Da war die Hüttenberger Handball-Welt im Zweitliga-Heimspiel gegen Dormagen für einen Moment noch in Ordnung. Ryuga Fujita (links) und Merlin Fuss (2) bejubeln einen der erzielten 30 Treffer. Zum Sieg reichen sie beim 30:34 dennoch nicht. FOTO: THÜRMER
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Da war die Hüttenberger Handball-Welt im Zweitliga-Heimspiel gegen Dormagen für einen Moment noch in Ordnung. Ryuga Fujita (links) und Merlin Fuss (2) bejubeln einen der erzielten 30 Treffer. Zum Sieg reichen sie beim 30:34 dennoch nicht. FOTO: THÜRMER

Handball

Hüttenberger Abwehr steht nicht

Dem TV Hüttenberg ist ein weiteres Erfolgserlebnis verwehrt geblieben. Gegen Bayer Dormagen muss sich der Handball-Zweitligist auf eigenem Parkett mit 30:34 geschlagen geben.

Es bleibt dabei: Die Punkte gegen den TV Hüttenberg sind für die Dormagener in der Geschichte der direkten Duelle zu 90 Prozent eine sichere Bank. Aus bisherigen 17 Spielen beider Teams gegeneinander gewann Dormagen - inklusive Samstag - 16. Dementsprechend war die Gemütslage der verantwortlichen Trainer schon auf dem Weg zur Pressekonferenz sinnbildlich für die Stimmung und den Spielverlauf.

Auf der einen Seite Dusko Bilanovic, der sich noch bestens in Mittelhessen aus seiner Zeit bei der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen von 1995 bis 1997 als Spieler auskennt. Gut gelaunt nahm sich der Serbe ein alkoholfreies Kaltgetränk und war zu Späßen aufgelegt. "Immer, wenn ich hierherkomme, weiß ich, es gibt das beste Bier." Auf der anderen Seite sein ehrgeiziger Trainerkollege Frederick Griesbach, dieser wiederum saß nachdenklich auf seinem Stuhl und haderte mit dem Ergebnis.

Bilanovic hatte auf seinen besten Torschützen, Ante Grbavac, verletzt verzichten müssen. Dennoch kam seine Mannschaft besser ins Spiel als die Gastgeber und ging mit 2:0 in Führung. Hüttenberg brauchte bis zur fünften Minute, um den ersten eigenen Treffer durch Johannes Klein zu markieren. Als die Gäste mit 6:2 enteilten, weil bei Hüttenberg vorne noch der Wurm drin war, zog Griesbach seine erste Auszeit (11.).

Während Dormagen vorne geduldig auf seine Chance wartete, scheiterte der TVH mehrfach im Abschluss. Nach der Auszeit wurde das Spiel enger (4:6, 13.), doch nun kam auch noch das Pech bei Abprallern hinzu. Mehrfach parierte zudem Dominik Plaue, doch seine Teamkollegen vergaben zu viele Chancen.

So zog sich der Zwei-Tore-Rückstand durch die erste Hälfte. Ein Beispiel für das beschriebene Szenario? Dormagen vergeigte kurios den eigenen Anwurf nach einem Hüttenberger Treffer, doch Johannes Klein konnte den technischen Fehler nicht nutzen und scheiterte am Aluminium. Aufgrund des bislang fairen Spielverlaufes gab es in der 27. Minute das erste Überzahlspiel der Hausherren, aber auch daraus ließen sie den möglichen Profit liegen. Auffällig war, wie der Dormagener Innenblock mit viel Laufarbeit und Körperlichkeit das Zusammenspiel des Hüttenberger Rückraums mit Kreisläufer Vit Reichl zu unterbinden wusste. In den bisherigen Spielen eine der großen Stärken, gelang Reichl sein erster Treffer erst mit dem Halbzeitstand zum 11:14.

Aus der Kabine heraus verpassten die Hüttenberger erneut die Chance, auf ein Tor zu verkürzen. Stattdessen bestraften die Gäste die offensive Nachlässigkeit des Gastgebers konsequent und Alexander Senden traf für seine Farben zum 17:13. (34.).

Es wirkt mittlerweile fast so, als hätte der TVH "Spaß" daran, jedes Spiel seinen Fans zu Hause vor dem Livestream eine Achterbahn der Gefühle zu bescheren. Kurze Zeit später verkürzten die Ian Weber und Co. sie erneut auf zwei (16:18). In der 38. kam es auf Höhe der Mittellinie zu einem unglücklichen Vorfall im Kampf um den Ball zwischen Hendrik Schreiber und Ian Hüter. Beide verhakten sich mit den Beinen ineinander, sodass Schreiber eine klare Torchance ohne weiteren Abwehrspieler verwehrt blieb. Nach kurzer Behandlungs- und Verschnaufpause ging es für ihn weiter, sein Kontrahent Hüter musste mit aber einer Roten Karte vom Feld.

Dennoch kam Hüttenberg offensiv nicht besser in den Rhythmus. Deshalb nahm Frederick Griesbach folgerichtig beim 17:23 (42.) seine zweite Auszeit. Auf der Torwartposition gab es mit dem Wechsel von Plaue auf Weber eine Veränderung, da Plaue nach seiner starken Anfangsphase keinen Zugriff mehr zum Spiel hatte. Zudem stellte Griesbach die Deckung auf eine 5:1 um.

Wenn es an einer Sache diese Saison nichts zu mäkeln gibt, dann an der Moral der jungen Hüttenberger Mannschaft. Anders lässt sich hingegen über die Defensivleistung sprechen, gab es in bisher fünf von sieben Partien doch mehr als 29 Gegentore, womit ein zusätzlicher, enormer Aufwand offensiv betrieben werden muss, um zum Erfolg zu kommen.

Doch eben jene Moral brachte den TVH mal wieder zurück. Rechtsaußen Ryuga Fujita, der starke Merlin Fuß und wiederum Fujita führten für ihr Team sechs Minuten vor dem Ende den 27:27-Ausgleich herbei. Einmal mehr bahnte sich ein Drama in der Schlussphase an. Beim Stande von 30:32 zwei Minuten vor dem Abpfiff zielte Christian Rompf aus der eigenen Hälfte aufs leere Tor der Gäste - und scheiterte. Statt der letzten Chance auf was Zählbares für die Mittelhessen besiegelte Dormagens Alexander Senden mit seinem Treffer zum 33:30 die Niederlage für die Heimmannschaft.

Hüttenberg: Plaue, Böhne, Nikolai Weber; Fuß (6), Theiss, Fujita (2), Ian Weber (6/1), Rompf (6), Reichl (4), Mubenzem, Hübscher, Hahn, Klein (1), Jockel, Schreiber (5)

Dormagen: Juzbasic, Bartmann; Reuland (7/1), Senden (4), Meuser (7), Juric, Richter (8/3), Iliopoulos, I. Hüter (3), Reimer, Blum, Noll, P. Hüter (2), Sterba (3), Mast, Rehfus.

Stenogramm / SR.: Frank/Bona. - Zeitstrafen: 10:8 Minuten. - Rote Karte: Ian Hüter (38.).

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