Hüttenbergs eindrucksvolle Bewerbung um Platz zwei

Der Hallenboden bebte, auf den Sitzen hielt es niemanden mehr und aus den Lautsprecherboxen dröhnte der Hit "Explode" von Jordan and Baker - auch als Hüttenberger Einlauflied bekannt. Soeben hatte Florian Schöbinger vom Kreis das 24:24 für den TV Bittenfeld erzielt, die Stimmung in der Bittenfelder Gemeindehalle war auf dem Siedepunkt angelangt und das Heimteam auf dem besten Weg, den zweiten Platz in der Tabelle der 2. Handball-Bundesliga auszubauen. Doch trotz der Euphorie in der engen Halle schaffte der TV 05/07 Hüttenberg noch das 27:26.

"Das war ein sensationelles Spiel. Ich denke, wir haben sehr gut gekämpft. Wir haben verdient gewonnen - ganz klar", freute sich der überragende Sven Pausch, der nicht nur elf Treffer erzielte, sondern tolle Angriffe einleitete und das Team schlitzohrig zum Auswärtscoup führte.

Der TVH zeigte eines seiner besten Saisonspiele und brachte - vor allem in der Deckung - eine tolle Leistung auf das Parkett. Und das trotz einer katastrophalen Trainingswoche im Vorfeld. "Ich bin wirklich hochzufrieden mit dem Spiel meiner Mannschaft. Wir haben es geschafft, die Widrigkeiten der Trainingswoche wegzustecken. Ich war gespannt darauf, wie uns das gelingen würde. Und ich wurde positiv überrascht. Die ersten Halbzeit war spitze", freute sich Hüttenbergs Trainer Jan Gorr.

In den wohl besten 30 Minuten der Spielzeit führten seine Schützlinge Bittenfeld spielerisch, taktisch und kämpferisch vor eigenem Publikum regelrecht vor. Und das, obwohl die Mittelhessen über weite Strecken auf den angeschlagenen Spielmacher Florian Laudt (Rückenprobleme) verzichten mussten. "Ich konnte in der letzten Woche kaum trainieren", stöhnte der so wichtige TVH-Akteur völlig fertig nach dem Triumph mit schmerzverzerrtem Gesicht.

Dabei war für die Dominanz der Mittelhessen bezeichnend, dass Laudt in der 27. Minute erstmals das Spielfeld betrat und trotz seiner Schmerzen zehn Sekunden später die Kugel im Kasten von Daniel Sdunek versenkte. Ansonsten war es immer wieder Sven Pausch, der einem sehr temporeich geführten Spiel seinen Stempel aufdrücken konnte. Der Dutenhofener glänzte mit spielerischen Akzenten. Das Selbstvertrauen des zuletzt hin und wieder glücklos agierenden Akteurs war förmlich greifbar. Nach einer sehenswerten Kombination markierte Pausch in Unterzahl das 12:6 (20.). Einzig die Chancenauswertung des TVH ließ zunächst zu wünschen übrig. Der junge Mario Fernandes, der von außen sehr gefährliche Andreas Lex und Michael Stock (zwei Pfostentreffer kurz vor der Pause) vergaben beste Möglichkeiten. "Wir haben es immer wieder spannend gemacht", resümierte "Unglücksrabe" Stock, dessen Würfe reihenweise ans Aluminium klatschten. Mit dem Pausenpfiff gelang "Stocki" aber dennoch von Linksaußen die so wichtige 17:11 Führung. "Das war eine gute und wichtige Grundlage", meinte auch Pausch.

Vor allem die beherzt zupackende 3:2:1-Deckung samt Torwartduo Ritschel/Redwitz verdiente sich Bestnoten. Redwitz, der für den angeschlagenen Ritschel (Knieprobleme) zum Zug kam, sollte eigentlich nur kurz für Entlastung sorgen, wuchs aber über sich hinaus. Die Schwaben Sebastian Seitner oder Jürgen Schweikardt kamen einfach nicht am reaktionsstarken Hüttenberger Keeper vorbei. "Für uns war es einfach schön, vor so einer tollen Kulisse zu gewinnen. So macht Handball Spa?, sagte Redwitz später.

Bittenfelds Publikum gab dem Topspiel einen würdigen Rahmen. Selbst als Stock per Tempogegenstoß zum 23:16 (42.) einwarf, feuerten die Fans ihren TVB lautstark an. Die Bemühungen auf der Tribüne, Bittenfeld nach vorne zu treiben, wurden immer stärker. Nach einem Dreierpack von Seitner zum 20:23 (49.) war die Partie wieder offen, zumal der TVH im Angriff die Linie verlor und über zehn Minuten ohne eigenen Treffer blieb. Doch beachtenswert und nicht selbstverständlich war die Reaktion auf Schöbingers Ausgleichstor zum 24:24 (55.

). Die Halle stand kopf, die Gastgeber drängten mit Vehemenz auf ihre erste Führung - und Hüttenberg blieb cool wie ein Favorit, der eine Pflichtaufgabe zu erledigen hatte.

Bittenfelds Angriff, der zur Führung hätte führen können, verlief im Sande, und Florian Billek setzte die Kugel im Gegenzug in Maßarbeit zum 25:24 (57.) direkt unter die Latte. Auch Stock traf in den letzten Minuten ins Schwarze und erhöhte in Unterzahl auf 26:24 (58.). Die Entscheidung war aber Pausch, dem "Spieler des Tages", vorbehalten. Sein abermals sicher verwandelter Siebenmeter in der Schlussminute ließ keine Zweifel am verdienten Auswärtserfolg mehr zu.

Letztlich waren es also die Gäste, die zum Hit "Explode" feierten und tanzen. Kein Wunder, denn die Gorr-Truppe hat sich mit diesem Sieg als neuer Tabellenzweiter eindrucksvoll um den Relegationsplatz beworben.

TV Bittenfeld: Sdunek, Rutschmann; Seitner (4), Schöbinger (2), Weiß, Baumbach, Lenz (1), Schweikardt (3/1), Heib (2), Baumgarten (5), Wehner (2), Hauk (3), Rothe (4/1), Drobek.

TV 05/07 Hüttenberg: Ritschel, Redwitz; Andreas Lex (3), Laudt (1), Jezewski (1), Rigterink (1), Stefan Lex (2), Scholz (1), Fernandes, Langenbach (2), Billek (1), Pausch (11/4), Stock (4), Faulenbach, Bepler.

Im Stenogramm: SR: Schembs/Weyell (Nieder-Olm/Nackenheim). - Z.: 1100. - Zeitstrafen: 6:10 Minuten. - Rot: Scholz (57./3x2). - Siebenmeter: 4/2:5/5. Jan M. Strasheim

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