Hüttenbergs Moritz Zörb (vorn) holt gegen die Dormagener Eloy Morante Maldonto (33/l.) und Jakub Sterba (dahinter) einen Siebenmeter. Das Zweitliga-Heimspiel geht dennoch unglücklich mit 26:27 verloren. Foto: ras
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Hüttenbergs Moritz Zörb (vorn) holt gegen die Dormagener Eloy Morante Maldonto (33/l.) und Jakub Sterba (dahinter) einen Siebenmeter. Das Zweitliga-Heimspiel geht dennoch unglücklich mit 26:27 verloren. Foto: ras

Handball

Hüttenberger Rumpfteam geht die Kraft aus

  • vonMarkus Röhrsheim
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Fünf Sekunden fehlen dem Rumpfteam des TV 05/07 Hüttenberg in der 2. Handball-Bundesliga gegen den TSV Dormagen zum Teilerfolg. Dann erzielen die Westdeutschen den 27:26-Siegtreffer.

"Das ist einfach nur scheiße, wenn man zu Hause wieder mit einem Tor verliert", fasste Routinier Tomáš Sklenák die 60 Minuten zusammen. Und bitter zugleich. Denn der TV 05/07 Hüttenberg, der auf die verletzten Stammkräfte Tobias Hahn, Mario Fernandes. Dieudonné Mubenzem und Hendrik Schreiber verzichten musste, hatte über 50 Minuten die Nase vorne, musste aber den TSV Dormagen mit einem 27:26 (11:17)-Sieg nach Hause fahren lassen.

Dabei startete die Partie nicht nur gut für die Gastgeber, sondern auch endlich mal mit einer positiven Überraschung, denn der Schwede Markus Stegefelt stand nur sechs Wochen nach seiner Meniskus-OP überraschend im Kader und später auch fast 30 Minuten auf dem Feld. "Ich habe bisher noch nicht wieder Angriff trainiert, wollte aber unbedingt der Mannschaft helfen", sagte der erschöpfte Halblinke. Und hatte damit offenbar seinen noch gerade einmal acht übrig gebliebenen Feldspielerkollegen, die durch vier Nachwuchsspieler zumindest auf der Bank Unterstützung bekamen, das richtige Signal gegeben.

Zwar konnten die Gäste die schnelle 3:1-Führung nach einem Doppelschlag von Kreisläufer Moritz Zörb zum 5:5 in der elften Minute durch Mittelmann Eloy Morante Maldonado egalisieren. Das 6:5 von Merlin Fuß, der schlitzohrig einen Abpraller noch verwertete, war aber der Auftakt, um sich auf 9:5 durch einen Siebenmeter von Björn Zintel abzusetzen. Doch Dormagen kam in der 23. Minute erneut zum 10:10-Ausgleich, ehe der TVH eine bärenstarke Endphase der ersten Halbzeit hinlegte. Stegefelt betrat erstmals das Feld, scheiterte an Torwart Sven Bartmann, nahm aber den Abpraller auf und jagte ihn zum 12:10 ins Netz. Dem ließ Björn Zintel eine Gala folgen, der - nur unterbrochen von einem Treffer von Merlin Fuß - mit vier Toren auf das Pausen-17:11 erhöhte. Auch, da Torhüter Nikolai Weber den Gästen einige freie Bälle abkaufte.

Die Frage in der Pause, wie lange die Blau-Weiß-Roten dieses Level würden halten können, schien erst einmal unberechtigt. Erneut Zörb und Sklenák erhöhten direkt nach Wiederanpfiff auf 19:12. "Wir hatten das Spiel im Griff. Aber zwischen der 35. und 45. Minute war es dann sehr mühselig. Ich verwerfe einen Tempogegenstoß und treffe auch das in Unterzahl leere Tor nicht. Wenn wir da noch weiter wegziehen, läuft das Spiel wohl anders", gab sich Björn Zintel nach dem Schlusspfiff selbstkritisch. "Und natürlich hätten uns mehr Wechselmöglichkeiten geholfen." Und Tomáš Sklenák hatte erkannt. "Wir haben dann nicht mehr miteinander gespielt. Der Torwart hält ein paar Bälle und es kommt bei uns zur Panik."

