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HSG Wetzlar völlig neben der Spur

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Von: Ralf Waldschmidt

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»Ersatz«-Spielmacher Tobias Ellebaek (Mitte) initiierte für Göppingen einen erfolgreichen Angriff nach dem anderen. Olle Forsell Schefvert (25) und Stefan Cavor (11) konnten ihm selten Einhalt gebieten. © Imago Sportfotodienst GmbH

Den Rückenwind vom Heim-29:29 gegen die SG Flensburg/Handewitt hat die HSG Wetzlar nicht mitnehmen können. Bei FA Göppingen setzt es eine 26:33-Niederlage.

Die HSG Wetzlar war am Sonntag bei der teilweise deklassierenden 26:33 (12:17)-Niederlage bei Frisch Auf Göppingen völlig neben der Spur. Von der ersten bis zur letzten Minute war bei den Grün-Weißen nichts zu sehen von den Leistungen der letzten sechs Partien, die man in Serie ungeschlagen geblieben war. Auch mental waren die Olle Forsell Schefvert und Co. nicht wiederzuerkennen gegenüber dem Bundesliga-Restart am vergangenen Donnerstag, als man in eigener Halle noch Champions League-Anwärter SG Flensburg/Handewitt einen Punkt abgeknöpft hatte.

»Wir waren in allen Bereichen nicht gut genug«, musste ein spürbar geknickter Trainer Benjamin Matschke einräumen, der bereits beim 1:5 nach sieben Minuten das Unheil auf sich und seine Mannschaft zukommen sah. »Wir spielen ohne Tempo, ohne Überzeugung, ohne Bereitschaft, ohne Rückzug«, mahnte er in einer seiner frühesten Auszeiten dieser Saison an.

Besser wurde es aber nicht. Stefan Cavor verballerte zweimal frei und ließ sich zu einem Stürmerfoul hinreißen, dazu kamen Pass- und Schrittfehler, weshalb die ohne ihre etatmäßigen Spielmacher Tim Kneule und Janus Smarason auskommen müssenden Göppinger beim 8:2 (10.) sogar noch weiter enteilt waren. Frisch Auf selbst war unter der Woche beim Bergischen HC unter die Räder gekommen, am gestrigen Sonntag im Duell des Tabellensechsten gegen den Rangfünften aber mit einer vollkommen anderen, einer selbstbewussten und siegesorientierten Körpersprache unterwegs.

Bereits nach einer Viertelstunde hatte Trainer Matschke sein Team komplett neu aufgestellt und vertraute im Rückraum auf die »kleine Formation« mit Alexander Feld, Olle Forsell Schefvert und Ivan Srsen. Beim 6:8 (15., Nyfäll-Gegenstoß) stellte sich auch kurzzeitig Besserung ein, zumal in der Folge auch Felix Danner/Tomislav Kusan den Innenblock besser verdichteten. Beim Blick zurück entpuppte sich diese Phase aber nur als kurzes Strohfeuer. Mit dem Schiller-Siebenmeter zum 12:9 (20.) setzten sich die Gastgeber, angeführt vom starken »Ersatz«-Spielmacher Tobias Ellebaek und »Mister 100« Prozent auf Halbrechts, Jon Lindenchrone, schnell wieder auf 15:9 (25.) ab.

Und auch die nächste Auszeit von Wetzlars Coach Matschke verpuffte wirkungslos. Derweil die Grün-Weißen im Blackout-Tunnel nichts auf die Reihe brachten und kaum einmal auf den Punkt spielten, wurde Göppingens Nationalspieler Sebastian Heymann in der Deckung neben Jacob Bagersted zum Blockmonster, hielt FA-Keeper Urh Kastelic allein ein halbes Dutzend Würfe und setzte die Flügelzange Schiller/Gulliksen den Gästen mächtig zu.

»Wir haben zu isoliert verteidigt, waren mental nicht bereit zum schnellen Umschaltspiel und waren in allen Belangen zu langsam«, unterschied sich das Abschlussstatement von Benjamin Matschke kaum von dem seiner ersten Auszeit. Beim 15:19 vom weiter stark verunsichert wirkenden Stefan Cavor (37.) waren die Wetzlarer letztmals auf vier Treffer herangekommen, über das 16:24 (40.) und 20:28 (48.) drohte zwischenzeitlich aber sogar ein Ergebnis-Debakel.

Null (!) gehaltene Würfe der beiden Torhüter in den ersten 35 Minuten, null Treffer der vier Außenspieler über lange 48 Minuten hinweg, null Ideen von der Rückraummitte aus über die gesamte Spielzeit. Im Grunde genommen hätten sich die Rubin, Cavor und Co. an diesem Sonntag den Sprit ins Süddeutsche sparen können.

Nach in den vergangenen Wochen spiel- und kampfstarken Auftritten war nach dem 26:33 vor allem aber diese Erkenntnis des Wetzlarer Trainers eine bittere: »Göppingen hatte Feuer von Anfang an.« Sein Team überraschender- und ungewöhnlicherweise nicht. Kein Wunder, dass weder die spieltaktischen Maßnahmen mit siebtem Feldspieler noch höher stehender 6:0-Abwehr oder den Druck verstärkender, gegen Flensburg erfolgreich praktizierter 5:1-Deckung fruchteten. Einziger Lichtblick: Maximilian Holst verwandelte alle sieben Siebenmeter und gewann damit das interne Duell mit Göppingens Strafwurf-Spezialist Marcel Schiller mit 7:5.

Göppingen: Rebmann, Kastelic; Neudeck (1), Lindenchrone (8), Heymann (2), Bagersted (2), Ellebaek (2), Schiller (8/5), Goller, Gulliksen (6), Hermann (1), Zelenovic, Kozina (3).

Wetzlar: Klimpke, Suljakovic; Feld (2), Srsen (1), Nyfäll (2), Kusan (1), Mirkulovski, Danner (1), Weissgerber (1), Holst (7/7), Fredriksen, Forsell Schefvert (1), Mellegard, Rubin (5), Novak, Cavor (5).

Stenogramm / Schiedsrichterinnen: Kuttler/Merz (Friedrichshafen). - Zuschauer: 2750. - Zeitstrafen: Bagersted, Zelenovic (beide Göppingen); Feld, Kusan, Forsell Schefvert, Novak (alle Wetzlar). - Siebenmeter: 5/5:7/7. - Torfilm: 3:0 (5.), 8:3 (11.), 8:6 (14.), 12:9 (20.), 15:9 (26.), 17:12 (Halbzeit); 19:14 (36.), 24:16 (40.), 26:18 (45.), 28:20 (50.), 32:25 (55.), 33:26 (Endstand).

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Ach Treffer von Frisch(Auf-Linkshänder Jon Lindenchrone (M.) muss die HSG-Abwehr um Tomislav Kusan (10) und Olle Forsell Schefvert (r.) zulassen. © Imago Sportfotodienst GmbH

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