Hüttenberger Rückschlag

Die 600 Zuschauer im rappelvollen Kultur- und Sportzentrum Delitzsch hielt nichts mehr auf den Sitzen. "Die Fans von Concordia Delitzsch waren natürlich begeistert. Das ist doch klar", musste Jan Gorr, Trainer des Handball-Zweitligisten TV 05/07 Hüttenberg, erkennen. Denn während Hüttenberg nach sechs Spielen ohne Niederlage in Serie von den Sachsen mit 37:29 (20:15) deutlich in die Schranken gewiesen wurde, durfte das Siegerteam gemeinsam mit dem lautstarken Anhang den achten Sieg in Serie feiern.

(jms) Die 600 Zuschauer im rappelvollen Kultur- und Sportzentrum Delitzsch hielt nichts mehr auf den Sitzen. "Die Fans von Concordia Delitzsch waren natürlich begeistert. Das ist doch klar", musste Jan Gorr, Trainer des Handball-Zweitligisten TV 05/07 Hüttenberg, erkennen. Denn während Hüttenberg nach sechs Spielen ohne Niederlage in Serie von den Sachsen mit 37:29 (20:15) deutlich in die Schranken gewiesen wurde, durfte das Siegerteam gemeinsam mit dem lautstarken Anhang den achten Sieg in Serie feiern. "Unser Deckung hat zu viele Lücken offenbart. Das war sicher der Knackpunkt. Ich bin verärgert darüber, dass wir nicht unser Potenzial abrufen konnten", meinte Trainer Jan Gorr, den somit ein "ungutes Gefühl" auf der fast fünfstündigen Heimfahrt nach Mittelhessen begleitete.

Schon zu Beginn einer unterhaltsamen und offensiv geführten Begegnung schafften es die Hausherren immer wieder, den offensiven 3:2:1-Deckungsverbund der Hüttenberger clever auseinander zuziehen und in Verlegenheit zu bringen. Bis zum 9:9 durch Marc Langenbach (14. / Tempogegenstoß) konnte Hüttenberg dank guter Angriffsaktionen mithalten. Alles schien möglich zu sein und Gorr war bis dato nicht unzufrieden: "In der ersten Viertelstunde ist es uns gelungen, ein gutes Offensivspiel aufzuziehen.

Das war absolut in Ordnung. Doch es war zu diesem Zeitpunkt bereits klar, dass die Mannschaft gewinnen wird, die sich zuerst absetzen kann."

Nachdem Rene Boese ein Doppelpack gelang, war es die Concordia, die beim 13:9 (18.) alle Trümpfe in der eigenen Hand hielt. Hüttenberg dagegen war für einige Minuten perplex ob der Delitzscher Präzision im Angriffsspiel. Die Deckungsreihe des vermeintlichen Aufstiegskandidaten wurde ein ums andere mal degradiert, sodass Gorr im Laufe des Spiels taktische Änderungen vollziehen musste und eine unkonventionelle Manndeckung gegen den Delitzscher Schützen Martin Hummel anordnete.

Vor der Pause konnte sich die Mannschaft der Stunde aus dem Leipziger Vorort bereits vorentscheidend absetzen. Zunächst zeigte sich beim Gast wieder einmal die Nervenschwäche vom Siebenmeterpunkt, als Florian Billek beim Stande vom 14:18 (28.) verwarf. Im direkten Gegenzug zeigte der kecke Ulrich Streitenberger, wie Strafwürfe erfolgreich verwandelt werden können und ließ die Halle jubeln. Diesmal gelang es den Mittelhessen nicht, so couragiert und frei aufzuspielen wie beim letzten Auswärtsspiel in Bittenfeld. "Es ist bei uns im Positiven wie im Negativen so, dass wir gemeinsam gut oder gemeinsam schlecht spielen. Diesmal war es schwach", meinte Gorr, der niemanden aus seiner Truppe positiv herausheben konnte.

Dafür verteilte der TVH-Trainer Lob für den finanziell stark angeschlagenen Gastgeber: "In Delitzsch wird sich in den kommenden Tagen entscheiden, ob der Klub weiterhin in der 2. Bundesliga spielen kann. Die Mannschaft lässt sich nicht von diesen Irrungen beeindrucken und spielt seit Wochen sehr konstant. Davor muss man ganz klar den Hut ziehen."

Concordia Delitzsch liegt nun nur noch zwei Zähler hinter dem TVH, der für das Erreichen des primären Saisonziels Platz fünf noch drei Zähler benötigt. Allerdings muss am kommenden Freitagabend (20 Uhr/Sportzentrum Hüttenberg) gegen den EHV Aue eine wesentliche Leistungssteigerung - gerade gegenüber dem zweiten Abschnitt - erfolgen.

Denn die Concordia hatte gegen Ende der letztendlich einseitigen Begegnung genügend Raum zum Glänzen. Beim 33:23 (!) durch Steve Baumgärtel zehn Minuten vor Schluss drohte der Gorr-Truppe gar ein Fiasko. "Delitzsch hatte sich in einen richtigen Rausch gespielt. Zudem hat deren Torwart Gabor Pulay ein ganz hervorragendes Spiel gemacht", meinte Hüttenbergs Trainer, der sich gar nicht lange mit der Niederlage beschäftigen wollte. Auf der langen Heimreise interessierte den Trainer vor allem der Saisonschlussspurt, wo zu Hause gegen Aue und gegen Groß-Bieberau mit zwei Siegen eine starke Serie abgeschlossen werden kann.

Dass bei dem anspruchsvollen Auswärtsprogramm (in Friesenheim, in Erlangen und beim Bergischen HC) tatsächlich der Relegationsplatz herausspringen könnte, ist nach dem Eindruck der Delitzsch-Partie eher unwahrscheinlich - zumal die Mannschaft etwas müde wirkte.

Concordia Delitzsch: Pulay, Bliß; Müller (1), Akatsuka (1), Streitenberger (10/5), Hummel (5/1), Baumgärtel (3), Oehlrich (2), Warmuth (1), Boese (9), Jacob (1), Riehn (2), Telehuz (2).

TV 05/07 Hüttenberg: Ritschel, Redwitz; Andreas Lex (1), Faulenbach (2), Laudt (1), Stelzenbach (2), Jezewski (5/1), Rigterink (2), Stefan Lex (3/1), Scholz (1), Langenbach (4), Billek (1), Stock (3), Pausch (4/1).

Im Stenogramm / Schiedsrichter: Blümel/Loppaschewski. - Zuschauer: 600. - Zeitstrafen: 8:2 Minuten. - Rote Karte: Telehuz (56./ dritte Zeitstrafe).- Siebenmeter: 6/6:6/2.

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