Hüttenberg verpasst Relegation

Marketingchef Martin Volk eilte nach der Partie schnell zu Jan Gorr. "Feiert heute mal richtig, das habt ihr euch verdient. Es war eine tolle Saison. Danke dafür", lobte Volk seinen Trainer, der soeben mit dem TV 05/07 Hüttenberg beim Bergischen HC eine etwas zu deutlich ausgefallene 22:29 (14:13)-Niederlage einstecken musste, die alle Relegationsträume platzen ließ. Nichtsdestotrotz zeigten die Hüttenberger über weite Strecken des Spiels, weshalb sie in dieser Saison bis zum Schluss im Aufstiegskampf der 2. Handball-Bundesliga Süd mitgemischt haben.

Das Gorr-Team wurde schnell mit einer Hiobsbotschaft konfrontiert. Bereits nach wenigen Sekunden krümmte sich Spielmacher Florian Laudt mit Schmerzen auf dem Boden. Der spielstarke Stratege ging bereits mit erheblichen Rückenproblemen in die Partie und musste nach einem Sturz bereits nach wenigen Sekunden von Mannschaftsarzt Alwin Sauer in der Kabine behandelt werden. Der "Chef" kehrte zwar zurück, konnte aber nur noch auf der Bank Platz nehmen.

Für Florian Laudt mischte dann Sven Pausch die gegnerischen Abwehrreihen auf. Der ehemalige Essener überzeugte dabei in der ersten Hälfte auf der ganzen Linie. Zwar war es zunächst das bullige Starensemble aus dem Bergischen Land, das den Ton angab und durch Jiri Vitek (7.) zum 4:1 in Führung gehen konnte. Doch Hüttenberg hatte die passende Antwort parat und kämpfte sich zurück ins Spiel. Nach einem präzisen Wurf von Halblinks trafen auch Stefan Lex (dynamisch über Rechtsaußen) und Andreas Scholz mit Vollgas durch die Mitte zum 4:4 (9.). In dieser Phase war auch Matthias Ritschel im Tor ein starker Rückhalt.

Immer wieder fischte "Ritschi" mit seinen Reflexen – gerade in Eins-gegen-eins-Situationen – die Bälle weg. In der schwülen Luft der Klingenhalle legten die "Löwen" immer wieder vor. Kenneth Klev traf im Gegenstoß nach einem haarsträubenden TVH-Abspielfehler zum 8:6 (15.). Doch der couragierte Florian Billek vom Siebenmeterpunkt und von uußen glich wieder aus (8:8/17.). "Wir hatten uns vorgenommen, das Spiel schnell in unsere Richtung zu lenken und wollten gleich Vollgas geben. Das hat aber nicht so geklappt, weil Hüttenberg ein richtig gutes Spiel abgeliefert hat. Sie haben uns im ersten Durchgang das Leben richtig schwer gemacht", lobte der sechsfache Torschütze Jens Reinarz den guten Gegner.

Nach einer technisch guten Einzelleistung war es Pausch, der die erste Hüttenberger Führung zum 9:8 markierte (19.). Zur Pause traf Jezewski zur 14:13-Führung, die Florian Billek beinahe noch erhöht hätte. Doch sein Siebenmeter wurde von Keeper Jan Stochl entschärft. Der tschechische Keeper war ein Trumpf in der Hinterhand von BHC-Coach Schmitz. Denn nachdem Mario Huhnstock im ersten Durchgang eine ordentliche Leistung brachte, überragte Stochl im zweiten Abschnitt.

Für den TVH war dies der Knackpunkt. Zwar traf Andreas Lex nach der Pause zum 15:13 – doch dann war Schluss mit der Hüttenberger Herrlichkeit. "Unsere Kräfte schwanden. Mein Team hat ganz hervorragend gekämpft. Aber uns waren Grenzen gesetzt, zumal der BHC physisch überlegen ist", sagte Gorr. Innerhalb von sieben Minuten platzte der Traum der Relegation. Nach einer 16:14-Führung (Pausch/33.) sahen sich die Mittelhessen nach einem Klev-Treffer mit einem 16:19 Rückstand (40.) konfrontiert. "In dieser Phase hat man gemerkt, dass uns die Kraft ausging. Wir haben lange sehr gut dagegengehalten und uns gut verkauft. Am Schluss war der Bergische HC dann zu stark", meinte TVH-Keeper Ritschel.

Noch einmal keimte bei den 100 mitgereisten TVH-Fans Hoffnung auf, als Sven Pausch einen Siebenmeter zum 19:19 (44.) in die Maschen donnerte. "Doch danach haben wir den Sack zugemacht und auch verdient gegen einen starken Gegner gewonnen. Es war aus spielerischer Sicht kein hochklassiges Spiel. Aber wir haben zwei Teams gesehen, die unbedingt gewinnen wollten und bis zum letzten Blutstropfen gekämpft haben. Deswegen waren die Zuschauer auch so laut und stimmungsvoll. Da sind Spiele, die man nicht vergisst", meinte Kristoffer Kleven-Moen, der dänische Topstar des BHC.

Und auch wenn Hüttenberg letztlich einbrach und fix und fertig über das Parkett schlich, konnte das Team erhobenen Hauptes die Heimreise antreten. Von den eigenen Fans wurden die Spieler mit Plakaten und Danksagungen überhäuft. Arne Rigterink, der den Klub verlässt und emotionsgeladen nach dem Abpfiff zu Boden sank, fand die richtigen Worte: "Es war eine tolle Saison. Schade, dass wir die Relegation nicht geschafft haben. Aber ich denke, dass unsere Mannschaft eine sensationelle Runde gespielt hat. Es war ein überragendes Jahr."

Der Bergische HC darf als Zweitplatzierter noch von der ersten Liga träumen. In der ersten Relegationsrunde spielt die Mannschaft nun gegen den Nord-Zweiten TV Emsdetten.

Bergischer HC: Stochl, Huhnstock; Fuchs, Hoße (5/3), Vitek (6), Hinze, Klev (3), Quade (2), Duin (1), Kleven Moen (3), Kluge (1), Henkel (2), Reinarz (6), Aschenbroich.

TV 05/07 Hüttenberg: Ritschel, Redwitz (ab 49.) - Andreas Lex (2), Laudt, Stelzenbach, Jezewski (4), Rigterink (2), Stefan Lex (2), Scholz (2), Langenbach, Billek (3/2 Pausch (4/2), Stock (2), Faulenbach, Fernandes (n.e.).

Im Stenogramm / SR: Straczak/Ribero (Diepholz) - Zus.: 2800. - Zeitstrafen: 12:10 Min.- Rot: Kleven Moen (47./3. Zeitstrafe).- Siebenmeter: 3/2:6/4. Jan Martin Strasheim

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