In Hüttenberg knistert es

(jms) Der "Hüttenberger Weg" ist in aller Munde. Gerne und auch mit Recht stellen die Verantwortlichen des Handball-Zweitligisten TV 05/07 Hüttenberg ihr Konzept Sponsoren und Gönnern vor. Im Umfeld des Klubs setzt man bewusst auf die Attribute Jugendarbeit, Bodenständigkeit und finanzielle Solidität. Dennoch ist der Übergang aus der Ära Jan Gorr in die Zweitliga-Neuzeit noch mit der einen oder anderen Schwierigkeit verbunden.

Nicht erst die bittere 21:30-Niederlage bei der TSG Friesenheim-Ludwigshafen hat die Probleme zutage gefördert. Die Tatsache, dass immer wieder deutliche Führungen verspielt werden, spricht  nicht für eine homogen funktionierende Mannschaft. Mit 11:7 Punkten nach neun Spieltagen ist der TVH allenfalls befriedigend gestartet.

Jetzt hat die öffentlich geäußerte Kritik von Rückraumspieler Stefan Lex am Wechselgebaren von Neu-Trainer Heiko Karrer die Verantwortlichen auf den Plan gerufen: Der Trainer leicht angesäuert: "Ich habe mich auch noch nicht öffentlich über einen Spieler geäußert und erwarte das umgekehrt auch von den Akteuren. Stefan weiß, dass er das lassen sollte. Wir haben das besprochen. Die Spieler wissen, dass sie immer zu mir kommen können."

Lex, der seine zuletzt nur kurzen Einsatzzeiten bemängelt, musste sich gegenüber dem Management erklären. "Es ist nicht unsere Art, solche Sachen in der Öffentlichkeit auszutragen. Das haben wir ihm noch mal gesagt", sagt Martin Volk von der Marketing GmbH. Dem Rückraumspieler liegt zudem ein loses Angebot des Erstligisten HBW Balingen/Weilstetten vor. Gegenüber dieser Zeitung bestätigte Stefan Lex, ein Gespräch mit HBW-Coach Dr. Rolf Brack geführt zu haben. "Das war aber nichts Großes und nur kurz nach unserem Pokalspiel. Da ist aber rein gar nichts entschieden. Ich habe noch bis 2013 Vertrag in Hüttenberg. Was danach passiert, weiß ich noch nicht", sagt der Rückraumspieler, der in der vergangenen Runde eine wichtige Position innerhalb der Mannschaft eingenommen hatte.

Lex äußerte die Kritik, der Trainer wechsele zu wenig und sein Unverständnis darüber, dass Karrer die beiden im Pokalspiel gegen Balingen (30:32) starken Sven Pausch und Fabian Schomburg in Ludwigshafen nicht eingesetzt habe. Karrer kontert diese Kritik: "Das ist Blödsinn. Ich trage die Verantwortung und hatte Matthias Ritschel als Torwart den Vorzug gegeben, weil er einfach erfahrener ist und die Mannschaft besser kennt. Fabian ist 21 Jahre alt. Den will ich nicht einfach verheizen."

Der Vorwurf aus Teilen der Mannschaft soll sein - so Stefan Lex  - , dass Karrer zu starr an den ersten sieben Spielern festhalte. Ein Vorwurf, den Karrer von sich weist: "In Ludwigshafen hat Florian Laudt auch wegen seiner Defensivqualitäten begonnen."

Der Frust mancher Hüttenberger Spieler kam zuletzt häufig in deren Interview-Aussagen nach den Begegnungen durch. Auch die Tatsache, dass Karrer die Trainingszeit verdoppelt hat, stößt gerade bei den berufstätigen Spielern nicht gerade auf Gegenliebe. Für Karrer ist das normal: "Die Jungs haben zuvor sieben Jahre unter einem Trainer gearbeitet und zum Teil noch in der Jugend unter Jan Gorr trainiert.

Da ist es normal, dass ein neuer Trainer mit neuen Vorstellungen erst einmal etwas Zeit benötigt."

Das gilt auch für den taktischen Bereich. Die 6:0-Deckung, die Karrer als zweite Variante einstudieren lässt, klappt noch nicht. Und dazu findet der Trainer klare Worte: "Die Spieler müssen bereit sein, diese Deckung zu spielen. Sie müssen das wollen. Bislang ist dieser Wille nicht zu erkennen."

Heiko Karrer, so viel ist nach rund vier Monaten beim TV Hüttenberg klar, hat ein schwieriges Amt nach sieben erfolgreiche Gorr-Jahren übernommen. Martin Volk lässt aber keinen Zweifel daran, auch in der Trainerfrage am soliden und kontinuitätsbedachten Hüttenberger Weg festzuhalten: "Das ist selbstverständlich. Heiko bekommt die Zeit, die er braucht. Auch unter Jan Gorr war nicht alles eitel Sonnenschein. Da gab es auch mal Krisen und Schwankungen. Und so wie wir damals hinter Jan standen, stehen wir heute hinter Heiko."

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