Ein Bild, das man in der Vorrunde häufiger sah: TVH-Trainer Axel Spandau, Andy Scholz und Thorsten Menges (v. l.) sehen der nächsten Niederlage entgegen. (Foto: ras)
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Ein Bild, das man in der Vorrunde häufiger sah: TVH-Trainer Axel Spandau, Andy Scholz und Thorsten Menges (v. l.) sehen der nächsten Niederlage entgegen. (Foto: ras)

Hüttenberg wartet auf personelle Verstärkung

War schon die Advents- und Weihnachtszeit durch den aufgrund der nun bis Anfang Februar andauernden WM-Pause vollgestopften Terminkalender alles andere als ruhig, so hat sich speziell an den letzten beiden Spieltagen des Jahres noch dazu die Tabellenlage für den TV 05/07 Hüttenberg in der 2. Handball-Bundesliga besorgniserregend verschärft.

"Das wird sehr schwer", bewertet daher der Sportliche Leiter Torsten Menges die eigene Lage – gerade auch wegen der letzten Ergebnisse. Deshalb heißt es in den anstehenden sechs Wochen bis zum Re-Start am 11. Februar 2015 gegen den TV Emsdetten sicherlich nicht nur, mit einer intensiveren Vorbereitung die Grundlagen dafür zu legen, in den anstehenden 15 Spielen doch noch den Klassenerhalt zu realisieren. Wunden lecken dürfte ebenfalls angesagt sein. Und das sowohl im körperlichen als auch im mentalen Bereich. Denn das Verletzungsmalheur hat die Blau-Roten, wie andere Zweitligisten auch, in dieser Saison erneut stark getroffen. "Wir haben nicht den Personalgrundstock wie andere. Jeder Verletzte tut uns richtig weh", weiß Menges. Die bereits in der Vorsaison erlittene Schulterverletzung von Mittelmann Sven Pausch musste verspätet doch noch operativ behandelt werden, sodass für ihn die Saison 2014/15 komplett auf der Streichliste steht.

Den mit großen Hoffnungen, da dringend benötigt, verletzt verpflichteten Rückraumschützen Maximilian Kraushaar ereilte bereits im zweiten Spiel nach seiner Genesung der nächste Rückschlag, der ihn ebenfalls für den Rest der Runde außer Gefecht setzt. "Seinen Ausfall merken wir kolossal. Mit ihm hätten wir mehr Optionen und eine andere Torgefahr aus dem Rückraum gehabt", trauert Torsten Menges aber nicht nur sportlich diesem Ausfall nach.

Zwar stellte sich die Schulterverletzung von Kreisläufer und Abwehrstratege Moritz Lambrecht im Nachhinein als weniger gravierend heraus. Doch die Freude währte nur kurz, da der als Vertreter vom Nachbarn HSG Wetzlar verpflichtete Moritz Zörb, der sich speziell in der Deckung schnell als tragende Säule etablierte, durch einen Syndesmosebandriss auch voraussichtlich drei Monate pausieren muss. Wenigstens soll Linksaußen Fabian Höpfner nach seinen Schulterproblemen nach der WM-Pause wieder einsatzfähig sein, hat dann aber auch viele Wochen auf der Ausfallliste gestanden, wo sich auch Routinier Andreas Scholz ebenfalls knapp vier Wochen wiederfand.

"Sondieren den Markt"

Während Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt – wie Eintracht Hildesheim und Bayer Dormagen – bereits auf ihre Verletzungssorgen reagierten und sich durch die personellen Nachbesserungen wichtige Punkte sichern konnten, hat man auf Hüttenberger Seite noch nicht gehandelt.

Hatte TVH-Marketinggesellschafter Martin Volk vor Kurzem noch mit Hinweis auf den fehlenden finanziellen Spielraum späte Nachverpflichtungen, wie auch im Vorjahr mit Marius Liebald und Torwart-Routinier Nenad Puljezevic als Antwort auf Verletzungssorgen, dementiert, haben sich die Voraussetzungen nun geändert. "Wir haben in einem Treffen mit unseren Sponsoren das eindeutige Signal bekommen, dass sie uns, zusätzlich zu den bestehenden Zusagen, mit allem unterstützen, was geht, um den Zweitliga-Status zu erhalten. Von daher sondieren wir nun den Markt für eventuelle Neuverpflichtungen", berichtet der Sportliche Leiter und ergänzt: "Aber klar ist: Wir haben keine finanziellen Probleme. Der aktuelle Etat ist gedeckt. Hier geht es um mögliche Zusatzkosten.

