Applaus und "Gießen"-Sprechchören begrüßt wird, huscht ein überraschtes Lächeln über das Gesicht des Neuzugangs beim Basketball-Bundesligisten. Zustimmendes, wohlwollendes Nicken des Routiniers, ein "I like that" ist von seinen Lippen zu lesen. Der Mann mit der Trikotnummer 23 fühlt sich sichtlich wohl. Das merkt man ihm auch an: zunächst führt er seine Teamkollegen mit zwölf Punkten (von insgesamt 17) im Schlussabschnitt zum erlösenden 86:82-Erfolg gegen die Bayreuther und direkt im Anschluss ganz nach oben auf die Tribüne, um inmitten der Fans den Erfolg zu feiern - Szenen, die die Anhänger der Mittelhessen schon seit Ewigkeiten nicht erleben durften, und ein klares Signal.

"Es ist toll, dass die Fans den ganzen Weg auf sich genommen haben, um uns hier so zu unterstützen und uns die nötige Extra-Energie gegeben haben", freut Jordan sich nach dem Spiel und ergänzt eine persönliche Botschaft: "Ich bin sehr dankbar, dass sie mich akzeptiert und aufgenommen haben. Ich bin froh, hier zu sein."

Und auch seine Mannschaftskameraden waren froh, mit Jordan einen erfahrenen Spieler auf dem Feld zu haben, der dabei half, die vertrocknete Offensiv-Kruste des 46ers-Spiels aufzubrechen. "Michael hat uns die ganze Zeit über im Spiel gehalten, immer wenn wir es von ihm gebraucht haben, hat er gepunktet", berichtet der 34-jährige Elvir Ovcina nach Spielschluss. "Er ist ein großartiger Spieler, er versteht das Spiel und ist eine gute Ergänzung für das Team", lobt der Bosnier seinen neuen Kollegen.

Jordan gibt das Kompliment postwendend zurück, erklärt wie gut es sei, mit Ovcina einen zweiten "Floor General" auf dem Feld zu haben, der durch seine Erfahrung seine Mitspieler in Szene setzen kann. Auch Steven Key, der neue Headcoach der 46ers, freute sich über das Debüt seines neuen Spielmachers: "Er hat gezeigt, warum wir ihn geholt haben.

" Genauso war Sportdirektor Vladimir Bogojevic "sehr zufrieden mit dem wichtigen Sieg", man habe gesehen, wie bedeutend die Position sei und wo die Spiele entschieden würden.

Nicht vergessen darf man aber, dass andere ebenso ihren Teil zum lang ersehnten und bitter benötigten Sieg (Ovcina: "Den haben wir schon seit drei Monaten gebraucht") über die Wagnerstädter beitrugen. Da wären zum einen Jannik Freese und Dirk Mädrich, die aufgrund früher Foulprobleme ihrer Vorderleute Ovcina bzw. Zachery Peacock schnell Verantwortung übernehmen mussten, dabei mit Jared Reiner und Pete Campbell auf zwei starke Gegenspieler trafen. Die beiden Deutschen machten ihre Sache gut und sorgten mit viel Einsatz und aggressiver Defense dafür, dass Bayreuth sich nicht schon früh im Spiel uneinholbar absetzen konnte, auch wenn sie natürlich den Fähigkeiten des Gegners etwas Tribut zollen mussten.

Unter anderem sorgte Freese mit einem unkonventionell aussehenden Dreipunktspiel Ende des dritten Viertels auch für wichtige Punkte: "Ich habe den Ball bekommen und gesehen, dass nur noch zwei Sekunden auf der Schussuhr waren, also wollte ich den Sprungwurf nehmen und bin dabei gefoult worden. Vielleicht sah deswegen die Bewegung etwas komisch aus, aber ich freue mich, dass ich ihn trotzdem reingemacht habe", meinte der 24-Jährige nach dem Spiel.

Da wäre weiterhin Maurice Jeffers, der zwar seine Wurfhand in Deutschland noch nicht so ganz wiedergefunden hat, aber durch seine Erfahrung und sein Wissen um die richtigen Laufwege ein wichtiger Puzzlestein zum Erfolg war. Und da wäre die Offensivleistung von Shootingguard Anthony Smith, Powerforward Peacock und Center Ovcina, die zusammen knapp mehr als die Hälfte der Gießener Punkte erzielten. Gemeinsam mit dem "Jordan-Faktor" führten diese Punkte dazu, dass die Key-Recken aus ihren festgefahrenen Strukturen herauskamen und endlich wieder einmal als Gewinner vom Platz gehen konnten.

Dass dieser Erfolg aber noch lange kein Wiederaufblühen in voller Pracht des mittelhessischen Basketballs bedeutet, darf dabei nicht vergessen werden. Noch gibt es viele Baustellen, um die Key sich dringend kümmern muss, vor allen Dingen in der Defensive. Smith ließ seine Gegenspieler ein ums andere Mal völlig unbewacht zu einfachen Körben kommen, Peacock muss schleunigst seine Foulprobleme in den Griff bekommen. Smallforward Ryan Brooks war ein offensiver Totalausfall, auch "Moe" Jeffers ist noch nicht hundertprozentig im Spiel der LTi 46ers angekommen. Doch Coach Key ist sich durchaus bewusst, dass der Sieg gegen Bayreuth nur ein erster, wenn auch überfälliger Schritt aus dem tiefen Tal war. "Wir müssen in jedem Spiel, das wir noch haben dafür sorgen, dass die zwei Punkte, die wir in Bayreuth geholt haben, etwas bedeuten - sonst sind sie nutzlos", ist er sich im Klaren darüber, dass der Erfolg ein zartes Pflänzchen ist, das weiter gegossen und gepflegt werden muss. Die nächste Gelegenheit dazu haben seine Schützlinge am Samstag, wenn um 20 Uhr mit den EWE Baskets Oldenburg ein hochkarätiger Gegner in der Osthalle zu Gast ist. Dann wird sich zeigen, ob im mittelhessischen Basketball langsam der Frühling anbricht. (dlu)

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