Lichtblick: Wetzlars Lenny Rubin (11) zeigte sich deutlich mutiger als in den vergangenen Partien und durfte sich über vier Treffer freuen. FOTO: VOGLER
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Lichtblick: Wetzlars Lenny Rubin (11) zeigte sich deutlich mutiger als in den vergangenen Partien und durfte sich über vier Treffer freuen. FOTO: VOGLER

Handball

Ivanisevic mit 19 Paraden

  • Ralf Waldschmidt
    vonRalf Waldschmidt
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Die HSG Wetzlar hat den TVB Stuttgart mit 30:25 (12:11) geschlagen. Wetzlars Torhüter Tibor Ivanisevic lief mit am Ende 19 Paraden richtig heiß.

Die HSG Wetzlar hat auf dem Parkett die Antwort auf die beiden jüngsten Auswärtsniederlagen bei Frisch Auf Göppingen und bei den Rhein-Neckar Löwen gegeben. Am Sonntag nachmittag setzte sich die Mannschaft von Trainer Kai Wandschneider ("Ich bin total stolz auf mein Team") in dessen 400. Spiel als Chefcoach auf einer Erstliga-Bank mit 30:25 (12:11) gegen den TVB Stuttgart durch, der immerhin als Überraschungsvierter nach Mittelhessen gekommen war. In der Tabelle verbesserte sich das Team um Kapitän Kristian Björnsen vom zwölften auf den sechsten Tabellenplatz. Schon an diesem Donnerstag steht die nächste Bundesliga-Pflichtpartie bei SC DHfK Leipzig an.

Zum "Spieler des Spiels" küren lassen können hätte sich getrost Wetzlars Torhüter Tibor Ivanisevic, der den Gastgebern bereits im ersten Abschnitt mit acht Paraden den Rücken frei hielt, sich im zweiten Abschnitt dann sogar noch auf elf weitere Glanztaten u. a. bei einem Siebenmeter gegen Viggo Kristjansson und drei, vier freien Einwurfmöglichkeiten der Stuttgarter steigerte und somit insgesamt auf 19 Torhüter-Paraden kam. Laut Statistik der aktuell beste Wert eines Keepers in der laufenden Bundesliga-Saison. Der Serbe selbst ordnete seine Leistung wie folgt ein: "Mit jeder Parade wird man als Torhüter selbstbewusster. Das ist doch klar. Und wenn dann noch die Abstimmung mit der Abwehr klappt, kommen im Handball solche Spiele dabei heraus.

"Wir sind zu oft an Ivanisevic im Wetzlarer Tor gescheitert", gestand denn auch Stuttgarts Co-Trainer Carsten Schäfer ein, der den an Corona erkrankten Chefcoach Jürgen Schweikardt vertrat. "Im zweiten Abschnitt hat allerdings auch der Druck aus dem Rückraum gefehlt." Das Duell gegen die Torhüter-Routiniers der Gäste, Johannes Bitter und Primoz Prost, entschied Tibor Ivanisevic allein für sich.

Vielleicht lag es aber auch an der nur mäßig geheizten Rittal-Arena, die die Schwaben nach ordentlicher erster Spielhälfte nach dem Kabinengang nicht mehr auf Betriebstemperatur kommen ließ. In den letzten 20 Minuten, als Lars Weissgerber gerade seinen Siebenmeter zum 19:15 (42.) für die HSG verwandelt hatte und die verletzt zuschauenden Till Klimpke und Maximilian Holst hinter der Bank jubeln ließ, wirkten die Stuttgarter Aktionen wie eingefroren. Dem Positionsangriff fehlte nunmehr auch die Geschwindigkeit, um den Grün-Weißen noch einmal einheizen zu können.

Im Gegenteil. Mit skandinavischer Kühle kamen Kreisläufer Anton Lindskog, der immer stärker werdende Spielmacher Magnus Fredriksen, Linksaußen Emil Mellegard oder Rechtsaußen Kristian Björnsen problemlos mit den fröstelnden Temperaturen zurecht, so dass über das Fredriksen-26:20 (53.) mit dem Mellegard-29:22 (58.) die Punkte eingefahren waren.

Dieser hätten sich die Wetzlarer schon früher sicher sein können, wenn vor der Pause die Chance zum 11:6 (20.) genutzt worden wäre und die Schwaben ihrerseits nicht hätten auf 8:10 (22.) verkürzen können. Oder kurz nach der Pause, als der ungewohnt uninspiriert wirkende Olle Forsell Schefvert nicht auf 15:12 (35.) stellte, sondern trotz zweier Ivanisevic-Reflexe gegen den bulligen Kreisläufer Peshevski sowie Linksaußen Zieker der Gast noch einmal zum 13:14 aufschloss bzw. 14:14 (37.) ausglich.

Nach der ersten Fünf-Tore-Führung, erzielt von Stefan Cavor in der 43. Minute zum 20:15, war der Weg zum Heimerfolg der Wandschneider-Truppe frei. Da neben Tibor Ivanisevic im Tor auch Magnus Fredriksen als Spielmacher herausragte ("Er hat unsere Abwehr tief bekommen", staunte TVB-Co Schäfer) und der Schweizer Lenny Rubin endlich mutiger agierte und aus der Nah- und Mitteldistanz nach kampfstarken Eins-gegen-eins-Aktionen traf. Schließlich setzte das gesamte Team die Vorgabe, die Kontakte nicht zu reduzieren, optimal um. "Unterm Strich haben wir einfach nicht genug Zweikämpfe gewonnen", konstatierte Gäste-Co Schäfer.

"Wir haben uns als echtes Teams präsentiert", lobte Kai Wandschneider noch einmal den Auftritt seiner HSG, auch wenn er nur zu gut wusste, dass einige seiner Spieler an diesem Nickolaus-Nachmittag individuelle Glanzlichter gesetzt hatten. Die frostige Halle waren sie - im Gegensatz zum Rivalen - aus ihren Trainingseinheiten in der Arena ohnehin gewohnt.

HSG Wetzlar: Ivanisevic, Suljakovic; Lindskog (6), Cavor (5), Björnsen (4), Fredriksen (4), Rubin (4), Weissgerber (3/3), Mellegard (2), Forsell Schefvert (1), Mirkulovski (1), Feld (n. e.), Srsen, Henningsson, Gempp.

TVB Stuttgart: Kristjansson (7/5, Häfner (6), Lönn (5), Schulze (2), Müller (1), Peshevski (1), Pfattheicher (1), Röthlisberger (1), Wieling (1).

Im Stenogramm / Schiedsrichter: Baumgart (Altenheim)/Wild (Elgersweiher) - Strafminuten: 0:2 Minuten.

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