" Aufgrund der nun anstehenden Pause und der doch recht prekären Lage auf dem vorletzten Tabellenplatz mit bereits fünf Punkten Rückstand auf den rettenden 16. Rang ist nun sicherlich ein guter Zeitpunkt für eine eventuell zukunftsträchtige Entscheidung. Denn die junge TVH-Mannschaft hat in den zurückliegenden Spielen mit großer Willenskraft gezeigt, dass sie alles dafür tut, die Klasse zu halten. "Wir haben speziell in der Deckung und auch in der Gesamtheit aller bisherigen Spiele bei den Torhütern gute Leistungen gesehen. Wir sind in der Defensive viel variabler geworden", sieht Menges nicht nur Schatten. "Auch die Entwicklungen von Patrick Schmidt oder auch Markus Semmelroth, der eigentlich noch gar nicht fest für die 2. Liga eingeplant war, sind sehr positiv." Allerdings steht die fehlende Kons- tanz, auch gepaart mit fehlendem Glück angesichts vieler knapper Niederlagen, immer wieder den notwendigen Erfolgserlebnissen im Weg.

Daher wäre ein Ersatz für den als Mann für die einfachen Rückraumtreffer eingeplanten Maximilian Kraushaar genauso wichtig wie ein torgefährliches Pendant auf der rechten Rückraumseite, wo Neuzugang Petar Bubalo bisher nicht die hohen Erwartungen erfüllen konnte und in Coburg sogar nicht einmal einem personell sehr dezimierten Kader angehörte. Auch hierzu findet Menges deutliche Worte. "Ich bin von Beginn an nah an ihm dran. Petar hat anfangs einige wirklich gute Spiele gemacht. Darum waren wir auch davon überzeugt, dass er uns helfen kann. Aber seit einiger Zeit steht er total neben sich, und wir wissen nicht warum. Leider hat er auch einige Hilfsangebote von uns ausgeschlagen", steht Menges genauso vor einem Rätsel wie Trainer Axel Spandau, was die Zukunft Bubalos beim TVH infrage stellt. Menges schiebt nach: "Wir müssen halt für jedes Tor hart arbeiten. Wo bei anderen Mannschaften ein Spieler aus elf Metern hochsteigt und das Ding reinhaut, müssen wir uns in der Deckung den Ball hart erkämpfen, um dann im Tempogegenstoß zu unseren ›einfachen" Toren zu kommen."

In der gerade noch mit dem Klassenerhalt endenden Vorsaison hatte der TVH durch eine beeindruckenden Serie von sieben ungeschlagenen Spielen in der Vorrunde nach dem 21. Spieltag bereits 18 Punkte seiner am Ende insgesamt 26 Zähler auf der Habenseite. Aktuell sind es deren zehn weniger, und seit nunmehr neun Begegnungen wartet man bisher vergeblich auf einen Sieg. "Die Heimspiele gegen Neuhausen, Henstedt-Ulzburg und Aue hätten wir gewinnen müssen", weiß Menges um die liegen gelassenen Big-Points. Es muss sich also einiges tun in der spielfreien Zeit, wenn der Standort Hüttenberg auch in der Saison 2015/2016 weiter auf der Landkarte der 2. Handball-Bundesliga verzeichnet sein soll.

Menges gibt sich, trotz allem, weiterhin kämpferisch und sagt. "Ich habe mir schon das Auftaktprogramm nach der WM-Pause angesehen. Es soll jetzt nicht vermessen klingen. Aber ich halte es für realistisch, dass wir, vielleicht auch mit der einen oder anderen personellen Ergänzung, aus den ersten sechs Spielen fünf Siege holen können. Wenn wir das schaffen, sind wir wieder dabei." Markus Röhrsheim

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