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Jürgen Jung zieht sich nach 25 Jahren aus dem Kreisjugendfußballausschuss zurück. FOTO: MS

Fußball

"Ich werde mit einer Träne im Auge Adieu sagen"

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Es ist das Ende einer Ära im Fußballkreis Gießen. Am Freitag stehen Neuwahlen für den Kreisjugendfußballausschuss Gießen an. Nicht mehr kandidieren wird dabei "Chef" Jürgen Jung.

Am heutigen Freitag (18.30 Uhr, Gaststätte "Zum Löwen") kommen die Vereinsvertreter zum Kreisjugendfußballtag in Leihgestern zusammen. Im Mittelpunkt der Zusammenkunft stehen dabei die Neuwahlen - und da wird es im Fußballkreis Gießen eine Zäsur geben. Denn Kreisjugendfußballwart Jürgen Jung (Göbelnrod) steht nach insgesamt 25 Jahren - davon 16 Jahre als stellvertretender Kreisjugendfußballwart, acht Jahre als Chef - des Mitwirkens im Kreisjugendfußballausschuss nicht mehr für eine Wiederwahl als "Chef" zur Verfügung.

Doch das Feld ist bestellt, mit Klaus-Jürgen Schretzlmaier, aktuell der stellvertretende Kreisjugendfußballwart, steht sein Nachfolger bereits fest. Sofern er von den Delegierten die Zustimmung erfährt. Wir haben mit Jürgen Jung gesprochen, der knapp ein Vierteljahrhundert lang dem Kreisjugendfußballausschuss angehörte, diesem aber in anderer Funktion erhalten bleibt - als Klassenleiter der A-Junioren und Pokal-Spielleiter.

Nach 16 Jahren als Stellvertreter und acht Jahren an der Spitze des Kreisjugendfußballausschusses Gießen ziehen Sie sich nun zurück. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Die fällt sehr gut aus, es hat sehr viel Spaß gemacht. In dieser Zeit mussten auch viele Hürden genommen werden, so unter anderem Vorgaben vom Hessischen Fußball-Verband, was beispielsweise Spielsysteme und den Fair-Play-Wettbewerb angehen. Aber wir haben das gemeistert. Auch der Kontakt zu unserem Kreisfußballausschuss ist sehr gut, da haben ich und meine Mitstreiter im Kreisjugendausschuss immer den Rücken gestärkt bekommen. Ich denke auch, dass ich immer im Sinne des Kreises und der Jugend gehandelt habe, wenn wir mit dem Verband zu tun hatten.

Sie sind ein Mensch mit Kanten, der immer klar Position bezogen hat. War das für das Amt des Kreisjugendfußballwartes förderlich - oder gab es auch Momente, in denen Sie sich im Nachhinein lieber auf die Zunge gebissen hätten?

Das ist wie in einer Ehe, einer Familie. Auch hier läuft nicht immer alles glatt. Es gibt Zeiten, da läuft es gut, es gibt aber auch Momente, in denen es holpert. Aber bei allen Gesprächen mit Mitstreitern, Vereinsmitarbeitern oder dem Verband, man muss anschließend sagen können, dass man sich immer noch in die Augen sehen kann. Probleme habe ich nur mit Trainern gehabt, die mich angelogen haben. Wenn die angerufen haben, um eine Begegnung zu verlegen, weil zu viele Spieler krank sind - und das im Sommer. Das war vorgeschoben, da einige Akteure Karten beispielsweise für ein Bundesliga-Spiel hatten, deswegen wollten die Trainer beziehungsweise Betreuer eine Verlegung dieser Partie.

Gibt es Ereignisse während Ihrer Amtszeit, von denen Sie sagen, dass diese einschneidend waren?

Ich erinnere mich an eine Geschichte, die ich gelesen hatte. Da ging es um einen Jungen aus unserer Region, dessen Eltern auf Spenden für eine Delfin-Therapie angewiesen waren. Ich habe zu meiner Frau gesagt, wir haben Enkel, die gesund sind, man muss etwas tun. Das hat mich, meine Frau und meine Mitstreiter so bewegt, dass wir innerhalb von zwei Wochen ein Turnier mit 18 Mannschaften auf die Beine gestellt haben. Alle Einnahmen kamen der Familie zugute, das waren dann insgesamt 8200 Euro. Das war ein Ereignis außerhalb des normalen Spielbetriebes im Jugendbereich, das mich sehr, sehr stark berührt hat. Aber wir vom Kreisjugendausschuss waren schon immer sozial tätig, das wird in der Zukunft auch so bleiben.

Hand aufs Herz! Gibt es Entscheidungen, die Sie im Nachhinein bereut haben?

Insgesamt betrachtet ist es so, dass ich das eine oder andere Mal zu impulsiv reagiert habe. Da war meine Zunge schneller als mein Gehirn.

Mit Klaus-Jürgen Schretzlmaier steht Ihr designierter Nachfolger bereits fest - was geben Sie ihm mit auf dem Weg?

Er ist schon seit zehn Jahren im Ausschuss dabei, er wird weiter die Linie des Kreisjugendfußballausschusses Gießen nach außen vertreten. Das Feld ist bestellt, ich mache mir da überhaupt keine Sorgen. Ich selbst aber möchte mich bei allen Weggefährten für die sehr gute Zusammenarbeit bedanken - und ich werde mit einer Träne im Auge "Adieu" sagen.

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