Denn TSV-Trainer Dusko Bilanovic, früher in Dutenhofen als Spieler aktiv, hatte in der Pause Janis Boieck ins Tor beordert, und dieser wurde in Halbzeit zwei zum Faktor. Da zudem die TVH-Deckung die Intensität der ersten 30 Minuten nicht aufrecht halten konnte, war Dormagen schon in der 37. Minute durch Linksaußen Pascal Noll auf 17:19 heran gekommen. Da zudem Zintel in der 42. Minute in Unterzahl auch mit einem Strafwurf an Boieck scheiterte und Rechtsaußen Merlin Fuß mit einem Lattentreffer Pech hatte, konnte abermals Noll kurz darauf - erstmals nach dem 5:5 - wieder egalisieren (21:21).

So ging es in eine spannende Schlussviertelstunde, in der Kreisläufer Moritz Lambrecht in der 49. Minute mit dem 23:22 die letzte TVH-Führung gelang. Denn nach zwei technischen Fehlern von Björn Zintel und einer Zeitstrafe gegen Sklenák waren die Gäste beim 24:23 von Pascal Noll erstmals in Front (52.). Zwischenzeitlich hatte sich auch noch Nikolai Weber mit Oberschenkelproblemen auf die Bank verabschiedet. Dennoch versuchten die TVH-Handballer auch auf der letzten Rille weiter alles. Björn Zintel aus dem Rückraum sowie zweimal Markus Stegefelt nervenstark vom Siebenmeterstrich glichen jeweils die Dormagener Führung wieder aus. Dennoch sollte der große Kampf nicht zumindest mit einem Punkt belohnt werden. Denn Eloy Morante Maldonado nutzte fünf Sekunden vor dem Schlusspfiff eine Überzahlsituation nach einer Zeitstrafe gegen Moritz Lambrecht zum 27:26-Siegtreffer und ließ die tapferen Gastgeber mit leeren Händen und nur einen Punkt vor den Abstiegsplätzen da stehen.

TVH-Trainer Frederick Griesbach konnte natürlich seine Enttäuschung nicht verbergen, stellte sich aber deutlich vor seine Mannschaft. "Ich denke, man hat gesehen, dass wir alles geben. Ich kann den Jungs vom Einsatz her keinen Vorwurf machen, wenn sie so kämpfen wie heute. Dass sie dann Fehler machen, wenn man durchspielen muss, das lässt sich nicht vermeiden. Wir haben den Vorsprung in der ersten Halbzeit heraus geholt, weil wir Tempo gegangen sind. Deshalb haben wir in der Pause gesagt, dass wir uns nicht unsere Stärke nehmen wollen und das weiter machen müssen. Natürlich hat uns dann hinten raus wohl etwas die Kraft gefehlt. Es war eine bravouröse Leistung heute, die leider nicht belohnt wurde. Aber sobald die Verletzten Stück für Stück zurück kommen, werden wir auch Spiele gewinnen."

TV 05/07 Hüttenberg: Plaue, Weber; Fuß (4), Sklenák (2), Belter, Lambrecht (1), Uth, Rompf (1), Zörb (3), Stegefelt (3/2), Hübscher, Kirschner, Zintel (11/4), Klein (1), Roth.

TSV Bayer Dormagen: Boieck, Bartmann; Reuland (6/3), Köster (5), Meuser, Richter (2), Reimer, Thomas, Rebelo, Noll (4), Patrick Hüter (2), Braun, Morante Maldonado (4), Sterba (1), Grabavac (3).

SR: Friedel/Herrmann (Aue) - Zuschauer: 1120 - Zeitstrafen: 8 -10 (Strafminuten) - Siebenmeter: 7/6:3/3.

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