Ivano Balic – Ein Unikat

Nach zwei Jahren bei der HSG Wetzlar hängt Ivano Balic zum Saisonende seine Handball-Schuhe an den Nagel. Unser Redakteurs-Rückblick auf die vergangenen Monate mit dem Superstar und der Kommentar zum anstehenden Umbruch bei der HSG Wetzlar.

Noch bevor Ivano Balic das erste Mal die Bildfläche in Wetzlar betreten hatte, hatte der kroatische Superstar die handballverrückte Region Mittelhessen elektrisiert und in Spannung versetzt. So auch mich. Denn schließlich kannte ich den introvertiert wirkenden Spielmacher bis dato nur aus dem Fernsehen. Von Welt- und Europameisterschaften, von Olympischen Spielen oder aus der Champions League. Niemals hätte ich gedacht, dass der "Mozart des Handballs" je ins beschauliche Wetzlar wechseln würde oder ich gar in meiner täglichen Arbeit mit ihm zu tun haben würde. Doch es kam anders. Und es war eine sehr angenehme Zeit. Das wird sich auch in den kommenden Monaten bis Saisonende fortsetzen. Dessen bin ich mir sicher.

+++ Hier gibt's den Kommentar von Redakteur Ralf Waldschmidt

Bei seiner Präsentation in den Räumlichkeiten der Rittal-Arena im August 2013 bestätigte sich zunächst mein Bild von Balic, das ich durch die Auftritte im Fernsehen gebildet hatte. Das Handball-Genie schlurfte an der Seite des Wetzlarer Beraters Manfred Thielmann, begleitet von mehreren Kameras und den Blicken der Anwesenden, von der Tür quer durch den Raum zu seinem Platz. Dort angekommen, lächelte der damals 34-Jährige verschmitzt in die Runde. Auf die Fragen der Journalisten hin gab er sich eher wortkarg. Unsympathisch aber wirkte der in Jeans und HSG-Shirt Gekleidete keineswegs. Viel mehr schlitzohrig. Eben wie auf dem Spielfeld.

+++ Hier gibt's die offiziellen Stimmen zur Rücktrittsankündigung

Das erste Mal live in Action habe ich Balic, der wohl nicht nur in Kroatien Vorbild vieler junger Handballer ist, beim Linden-Cup gesehen, wo sich der Weltstar auch einer breiteren Zuschauermasse präsentierte. Locker flockig, ohne Berührungsängste, aber mit Fragezeichen hinter seiner konditionellen Verfassung. Der Spielmacher überspielte seine damaligen Defizite gekonnt und nahm in einer Slapstick ähnlichen Einlage auf der gegnerischen Bank Platz, um kurz zu verschnaufen. Das kam in der Halle an. Bei Spielern und Zuschauern gleichermaßen. Im Ligaalltag allerdings wusste der Kroate zu überzeugen. Spektakuläre Anspiele an den Kreis, taktisch kluges in Szene setzen der Halben und Spielübersicht der Extraklasse. Einzig die Torgefahr früherer Jahre habe ich vermisst und auch etwas gebraucht, um mich daran zu gewöhnen. Nichtsdestotrotz ist Balic bis heute absoluter Publikumsmagnet bei den Grün-Weißen. Diese Erfahrung habe ich auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis gemacht. Einmal nach Wetzlar, um das Genie zu bewundern.

Zu den Stärken des Kroaten zählen neben seiner spielerischen Fähigkeiten auch die Selbstkritik. Nach der bitteren Niederlage in Erlangen im November des letzten Jahres nahm der Mittelmann einen Großteil der Schuld auf sich. Geknickt stand der einstige Welthandballer vor der Halle, zog an seiner Zigarette und sagte zu mir: "Ich habe zu viele Chancen liegen gelassen." Damals präsentierte mir Balic eine andere Seite von sich. Nachdenklich und genervt von sich selbst.

Am meisten in Erinnerung bleiben wird mir aber eine Szene aus dem Heimspiel gegen Hannover/Burgdorf, als der Kroate zum Gegenstoß ansetzte, sich aber kurzerhand dazu entschloss, doch lieber jemand anderes laufen zu lassen. So blieb er noch in der eigenen Hälfte stehen, drehte sich hilfesuchend in Richtung Wetzlarer Tor um und übergab den Ball an Kristian Bliznac, der einnetzte. Der Spielmacher lachte verschmitzt, die Halle stand Kopf. Ein echter Balic eben. (fk)

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