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Der SK 1858 Gießen um Dr. Lutz Konrad sichert sich in der Schach-Hessenliga beim SC Fulda einen 4:4-Teilerfolg. ARCHIVFOTO: FRIEDRICH

In Unterzahl Teilerfolg gerettet

  • VonFrank Drill
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(fjd). Am vierten Spieltag der Hessenliga kam der SK 1858 Gießen beim Tabellenvorletzten SC Fulda über ein 4:4 nicht hinaus, konnte damit aber immerhin den Punkteabstand zu den Abstiegsrängen konstant halten. Seine Tabellenführung verteidigte der SV Hofheim II mit dem glatten 6:2 über den FTV 1860 Frankfurt. Im Fokus des Interesses stand der erste Saisonauftritt der zur Hälfte aus ukrainischen Schachspielern bestehenden Sfr.

Emstal/Wolfhagen II, die dank einer Sondergenehmigung des Verbandes ihren Wettkampf gegen die VSG Offenbach an vier Brettern (statt der üblichen acht Bretter) bestreiten durften und dabei mit dem 15-jährigen Vadim Petrovskiy den aktuellen U-18-Vizemeister der Mitte Februar 2022 in Lemberg ausgetragenen ukrainischen Jugendschachmeisterschaft am Spitzenbrett präsentierten. Petrovskiy ließ sich jedoch von seinem Offenbacher Kontrahenten mattsetzen, sodass Offenbach den Vergleich knapp mit 2,5:1,5 für sich entschied.

SC Fulda - SK 1858 Gießen 4:4: Wie schon am Spieltag zuvor gegen Sfr. Neuberg ließ der SK 1858 erneut ein vorderes Brett unbesetzt, da Peter Rudolph als »Leidtragender« des Schlaflabor-Clips der ARD-Sendung »Verstehen Sie Spass ?« mit Familie von Fernsehmoderatorin Barbara Schöneberger ins ARD-Studio nach Berlin eingeladen worden war und gleich zwei potentielle Ersatzspieler wegen Covid 19 passen mussten.

Abgesehen vom unfreiwilligen Fernsehstar Rudolph hatten die Gäste jedoch die komplette Stammbesetzung an Bord, sodass an allen Brettern ein heißer Kampf entbrannte und dabei keine Gefangenen gemacht wurden (sprich: Es gab keine Unentschieden).

Einen rabenschwarzen Tag erwischte dabei der zuletzt so erfolgreiche Teamchef Thorsten Eckhardt, der mit Weiß gegen die »Aljechin-Verteidigung« des Fuldaer Rollstuhlfahrers Rolf Huss keine wirksame Aufstellung fand und seine positionelle Verluststellung mit einem Turmeinsteller im 24. Zug garnierte (0:2). Ebenso glatt überspielt wurde Professor Roland Arbinger im Seniorenduell gegen Reinhard Haase, der durch subtiles Positionsspiel aus der Slawischen Abtauschvariante heraus einen bärenstarken Freibauern auf b7 etablierte (0:3).

Ärgerlich hingegen der Partieverlust von Dr. Lutz Konrad, der gegen Fuldas Martin Weise ein Springerscheinopfer auf g6 mit Materialgewinn verpasste und im späteren Doppelturmendspiel mit ungleichen Läufern an seinem von eigenen Bauern eingemauerten Läufer auf c1 zugrunde ging.

Wieder Hoffnung schöpften die Mittelhessen nach dem überraschenden Anschlusstreffer durch Jens Bahlo, der im damenlosen Mittelspiel zwar etwas Gegenspiel für den geopferten Bauern besaß, aber umso erleichterter gewesen sein dürfte, dass Fuldas Deutsch-Russe Viktor Silberbrand »einschlief« und im 26. Zug in einem damenlosen Mittelspiel die Bedenkzeit überschritt. Einer Achterbahnfahrt glich der Najdorf-Sizilianer von Peter Gerber, der seinen Kontrahenten im frühen Mittelspiel bereits klar überspielt hatte, dann seinen Vorteil wieder herschenkte um schlussendlich in einem furiosen Finale den Anziehenden doch noch zu überlisten.

Auch der Partieerfolg von Fide-Meister Roger Derichs am Spitzenbrett hatte sich in einer Damengambit-Position mit verteilten Chancen nicht unbedingt abgezeichnet. Widerpart Dr. Matthias Kierzek goß im 31. Zug mit einem zweischneidigen Springeropfer auf h3 unnötig Öl ins Feuer, wofür der Fuldaer zwar kurzfristig eine Handvoll Bauern einstreichen dufte, den Offizieren des Gießeners jedoch volle Handlungsfreiheit in Form offener Linien verschaffte, was sich als entscheidend erwies.

Nichts zu diskutieren gab es hingegen am Bretterfolg von Routinier Thomas Sunder, der als Anziehender im Aljechin-Vierbauernangriff das Vollzentrum des 18-jährigen Wasserball-Bundesligatorhüters Konstantin Wolgin unter Beschuss nahm und den Isolani auf e5 wenig später erbeutete. Trotz zäher Gegenwehr des jungen Fuldaers konnte Sunder den Mehrbauern in ein kompliziertes, aber technisch gewonnenes Leichtfiguren-Endspiel transferieren (Weiß: Kf2, Lf5, g2,h3 - Schwarz: Kd4, Se5, f6,f4,g5,h5) und im 60. Zug zum aus Gästesicht wichtigen 4:4 vollenden. - Fulda - Gießen 4:4: Brett 1: Dr. Kierzek - Derichs 0:1; 2: Fritz - Rudolph 1:0 kl.; 3: Weise - Konrad 1:0; 4: Wolgin - Sunder 0:1; 5: Huss - Eckhardt 1:0; 6: Haase - Prof. Arbinger 1:0; 7: Zilberbrand - Bahlo 0:1; 8: Sehn - Gerber 0:1

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