Hüttenberger Schomburg und Pechstein drehen auf

Wer hätte das gedacht? Der TV Hüttenberg hat den Tabellenzweiten TV Emsdetten am Samstagabend klar bezwungen. Besonders die beiden Youngster Marc Pechstein und Fabian Schomburg im Tor hatten großen Anteil am 28:22-Erfolg.

(htr) Als drei Minuten vor Schluss Fabian Schomburg einmal mehr reaktionsschnell einen Wurf von Stefan Thünemann abgewehrt hatte, hielt es die 1318 Zuschauer in der Hüttenberger Sporthalle nicht mehr auf ihren Sitzen. Standing Ovations begleiteten die Zweitbundesliga-Handballer während der letzten 180 Sekunden auf ihrem Triumphmarsch zum in der Höhe zwar überraschenden, dennoch vollauf verdienten 28:22 (15:12)-Erfolg gegen den im Vorfeld hoch gehandelten TV Emsdetten, der zwar Tabellenplatz zwei behält, allerdings ist der nun viertplatzierte TV 05/07 Hüttenberg bis auf drei Zähler an den Gast herangerückt. Das lässt hoffen für die Zukunft.

"Heute bin ich sogar mit mir selbst zufrieden", sagte unmittelbar nach Spielschluss der umjubelte 21-jährige Schomburg, der zuletzt als etatmäßiger Schlussmann in der zweiten Mannschaft zwischen den Pfosten stehende feierte somit einen "schönen Einstand im ersten Zweitbundesliga-Spiel".

Nach dem 24:22 in Bietigheim vor Wochenfrist nun mit dem 28:22 also ein weiterer Schritt in eine bessere Zukunft unternommen hat der TVH, der sich neben Schomburg über einen zweiten "Spieler des Tages" freuen durfte. Marc Pechstein explodierte förmlich nach der Pause im linken Rückraum und steuerte seine fünf Treffer allesamt nach dem Kabinengang bei. 16:12 hieß es nach 30:50 Minuten für den TVH, und nur drei Minuten später sorgte er erneut dafür, das beim 18:14 der Vier-Tore-Vorsprung gewahrt blieb. Psychologisch wichtig sein Treffer zum 21:18 (44.), während beim 26:20 (53.) die Gäste kaum noch etwas entgegenzusetzen hatten. "Dass es am Schluss so hoch für uns geworden ist, lag auch daran, dass Emsdetten zuletzt aus allen Rohren geworfen hat", zeigte sich der 20-Jährige dennoch nicht enttäuscht über den Gast, der allerdings "nicht seinen besten Tag erwischt hat". Die Komplimente für seinen beherzten Auftritt gab Pechstein gern weiter: "Meine Nebenleute haben sehr gut gearbeitet und weggeblockt, sodass ich auch mal ohne Körperkontakt abziehen konnte. Dadurch wurde es auch leichter für mich."

Wie wichtig dieser Erfolg gegen einen Großen und nach der Niederlage im letzten Heimspiel gegen Nordhorn-Lingen für die Hüttenberger war, zeigte sich in der Szenerie nach dem Abpfiff. "Oh, wie ist das schön", dröhnte es ohrenbetäubend aus den Lautsprechern, während die Spieler ausgelassen und engumschlungen im Kreis hüpften und tanzten – und damit zum Ausdruck brachten: Wir sind ein Team.

"Ein großes Lob an das gesamte Team", hatte denn auch TVH-Trainer Heiko Karrer in der Pressekonferenz parat, sprach von einem "schönen Abend", und "wenn wir so weitermachen, haben wir noch öfters schöne Abende hier". Was nicht nur Karrer treffend bemerkte, war die imponierende Abwehrarbeit der Mittelhessen. "Lediglich 22 Gegentore gegen einen so starken Rückraum", damit hätten wohl auch Optimisten im Vorfeld kaum gerechnet. "Wir haben sie unter Druck gesetzt und zu Fehlern gezwungen", allerdings war Karrer auch vom Teamgeist angetan: "Die Abstimmungsprobleme waren nicht so gravierend, wichtig war, dass jeder für den anderen gekämpft hat.

" Und natürlich hatte der TVH-Coach auch ein "Extralob für die beiden jüngsten Spieler" übrig, die in wichtigen Situationen stets präsent waren.

Emsdettens Trainer Patrik Liljestrand war dagegen kaum erfreut, sprach von einem "verdienten Sieg der Hüttenberger", zeigte sich über seine Abwehr nach dem Ausfall von Patrik Kvalvik (Sehnenriss) und der Hereinnahme des jungen Maximilian Schüttemeyer weniger enttäuscht als über den Auftritt seiner Offensive: "Nur zehn Tore in 32 Minuten, das geht gar nicht", verwies der Coach auf die Phase zwischen dem 11:11 (21.) und 21:26 (53.). Überdies zeigte sich Elvir Selmanovic mit nur einem Treffer nach dreiwöchiger Verletzungspause nicht als Torschütze vom Dienst, und Ernir Arnarson im mittleren Rückraum fand dank des energischen Hinlangens von Florian Laudt ebenfalls keine Bindung zum Spiel.

Dafür aber die Hüttenberger von Beginn an. Zwar dauerte es bis zur fünften Minute, ehe der agile Andreas Lex per feinem Heber zum 4:3 abgezogen hatte, doch beim 7:4 (11.) erneut durch Lex wurde dem TVE erstmals klargemacht, dass hier und heute nichts zu holen sein wird. Der letzte Gleichstand datierte aus der 25. Minute, als Sebastian Weber die letzte Emsdettener Führung für die druckvollen Hüttenberger ausgeglichen hatte. 15:12 hieß es zur Pause, und über die Stationen 19:15 (37./Lex-Siebenmeter) und 23:19 (47./Laudt) führte der Spielfilm weiter bis zum 27:21 (56./Michael Stock), ehe Sekunden später die eindrucksvolle dreiminütige Schlussphase durch eine Schomburg-Parade eingeläutet wurde.

TV 05/07 Hüttenberg: Schomburg, Ritschel; Pechstein (5), Andreas Lex (5/2), Laudt (3), Faulenbach (1), Wernig, Weber (3), Stefan Lex (4), Scholz (3), Fernandes, Pausch (2/1), Stock (2).

TV Emsdetten: Babin, Feshchanka, Selmanovic (1), Bozovic (6), Thünemann (2), Kourtchev (3), Schüttemeyer, Boomhouwer (5/1), Ragnarsson (5), Arnarson.

Im Stenogramm: SR: Harms/Mahlich (Magdeburg/Stendal). - Z.: 1318. - Zeistrafen: 2:2 Min. (Weber. - Boomhouwer). - Siebenmeter: 4/3:1/1.

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