Hüttenberg am Ende seiner Kräfte

Für den Festakt war alles gerichtet. 1600 Zuschauer sorgten in der ausverkauften Hüttenberger Sporthalle von Beginn an für eine tolle Atmosphäre und einen würdigen Rahmen eines echten Zweitliga-Spitzenspiels. In der Luft schwebte ein wenig der Hauch von erster Liga. Doch nach all den Galavorstellungen in den letzten Monaten konnte der TV 05/07 Hüttenberg diesmal die eigenen Fans nicht mit handballerischer Feinkost verwöhnen. Bei der 24:29 (9:16)-Niederlage gegen den Bergischen HC waren die Mittelhessen über die komplette Spielzeit ohne jede Chance.

(jms) Für den Festakt war alles gerichtet. 1600 Zuschauer sorgten in der ausverkauften Hüttenberger Sporthalle von Beginn an für eine tolle Atmosphäre und einen würdigen Rahmen eines echten Zweitliga-Spitzenspiels. In der Luft schwebte ein wenig der Hauch von erster Liga. Doch nach all den Galavorstellungen in den letzten Monaten konnte der TV 05/07 Hüttenberg diesmal die eigenen Fans nicht mit handballerischer Feinkost verwöhnen. Bei der 24:29 (9:16)-Niederlage gegen den Bergischen HC waren die Mittelhessen über die komplette Spielzeit ohne jede Chance.

Vorne, hinten, mittendrin - es klappte nichts beim Spitzenreiter. "Woran es lag ist wirklich schwer zu sagen. Wir waren einfach nicht 100-prozentig auf dem Spielfeld. Das ist in solch einem Spiel natürlich mehr als schade", war Andreas Lex geknickt, der immerhin für die wenigen Hüttenberger Glanzpunkte verantwortlich zeichnete.

Von Beginn an waren die Bergischen Löwen das dominierende und abgezocktere Team, das mit einem beherzten Defensiveinsatz und einer ungemein konsequenten Angriffsleistung auch den eigenen Trainer HaDe Schmitz in Verzückung brachte: "Es gibt Spiele, da ist mal als Trainer sehr stolz. Heute war solch ein Spiel. Wir haben eine perfekte Auswärtsleistung gebracht und verdient gewonnen." Während Hüttenberg über den "fehlenden unbedingten Siegeswillen" (Sebastian Weber) oder den "unglaublichen Kräfteverschlei? (Timm Schneider) sinnierte, bejubelte der BHC ein grandioses Ergebnis.

Nach einer ausgeglichenen Anfangsphase, in der Florian Billek im Nachsetzen zum 2:2 (4.) traf und mit einem feinen Heber von Rechtsaußen sogar die 4:3-Führung (9.) besorgte, trennte sich die Spreu vom Weizen nach einer Viertelstunde. Die physisch starken und ungemein dynamischen Löwen setzten sich auf 7:4 (14. / Henning Quade per Tempogegenstoß) ab. Dass in dieser Phase das unsicher wirkende Schiedsrichterduo ebenfalls keine gute Figur abgab, wollte Hüttenbergs Trainer Jan Gorr nicht als Alibi werten: "Wir haben uns die Niederlage selbst zuzuschreiben. Auf beiden Seiten gab es Situationen, die man so oder so hätte auslegen können."

Eine Schiedsrichter-Schelte wäre aufgrund der schwachen Angriffsleistung der Hüttenberger auch unangebracht gewesen. In der 15. Minute verzeichnete der TVH bereits den neunten (!) Fehlversuch. Florian Laudt scheiterte mit einem unplatzierten Wurf am starken Gästekeeper Jan Stochl. "Wenn die Deckung so steht wie bei uns an diesem Tag, kann der Torwart auch ein paar Bälle halten. Es hat einfach alles gepasst in dieser Hinsicht", meinte Schmitz.

Eine frühe Entscheidung zeichnete sich schon in der 21. Minute ab, als Runar Karason seine linke Klebe auspackte und die Kugel wie an der Schnur gezogen zum 10:6 im Winkel versenkte. Die Dezibelzahl in der Halle sank, die Zuschauer waren erstaunt über einen derart zahnlosen TVH. Nach der tollen Hinrunde bekam die Gorr-Truppe angedeutet, welcher Wind eine Etage höher herrschen dürfte. Phasenweise trat der BHC mit seiner sicher kostspieligen Profimannschaft auf wie ein Erstligist. Das Tempo war für eine Hüttenberger Truppe abseits ihrer eigentlichen Leistungsgrenze zu hoch.

"Uns war im Vorfeld klar, dass wir uns alles abverlangen mussten, um hier etwas holen zu können. Doch die lange Hinrunde war den Spielern deutlich anzumerken. Schon in Erlangen war das zu sehen", meinte Gorr, der seine Jungs stehend K.o. in die zehntägige Trainingspause taumeln sah. "Auch im zweiten Abschnitt hat der BHC nicht nachgelassen und uns einfach keine Möglichkeit geboten, nochmal heranzukommen", resümierte der Trainer.

Nach Pekelers Treffer zum 22:13 (42.) drohte sogar eine deftige Packung. "Die Niederlage war deutlicher als das Ergebnis. Wir haben am Ende noch Schadensbegrenzung betrieben", meinte Andreas Lex. Sein Trainer gab sich später schon wieder kämpferisch: "Jetzt haben wir einmal gegen den BHC gewonnen und einmal verloren. In dieser Statistik steht es eins zu eins. Mal sehen, wer am Ende der Saison die Nase hat."

Am Tag vor dem Jahreswechsel taugte der TV Hüttenberg allerdings nicht für gehobene Ansprüche. Timm Schneider brachte es auf den Punkt: "Gut, dass jetzt erst mal Pause ist." Der nächste ›Festakt‹ steigt für den TVH aber schon direkt nach der WM-Pause in der Stuttgarter Porsche-Arena. Dann heißt es beim TV Bittenfeld die beiden jüngsten Rückschläge vergessen zu machen.

TV 05/7 Hüttenberg: Ritschel, Redwitz; Andreas Lex (4), Laudt (3), Jezewski (3), Weber (1), Scholz (2), Fernandes, Schneider (1), Langenbach, Billek (7/3), Pausch (2), Stock (1).

Bergischer HC: Stochl, Huhnstock; Behr, Hosse (1), Vitek (4), Klev (2), Quade (2), Henkel (2), Kleven Moen, Kluge (2), Oelze (3/3), Reinarz (6), Pekeler (1)Karason (6/1).

Im Stenogramm / SR.: Dr. Daßler /Günther (Zwönitz). - Zuschauer: 1600. - Zeitstrafen: 2:8 Minuten. - Siebenmeter: 5/3:5/4.

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