Informationen, Ehrungen, Unterhaltung

(se) Der erste Höhepunkt im Fußballjahr 2012. Mit dem Jahresempfang am Freitag in der Gaststätte der Licher Privatbrauerei hat der Fußballkreis wieder einmal ins Schwarze getroffen. Abseits des grünen Rasens haben Kreisfußballwart Henry Mohr, der in Lich durch den Abend führte, und seine Mitstreiter ein buntes Programm aus Informationen und Entertainment zusammengestellt.

Interviews und Plaudereien aus dem Nähkästchen gestalteten den Abend ausgesprochen unterhaltsam, wobei der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Lutz Wagner aus Kriftel mit seiner humorvollen Art die Lachmuskeln der Besucher immer wieder strapazierte. Der 47-Jährige ist ein gern gesehener Fußball-Gast im Kreis Gießen und fesselte auch am Freitag seine Zuhörer mit Lach- und Sachgeschichten.

Im Mittelpunkt der Zusammenkunft aber stand das Ehrenamt. So nahm die Auszeichnung der zahlreicher ehrenamtlich Tätiger mit der Siegerin Jutta Watzke (ASV Gießen) einen breiten Raum beim Jahresempfang ein. In seiner Laudatio stellte Horst Hilgardt, Ehrenamtsbeauftragter im Fußballkreis Gießen, fest: "Vereine sind wichtige Säulen unserer Gesellschaft, und ohne die Ehrenamtlichen würde alles zusammenbrechen." Die Kreissiegerin wurde sogar in den Club 100 des DFB aufgenommen; das stellt einerseits eine besondere Auszeichnung dar, zeigt aber auch, dass sich die Gießenerin nach Auffassung der Verantwortlichen im Deutschen Fußball-Bund im besonderen Maße um den Fußball verdient gemacht hat. Von den 360 Ehrenamtssiegern, die in Deutschland pro Jahr gekürt werden, erhalten 100 diese besondere Auszeichnung.

Mit Jutta Watzke gehört bereits der siebte Kreissieger aus dem Fußballkreis Gießen dem Club 100 an; ein Indiz dafür, dass die ehrenamtliche Tätigkeit an Lahn, Lumda und Wetter nicht nur einen außerordentlichen Stellenwert genießt, sondern auch ein vergleichsweise hohes Niveau erreicht hat.

Bei der Auswahl der Gäste haben sich die Verantwortlichen im Kreisfußballausschuss für einen bunten Mix aus aktiven und inaktiven Fußballern sowie Entscheidungsträgern aus anderen Teilen Hessens entschieden, plus Lutz Wagner, dessen zuweilen unkonventionelle Sichtweise verblüffte und amüsierte.

Als Patrick Haustein, 23-jähriger Hessenliga-Schiedsrichter aus Großen Buseck und einer der weiteren Gäste des Abends, bei seiner Vorstellung freundlichen Beifall der Zuhörer erhielt, empfahl Wagner seinem jungen Schiedsrichterkollegen: "Genieße den Beifall, das kommt nicht allzu oft vor." In diesem Zusammenhang erkärte Lutz Wagner, dass die Persönlichkeit mit der Leistung wachse.

Der Großen-Busecker gab einen kurzen Überblick über seine noch kurze Schiedsrichterlaufbahn (Höhepunkt: Das Spitzenspiel der Kreisliga A Alsfeld/Gießen zwischen Kesselbach/Odenhausen/Allertshausen und Homberg/Ober-Ofleiden vor drei Jahren und 800 Zuschauern), nannte seine Förderer (im Verein: Manfred Eichhöfer, Hans Klos, bei der Schiedsrichtervereinigung: Martin Reitz, Hans-Peter Schön) und verriet eine gesunde Portion Humor, als er zum Abschluss seiner Ausführungen bemerkte: "Es gibt keinen Verein, von dem ich sagen würde, da will ich nicht mehr hinfahren. Ich hoffe, die Vereine sehen das genauso." Patrick Haustein wurde mit dem Ehrenpreis 2011 des Fußballkreises Gießen ausgezeichnet.

Ein weiterer Interviewpartner war Stefan Munzert, ehemaliger Torjäger, derzeit Sportlicher Leiter beim Hessenligisten FSV Fernwald und Buchautor ("Fußball – Hobby oder Leidenschaft"). Der 53-Jährige gab einen kurzen Überblick über seine Laufbahn, verriet die Herkunft seines Spitznamens Ecki (sein Großvater wurde wegen der Lage seines Anwesens Eckbauer genannt, daraus leitete sich der Name Ecki ab) und berichtete über seine Tätigkeit als Sportlicher Leiter in Steinbach.

"Der Trainer muss bleiben, die Mannschaft muss zusammenbleiben", berichtete er. Doch das sei gar nicht so leicht, denn die "Wahrnehmung nach den bisherigen Erfolgen ist eine andere geworden". "Wir bräuchten mehr Zuschauer und mehr Sponsoren", stellte Munzert fest, der einer Nachfrage nach einem "FC Mittelhessen" ausweichend beantwortete, aber auch feststellte, dass die Hessenliga durch die Neuordnung der Regionalligen eine "sportliche Abwertung" erfährt.

Probleme anderer Art hat Jens-Uwe Münker, ehemaliger Justiziar des Hessischen Fußball-Verbandes und Geschäftsführer des Zweitbundesligisten FSV Frankfurt. "Wir wollen sehen, dass wir als absoluter Underdog in der 2. Bundesliga bleiben", erklärte er und nannte ein Kuriosum. "In der Vorrunde waren wir nach dem Spiel gegen die Eintracht für kurze Zeit der einzige Verein, der einen höheren Zuschauerschnitt hatte als ins Stadion passen." Die Verlegung des Derbys in die Commerzbank-Arena machte es möglich. Auch Münker stellte fest, dass Hessen unbedingt einen Verein in der 1.

Bundesliga haben müsse, aber "es muss ja nicht unbedingt die Eintracht sein", ergänzte er und pries die Gegebenheiten bei "seinem" FSV in Bornheim an: "Bei uns ist man näher am Sport, und bei uns gibt es keine Gewalt im Stadion."

Einen humorvollen Ausflug durch (fast) alle Bereiche des Schiedsrichterwesens unternahm Lutz Wagner, ehemaliger Bundesligareferee und inzwischen im Schiedsrichterstab des DFB tätig. Dabei rückte er den Verdacht des Steuervergehens gegen führende deutsche Schiedsrichter zurecht. "Es ist kein Schiedsrichter verdächtigt worden", ließ der Krifteler wissen. 20 Schiedsrichter seien vom DFB zu einem Treffen geladen worden, bei 14 habe sich alles sofort geklärt, und bei sechs werde eine "Betriebsprüfung" durchgeführt. "Es hat sich aufgelöst wie eine heiße Luftblase", stellte Wagner fest. Er berichtete auch, dass die Karriere des ehemaligen Bundesligaschiedsrichters Jürgen Jansen (Essen) durch den zu Unrecht erhobenen Vorwurf, in den Wettskandal vor rund sieben Jahren verwickelt gewesen zu sein, ruiniert wurde.

Danach ging Wagner noch einmal auf Oberliga-Referee Patrick Haustein ein. Nach Wagners Rechnung gehört er damit zu den oberen 4,75 Prozent aller Fußballer (Trainer, Spieler, Schiedsrichter): Eine weitgehende Absage erteilte Wagner der Einführung des Profi-Schiedsrichtertums, äußerte auch Bedenken bei der Verwendung von technischen Hilfsmitteln. Auch auf das aktuelle Geschehen ging Wagner ein. Dass Schiedsrichter Robert Hartmann (Wangen) das Foul des Lauterers Dorge Kouemaha in der Partie seines FCK gegen Werder Bremen an Gästespieler Sebastian Prödl nicht gesehen bzw. geahndet hat, "kann man", so Wagner, "nicht verstehen". "Aber es gibt Situationen, die nimmt man so nicht wahr", versucht der Ex-Schiedsrichter, eine Erklärung zu finden.

Mit der Auslosung des Viertelfinales im SWG-Pokal, dem Kreispokal, klang der offizielle Teil des Jahresempfangs in Lich aus.

Danach ging man zum gemütlichen Teil über, der ebenso unterhaltsam verlief wie das "offizielle" Programm, das allen Gästen wieder einmal viel Spaß bereitet hat, in dem aber auch viel Wissenswertes aus dem großen Bereich des Fußballs vorgetragen wurde.

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